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Burma Die Angst der Junta vor einer Einheitsfront

27.09.2007 ·  Im Vielvölkerstaat Burma machen die 130 Ethnien zusammen fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung aus. Von den oft militärisch organisierten Volksgruppen fühlt sich die Junta ebenso herausgefordert, wie von der Demokratiebewebung. Nun plant die Opposition ein Treffen.

Von Jochen Buchsteiner, Jakarta
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Als die Mönche am vergangenen Wochenende vor das Haus von Aung San Suu Kyi zogen, schien jene Allianz wiederhergestellt, die der burmesischen Militärjunta schon einmal die Stirn geboten hatte. Auch 1988, als die Generäle ihre bisher schwerste Prüfung erlebten, begehrten die urbanen Demokraten mit der Unterstützung des buddhistischen Klerus auf. Doch die scheinbar eherne Schlachtordnung verbirgt, dass sich die burmesische Regierung von einer anderen Kraft mindestens ebenso herausgefordert fühlt: den ethnischen Minderheiten.

Der Kampf der städtischen Demokratiebewegung gegen die Militärs spielt sich überwiegend in der Volksgruppe der Burman ab, die dem Land seinen Namen gegeben hat. In Burma leben aber mehr als 130 Ethnien, die zusammen fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Dass die Generäle den Staat vor einigen Jahren in Myanmar umtauften, reflektierte nicht nur ihren Anspruch, eine neue Definitionsgewalt auszuüben. Sie trugen auch der Tatsache Rechnung, dass sich ein Teil des Volkes vom Staatsnamen Burma ausgegrenzt fühlte.

Video: Angst vor mehr Gewalt in Burma

Zwanzig verschiedene Konflikte gleichzeitig

Das Verhältnis zwischen Zentralmacht und Minderheiten hat dies allerdings kaum verbessern können. Bis heute stehen die Soldaten der Junta in bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen mit mehreren Völkern, unter ihnen den Shan, den Karen und den Kachin.

Die Kämpfe insbesondere in den Grenzgebieten zu Thailand und China - zeitweise war das Militär in zwanzig verschiedene Konflikte gleichzeitig verwickelt - haben in den vergangenen Jahrzehnten weit mehr Tote gefordert als die Demokratieaufstände in den Städten. Menschenrechtsgruppen sprechen von bis zu 600.000 Toten auf beiden Seiten. Fast ebenso viele Menschen befinden sich nach Schätzungen der Vereinten Nationen derzeit auf der Flucht.

Zehnjährige Ausstiegsklausel

Erst Mitte des 18. Jahrhunderts hatten die Burman den jahrhundertealten Machtkampf im Land für sich entschieden. Die Shan, die Mon und andere Völker wurden von der Konbaung-Dynastie unterworfen oder zogen sich in die Randgebiete zurück, wo sie eigene, zum Teil staatsähnliche Strukturen entwickelten. So tief saß der Hass auf das Mehrheitsvolk, dass einige Stämme - wie die Karen - während des burmesischen Unabhängigkeitskampfs sogar an der Seite der britischen Kolonialherren standen.

Als General Aung San, der Führer der burmesischen Befreiungstruppen, die Shan, die Kachin und einige andere 1947 überzeugte, sich dem neuen, unabhängigen Staat - der Union von Burma - anzuschließen, waren sie so misstrauisch, dass sie sich eine zehnjährige Ausstiegsklausel vorbehielten. Unter einigen, wie den teilweise christlichen Kachin, begann es bereits zu brodeln, als Rangun Ende der fünfziger Jahre den Buddhismus zur Staatsreligion erklärte.

Als General Ne Win nach seiner Machtergreifung 1962 die Verfassung und damit die Autonomieregelungen außer Kraft setzte, traten die Kachin aus der burmesischen Armee aus und kämpfen seither mit ihrer „Kachin Independence Army“ um Unabhängigkeit für die 1,5 Millionen Stammesangehörigen.

Konflikte mit der „Shan State Army“

Mit einigen Volksgruppen - wie den Wa im „Goldenen Dreieck“ - hat die Junta einen Waffenstillstand geschlossen. Aber vielerorts werden Verträge nicht eingehalten.

Immer wieder zu Konflikten kommt es mit der „Shan State Army“, die ein autonomes Gebiet im Nordosten bewacht. Bis zu zwei Millionen Shan - mehr als ein Viertel des Volksstamms - sollen inzwischen nach Thailand geflohen sein.

Vor gut zwei Jahren erklärten Shan im Exil ihren „Staat“ für unabhängig, was nicht nur von den Generälen, sondern auch von vielen Shan in Burma und sogar von Aung San Suu Kyis Nationaler Liga für Demokratie (NLD) missbilligt wurde. Seither haben sich die Kämpfe verschärft.

Massaker in Dörfern

Mit besonderer Grausamkeit geht die burmesische Armee gegen die Karen im Südosten des Landes vor. Die „Karen National Liberation Army“, die für einen autonomes Gemeinwesen kämpft, wird auf bis zu 20.000 Mann geschätzt, aber Opfer sind vor allem Zivilisten.

Berichte wissen von Massakern in Dörfern, Menschenrechtsorganisationen sprechen von ethnischen Säuberungen. An die 200.000 Minen sollen in den Kampfgebieten vergraben sein. Auf der anderen Seite der thailändischen Grenze warten inzwischen 150.000 Flüchtlinge (unter ihnen auch Karen und Mon) auf Hilfe.

Wie auch die anderen Volksgruppen sind die mehr als sieben Millionen Karen nicht homogen. In der „Democratic Karen Buddhist Army“ haben sich Karen gesammelt, die mit der Militärjunta zusammenarbeiten. Auch Vertreter anderer Stämme machen mit den Generälen gemeinsame Sache und haben sich etwa als Repräsentanten für die „Nationalversammlung“ zur Verfügung gestellt, die eine neue Verfassung ausarbeitete. Sie werden von der Junta gerne als Beleg angeführt, dass die Einheit des Landes nur von radikalen Elementen gefährdet wird.

Hinweise auf Verbündung verstärken sich

Die wahre Sorge der Generäle dürfte darin liegen, dass sich die bewaffneten Minderheiten mit der Demokratiebewegung verbündet. Hinweise darauf verstärken sich.

Am Donnerstag kündigte der Sprecher der „Shan State Army“, Lao Seng, ein „Koordinationstreffen“ verschiedener Gruppen an, an dem sowohl die NLD, Mitglieder der „88er-Generation“ als auch andere Aufständische teilnehmen sollen. Der Generalsekretär der „Karen National Union“, Mansha, bestätigte die geplante Zusammenkunft. Wann und wo sie stattfinden soll, ist allerdings unbekannt.

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Süd- und Südostasien sowie Australien mit Sitz in Jakarta.

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