04.11.2009 · Zwei hochrangige amerikanische Diplomaten haben in Burma den Premierminister der Militärjunta, Thein Sein, und die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi getroffen. Erstmals seit langer Zeit durfte die Friedensnobelpreisträgerin fotografiert werden.
Zwei hochrangige amerikanische Diplomaten haben in Burma den Premierminister der Militärjunta, Thein Sein, und die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi getroffen. Am Mittwochabend verließen Kurt Campbell, Abteilungsleiter für das Pazifische Asien im State Department, und sein Stellvertreter Scot Marciel das Land wieder, das einen vergleichbaren Besuch aus den Vereinigten Staaten zuletzt vor 14 Jahren gesehen hatte.
Die Erwartungen an die „fact finding mission“ waren nicht allzu hoch gewesen, doch vermerkten Exilburmesen und Diplomaten am Mittwoch positiv, dass Frau Aung San Suu Kyi von den Generälen erlaubt wurde, den Hausarrest zu verlassen und ihre Gesprächspartner an einem neutralen Ort in Rangun zu treffen. Erstmals seit langer Zeit durften Journalisten die Friedensnobelpreisträgerin in der Öffentlichkeit fotografieren. Die Politikerin, deren Hausarrest im Frühjahr in einem fragwürdigen Gerichtsverfahren abermals verlängert wurde, hat die meiste Zeit seit 1990 in Unfreiheit verbracht.
Das Treffen im Innya Lake Hotel dauerte mehr als zwei Stunden. Davor hatten Campbell und Marciel in der neuen Hauptstadt Naypidaw mit dem Premierminister gesprochen; zu einer Begegnung mit Burmas starkem Mann, General Than Shwe, kam es nicht.
Weitere Gespräche führten die Diplomaten mit Vertretern ethnischer Minderheiten sowie Oppositionsgruppen, darunter auch die Führung der von Frau Aung San Suu Kyi gegründeten „Nationalen Liga für Demokratie“ (NLD). Der in einer Grauzone operierenden NLD war erst unlängst von den Behörden in Aussicht gestellt worden, dass ihr vor mehr als sechs Jahren geschlossenes Büro in Rangun wieder geöffnet wird.
Kurswechsel in der Burma-Politik
Im September hatte die amerikanische Außenministerin Clinton direkte Gespräche mit der Junta und damit einen Kurswechsel in der Burma-Politik angekündigt. Bei anschließenden Begegnungen mit Junta-Mitgliedern auf dem Boden der Vereinigten Staaten wurde die Reise Campbells verabredet.
Beim Ostasiatischen Gipfel Mitte Oktober hatte die Militärregierung aus Naypidaw zur Überraschung der Anwesenden angekündigt, dass Frau Aung San Suu Kyi „eine Rolle im Prozess der nationalen Versöhnung“ zukäme. Seither rätseln Burmabeobachter, ob die Generäle ebenfalls ihren Kurs zu ändern bereit sind und Reformen einleiten, oder ob sie nur taktische Zugeständnisse machen.