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Burma Alte religiöse Konflikte brechen auf

 ·  Buddhisten und Muslime in Burma sind in Kämpfe gegeneinander verwickelt. Gefährdet das langfristig die Öffnung und Demokratisierung im Land?

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© AFP Burmesische Polizisten beobachten Demonstranten: „Rohingya“, zu deren Bevölkerungsgruppe sich vor allem Muslime zählen, sei keine eigene „Nationalität“ heißt es auf dem Protestbanner

Die jüngsten ethnischen und religiösen Ausschreitungen in Burma machen deutlich, wie fragil die Lage im Prozess der Öffnung und Demokratisierung ist. Die Reformvorhaben wecken große Hoffnungen für das bis vor kurzem noch isolierte und nach wie vor verarmte Land. Die Menschen erwarten schnelle wirtschaftliche Verbesserungen. Doch ihre Zukunft hängt auch davon ab, dass sich die vielfältigen ethnischen Konflikte in Burma nachhaltig befrieden lassen.

Außerdem gilt neben der Unterstützung durch das Militär das persönliche Verhältnis zwischen Präsident Thein Sein und Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi als entscheidend für den weiteren Verlauf des Wandels. Beobachter sind sich einig, dass dieses politische Verhältnis, teilweise sogar als de-facto Reform-„Koalition“ bezeichnet, den Demokratisierungsprozess ermöglicht hat.

Berichte über religiöse Unruhen

Derzeit sind es aber vor allem die Berichte über die religiösen Unruhen, die den Glauben an den bislang scheinbar reibungslosen Übergang von der Militärdiktatur zur Demokratie erschüttern. Der offiziellen Zeitung „New Light of Myanmar“ zufolge hatte ein Mob am vergangenen Freitag im Westen des Landes sieben Menschen getötet. Dabei waren örtliche Muslime, die zu der Bevölkerungsgruppe der Rohingya gehörten, gegen Buddhisten vorgegangen.

Sie überfielen Dörfer und brannten etwa 500 Häuser nieder. Die Ausschreitungen waren offenbar ein Racheakt, nachdem eine Woche zuvor Buddhisten zehn Muslime getötet hatten. Anlass dafür soll wiederum die Vergewaltigung und Ermordung einer Frau gewesen sein, für die drei muslimische Männer verantwortlich gemacht werden.

Nächtliche Ausgangssperre

Es soll auch noch weitere Übergriffe von Buddhisten und Sicherheitskräften gegen Muslime gegeben haben. Nach den Ausschreitungen verhängte Präsident Thein Sein eine nächtliche Ausgangssperre über Sittwe, die Hauptstadt des Bundesstaates Rakhine (Arakan) im Grenzgebiet zu Bangladesch, sowie über drei weitere Orte. Im Fernsehen warnte er vor einer Gefahr für den Reformprozess.

Die amerikanische Regierung teilte ihre „ernste Sorge“ mit, die Vereinten Nationen zogen Mitarbeiter aus der Region ab. Dabei sind die Spannungen zwischen den Buddhisten und der muslimischen Minderheit schon älter. Doch gelangen im derzeitigen Klima größerer politischer Offenheit wohl auch bisher unterdrückte Meinungen und Konflikte an die Oberfläche.

In Burma ist die Bevölkerung zu 89 Prozent buddhistisch, nur etwa vier Prozent sind Muslime. Die Angehörigen der Rohingya werden von vielen Burmesen nicht als einheimische ethnische Minderheit gesehen, sondern als illegale Einwanderer aus Bangladesch. Sie gehören auch nicht zu den offiziell anerkannten 135 ethnischen Minderheiten Burmas und verfügen meist über keine Staatsangehörigkeit. Menschenrechtsorganisationen berichten von Diskriminierung, Zwangsarbeit und Zwangsumsiedlung. Zehntausende Rohingyas seien schon nach Bangladesch, Pakistan oder auch Malaysia geflohen.

Acht „große“ Ethnien

Dabei ist der Konflikt in Rakhine nur einer von vielen. Insgesamt zählt die Regierung acht „große“ Ethnien: Bamar (oder auch Burmanen), Kachin, Kayin, Shan, Kayah, Chin, Mon und Rakhin.

Einige dieser Bevölkerungsgruppen haben über Jahre hinweg bewaffneten Widerstand gegen die Zentralregierung geleistet. Mit den meisten wurden schon Waffenstillstände vereinbart. Nur im Kachin-Staat herrscht seit einem Jahr Krieg zwischen der gleichnamigen Bevölkerungsgruppe und dem Militär der Zentralregierung. In diesem Konflikt gebe es aber Fortschritte durch viele kleinere, informelle Treffen, sagte Kyaw Yin Hlaing am vergangenen Freitag bei einem Seminar zu Burma in Singapur. Allerdings befinde sich der Friedensprozess insgesamt noch in einer frühen Phase, sagte der in Hongkong arbeitende burmesische Professor.

So wie die ethnischen Konflikte könnte aber auch eine Verschlechterung im persönlichen Verhältnis zwischen Thein Sein und Aung San Suu Kyi den Reformprozess behindern. Kürzlich hatten Beobachter spekuliert, dass es zu einer Abkühlung zwischen den beiden Politikern gekommen sein könnte. Ausdruck dessen sei die Absage des Präsidenten einer Reise zum Weltwirtschaftsforum in Thailand, nachdem Aung San Suu Kyi ihre eigene Teilnahme bekannt gegeben hatte. Auf ihrer ersten Auslandsreise seit 24 Jahren hatte die Friedensnobelpreisträgerin viel Aufmerksamkeit erhalten.

Diese große Beachtung sowie die Warnungen Aung San Suu Kyis vor zu viel Optimismus in Bezug auf Burma könnten den Präsidenten verstimmt haben, hieß es. Allerdings wies ein Präsidentenberater diese Darstellung beim „Myanmar Forum“ in Singapur vehement zurück. Es gebe kein Auseinanderdriften zwischen dem Präsidenten und Aung San Suu Kyi, sagte der Berater des Präsidenten, Ko Ko Hlaing.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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