Als die burmesische Junta ihren Sitz vor zwei Jahren nach Naypidaw - 400 Kilometer nördlich von Rangun - verlegte, hieß es zur Begründung unter anderem, dort seien die Generäle sicherer vor Aufständen. Nun wird sich erweisen, ob dieses Kalkül aufgeht. Die Regierung muss zwar nicht mehr fürchten, dass die Protestzüge vor dem alten Gouverneurspalast enden - dem früheren Sitz der Junta im Zentrum Ranguns -, andererseits ist sie jetzt möglicherweise zu weit weg von den Geschehnissen, um sie noch richtig einschätzen zu können.
Der Umzug war innerhalb des Militärs umstritten - nicht zuletzt zwischen jenen beiden Lagern, die auch in anderen Fragen in unterschiedliche Richtungen tendieren. Als oberster Befürworter und Erfinder des Retorten-Regierungssitzes Naypidaw gilt General Than Shwe, der die Militärregierung - die sich derzeit „Staatsrat für Frieden und Entwicklung“ nennt - seit 15 Jahren führt. Kritiker sehen das Projekt auch als Spiegel seiner persönlichen Defizite. Naypidaw steht für Abschottung und Größenwahn.
Vetternwirtschaft bei den Militärs
Mit 74 Jahren - und von Krankheit geplagt - gilt Than Shwes Interesse vor allem dem Erhalt der Macht. Unlängst übertrug er das Kommando über die in Naypidaw stationierten Truppen seinem Neffen, General Myint Swe, der als verlässlicher Gefolgsmann gilt. Der Abschied von Rangun, das historisch und baulich von den Briten geprägt ist, soll auch die Brücke zu vorkolonialen Zeiten schlagen. Naypidaw heißt „Sitz der Könige“, und als Monarch sieht sich Than Shwe, der Armeechef, Staatsratsvorsitzener und Verteidigungsminister in einem ist, allemal.
Als er 1992 die Macht übernahm, schien zunächst ein frischer Wind durch Burma zu wehen. Er richtete eine „Nationalversammlung“ ein. Er liberalisierte die Wirtschaft und betrieb die Annäherung an die „Vereinigung Südostasiatischer Nationen“. Auch das Verhältnis zu der in Hausarrest sitzenden Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi - seit 17 Jahren ein Gradmesser für die Reformbereitschaft der Junta - entspannte sich. 1995 wurde die Friedensnobelpreisträgerin freigelassen.
Mit ihrer neuerlichen Verhaftung im Jahr 2000 endete der politische Frühling allerdings. Zwei Jahre später wurde sie noch einmal auf freien Fuß gesetzt, aber diesmal sperrte sie die Junta schon nach zwölf Monaten wieder ein - zu ihrer eigenen Sicherheit, wie es heuchlerisch hieß. (Siehe auch: Burmas Stachel)
Inszenierter Zwischenfall
Für einen versöhnlicheren Umgang mit Frau Suu Kyi steht General Khin Nyunt, dem Than Shwe im Jahr 2003 das Amt des Ministerpräsidenten übertrug. Der frühere Geheimdienstchef gilt als Repräsentant einer jüngeren und liberaler gesinnten Soldatengeneration. Nach gut einem Jahr im Amt wurde er aber gemeinsam mit Gesinnungsgenossen aus der Regierung entfernt. Seither sitzt er - offiziell wegen Korruptionsvergehen - hinter Gittern. Anhänger unter den Offizieren soll er jedoch weiterhin haben.
Zum Nachfolger Khin Nyunts wurde General Soe Win ernannt, ein „Falke“. Er spielt eine wichtige Rolle in der „Union Solidarity and Development Association“ (USDA), einer offiziell zivilen Massenbewegung, die die Interessen der Junta in den Kommunen vertritt. Die USDA inszenierte den Zwischenfall, der im Mai 2003 den Vorwand für die abermalige Inhaftierung von Frau Suu Kyi lieferte. Mitglieder der USDA versuchen derzeit auch, die Demonstrationen zu unterwandern oder zu stören. Seit geraumer Zeit geht das Gerücht, dass der erst 58 Jahre alte Soe Win schwer krank sei. Im Mai übernahm ein Vertreter kommissarisch sein Amt - für wie lange weiß niemand.
Armut trotz Ressourcenreichtums
Als zweiter Mann präsentiert sich General Maung Aye. Er steht im Ruf, enge Verbindungen zu den Rauschgiftbaronen Burmas - und damit zu China - zu unterhalten. Than Shwes Stellverteter, der im Dezember 70 Jahre alt wird, wird nicht das geringste Interesse nachgesagt, an den Herrschaftsstrukturen im Land etwas ändern zu wollen - außer an der Spitze. Sollte er eines Tages den Ersten General beerben, dürfte die Militärdiktatur unter ihm weiter gefestigt werden.
Mangels einer freien Presse wissen die meisten Burmesen nur wenig über die Junta. Jenseits der USDA, die Millionen Mitglieder hat, haben die regierenden Generäle wenig Unterstützung im Volk. Ihnen wird nicht nur vorgehalten, die Freiheit zu unterdrücken, sondern auch die Wirtschaft zu ruinieren. Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien galt Burma, bekannt für Ressourcenreichtum und eine gewisse Arbeitsethik, als einer der Hoffnungsträger Asiens. Inzwischen zählt es zu den ärmsten Ländern der Region.
Hochzeitsgeschenke für 50 Millionen Dollar
Nach 45 Jahren an der Macht ist das Militär mit den meisten Unternehmen im Land verwoben. Mit der Zeit hat sich ein verzweigtes Kommissions- und Korruptionssystem etabliert. Ohne Verbindung zum Militär sind Geschäfte aussichtslos. Die anhaltenden Gerüchte über den beachtlichen Reichtum der Generäle erhielten frische Nahrung, als im vergangenen November ein Video im Internet veröffentlich wurde, das die Hochzeit von Than Shwes Tochter zeigte. Zu sehen waren unter anderem Nahaufnahmen der mit Diamanten geschmückten Braut.
Die Geschenke, die das Paar (hauptsächlich von Offizieren) erhalten hat, sollen einen Gesamtwert von 50 Millionen Dollar gehabt haben, rechneten Regimekritiker aus. Insgesamt habe die Party dreimal so viel Geld verschlungen, wie jährlich ins staatliche Gesundheitsbudget fließe.
Augen auf Burma
Stephan de la Pena Kick (sdlp)
- 26.09.2007, 01:22 Uhr
Solidarität mit dem burmesischen Volk
Ulrich Hinderer (eisbaer_78)
- 26.09.2007, 18:47 Uhr
