01.07.2009 · Verteidigungsminister Jung (CDU) geht davon aus, dass die deutschen Soldaten in „fünf bis zehn Jahren“ Afghanistan wieder verlassen haben könnten. Das Verteidigungsministerium spricht lediglich von einem Zielkorridor.
Von Stephan Löwenstein, BerlinVerteidigungsminister Jung (CDU) hat seine Erwartungen, wann der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr beendet werden könne, erstmals in Jahreszahlen ausgedrückt. Auf die Frage, ob die deutschen Soldaten Afghanistan bis zum Jahr 2020 wieder verlassen haben würden, wurde Jung vom Fernsehsender N24 mit den Worten zitiert: „Davon gehe ich aus. In fünf bis zehn Jahren - das ist meine Botschaft.“ Ein Sprecher erläuterte am Mittwoch, dass dies einen Zielkorridor beschreibe.
„Es gibt keinen Abzugstermin. Wer das so verstanden haben wollte, liegt falsch.“ Ein Sprecher von Außenminister Steinmeier (SPD) sagte: „Eine Debatte über ein Abzugsdatum wäre eine falsche Perspektive.“ Es gehe um inhaltliche und zeitliche Zielvorgaben, bis Afghanistan selbst für seine Sicherheit sorgen könne. Auch Jung hatte gesagt, der Einsatz könne umso eher erfolgreich abgeschlossen werden, je schneller die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte vorankomme.
„Der Krieg wird nicht vorbei sein.“
Die Vereinigten Staaten, die innerhalb des Nato-Einsatzes der Afghanistan-Schutztruppe Isaf die Führung innehaben und bei weitem die meisten Truppen stellen, rechnen damit, dass sich in den kommenden zwölf bis 18 Monaten zeigt, ob der neuerdings verfolgte strategische Ansatz funktioniert. Dann hoffe man, dass sich ein „sichtbarer Erfolg“ einstelle, hieß es am Mittwoch von offizieller amerikanischer Seite in Berlin.
Das bedeute keine Marke für den „Exit“, aber für die Beurteilung des Ansatzes, der auf einer erheblichen Truppenverstärkung, aber auch einer deutlich verstärkten Anstrengung beim zivilen Aufbau beruht. „Der Krieg wird nicht vorbei sein. Aber die Afghanen werden selbst begonnen haben, ihre Angelegenheiten in die Hand zu nehmen.“ Es sei zu lange die falsche Strategie verfolgt worden, als dass man jetzt hoffen dürfe, dass die Sache in zwölf Monaten beendet werden könne.
Merkel überreicht Ehrenkreuze
Der deutsche Regierungssprecher Wilhelm teilte in Berlin mit, dass Bundeskanzlerin Merkel am kommenden Montag „die ersten durch den Bundesminister der Verteidigung verliehenen Ehrenkreuze der Bundeswehr für Tapferkeit überreichen“ werde. Sie werde dies gemeinsam mit Jung im Kanzleramt vornehmen. Dem Vernehmen nach sollen vier Soldaten ausgezeichnet werden, die im Oktober vergangenen Jahres in Kundus nach einem Selbstmordanschlag einem schwerverwundeten Kameraden beigestanden haben, während sein Fahrzeug brannte.
Die drei Soldaten, die während eines Gefechtes in der vergangenen Woche umgekommen sind, sollen an diesem Donnerstag in einer Trauerzeremonie geehrt werden. An der Zeremonie in Bad Salzungen in Thüringen wollen Verteidigungsminister Jung und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Schneiderhan, teilnehmen. Die drei Soldaten waren, wie inzwischen bestätigt wurde, ertrunken, als ihr Fahrzeug bei einem Ausweichmanöver von der Straße abkam, sich überschlug und in einen mehr als drei Meter tiefen, mit Wasser gefüllten Graben stürzte. Zwei von ihnen stammten aus der Panzergrenadiereinheit, die in Bad Salzungen stationiert ist, der dritte stammt aus einer Einheit aus Zweibrücken. Alle drei kamen aus ostdeutschen Bundesländern.
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