Home
http://www.faz.net/-gq5-tln3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bundeswehr Truppenführer wohl nicht in Foto-Skandal verwickelt

29.10.2006 ·  Höhere Offiziere sind laut Verteidigungsminister Jung nicht in den Skandal um den makabren Umgang von Soldaten mit menschlichen Knochen verwickelt. Er hoffe, der Vorfall werde die Sicherheit der Bundeswehr in Afghanistan nicht zusätzlich erschweren, sagte er der F.A.Z.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat nach eigenen Angaben noch keine Hinweise darauf, daß höhere Vorgesetzte Kenntnis von dem anstößigen Umgang von Soldaten mit menschlichen Knochen in Afghanistan hatten. Jung sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Natürlich nehmen wir alle Hinweise ernst. Aber wir bisher keinerlei Erkenntnis darüber, daß auch die Truppenführer Kenntnis von diesen Sachverhalten hatten.“

Weiterhin hoffe er, „daß es bei solchen Einzelaktionen bleibt und daß nicht die Bundeswehr insgesamt in Mißkredit gerät“, sagte Jung der F.A.Z.. Er fügte hinzu: „Fairerweise muß man sagen, die Bundeswehr ist ein Stück Spiegelbild unserer Gesellschaft, und leider Gottes gibt es ja auch solche Situationen in unserer Gesellschaft. Aber es gilt, daß wer sich so verhält, in der Bundeswehr keinen Platz hat.“

„Wir müssen in den Herzen der Menschen sein“

Während die Bundesregierung bislang bestritten hatte, daß die Partner Druck ausüben, die Deutschen sollten auch im Süden Afghanistans tätig werden, gab Jung jetzt zu, daß Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer mit ihm darüber gesprochen habe. „Das war natürlich im Gespräch mit dem Nato-Generalsekretär vergangene Woche ein Thema,“ sagte der Minister der F.A.Z. Doch bleibt er weiterhin bei seiner Haltung: „Wir erfüllen unsere Aufgabe hier im Norden, wie das besprochen war. Natürlich ist Nothilfe oder Unterstützung auch im Süden eine Verpflichtung, die wir haben, aber wir verlegen nicht Kräfte vom Norden in den Süden.“

Der Verteidigungsminister gab zu, daß die Sicherheitslage auch im Norden ernster geworden sei. „Wir haben in den letzten Wochen Panzerfaustangriffe auf unsere Fahrzeuge erlebt, bei denen auch Bundeswehrsoldaten verletzt worden sind. Das ist eine sehr ernstzunehmende Situation.“ Die Strategie müsse darauf ausgerichtet sein, auf der einen Seite Sicherheit herzustellen, auf der anderen Seite aber auch den Wiederaufbauprozeß voranzutreiben. „Das ist entscheidend: die Menschen dürfen uns nicht als Besatzer empfinden, sondern als eine Armee, die mithilft, ihre persönliche Situation zu verbessern. Wir müssen in den Herzen der Menschen sein.“ Darauf müsse die Nato-Strategie auch insgesamt ausgerichtet werden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3