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Bundeswehr : Der Sieg bei Isa Khel

  • -Aktualisiert am

Verlust der Bundeswehr: ein gepanzerter „Dingo” nach einem Anschlag im Jahr 2008 Bild: picture-alliance/ dpa

Die Bundeswehr hat den Ort zurückerobert, an dem sie im Frühjahr ihre bitterste Niederlage gegen die Taliban erlitt. Nun sollen dort afghanische Dorfmilizen die Rückkehr der Aufständischen verhindern.

          Das Foto ging um die Welt: Nachdem die Taliban am Karfreitag drei Bundeswehrsoldaten getötet und mehrere schwer verwundet hatten, posierten sie in der Ortschaft Isa Khel nahe Kundus vor einem deutschen Fahrzeug - sie hatten den „Dingo“ während des Gefechts mit einem improvisierten Sprengsatz zerstört und präsentierten ihn nun als Trophäe. Die Bundeswehr war gezwungen, ihn am Ort ihrer bittersten Niederlage in Afghanistan zurückzulassen. Nun hat sie sich die Reste des Fahrzeugs wiedergeholt. Während der vor kurzem zu Ende gegangenen Operation „Halmazaq“ (Blitz) vertrieben deutsche Kampftruppen gemeinsam mit amerikanischen, belgischen und afghanischen Kräften die Taliban aus Isa Khel.

          Die Operation „Halmazaq“ war der Beginn der im Januar vom Regionalkommandeur in Mazar-i-Sharif, dem deutschen Brigadegeneral Frank Leidenberger, angekündigten Offensive im Raum Kundus, wo sich die Taliban in mehreren Distrikten westlich und südlich der Provinzhauptstadt festgesetzt hatten. „Wir sind gegen die Taliban vorgegangen, nicht sie gegen uns, wie es in der Vergangenheit immer der Fall war“, sagt ein ranghoher deutscher Offizier über die Operation. Mehr als 500 Soldaten und Polizisten griffen aus mehreren Richtungen gleichzeitig die Ortschaften Quatliam und Isa Khel an.

          Das amerikanische Militär rüstet Dorfmilizen auf

          Die Bundeswehr setzte zwei Fallschirmjägerkompanien, Aufklärer, Pioniere und Sanitäter der Task Force Kundus mit 300 Soldaten ein, während die US-Armee mit 120 Soldaten der 10. Gebirgsdivision in Begleitung der von ihnen ausgebildeten 150 afghanischen Polizisten vorgingen. Die Taliban wichen dem Angriff nach kurzer Gegenwehr aus, die Truppen besetzten die Ortschaften. An den folgenden Tagen versuchten die Aufständischen, unter Einsatz von Panzerabwehrwaffen und Mörsern Quatliam und Isa Khel zurückzuerobern. Es entwickelten sich heftige Gefechte, in denen die Bundeswehr auch die im zehn Kilometer entfernten Feldlager Kundus stationierte Panzerhaubitze gezielt gegen Mörserstellungen einsetzte. Amerikanische Kampfflugzeuge vom Typ F-15 und F-16 warfen mehrmals Bomben auf Stellungen der Taliban. In Nato-Stäben wird das Zusammenwirken deutscher, amerikanischer und afghanischer Kräfte als beispielhaft gelobt.

          Noch während der mehrtägigen Gefechte bauten Bundeswehrpioniere einen Außenposten auf, der an der Straße nach Quatliam und Isa Khel liegt. Von hier aus überwachen derzeit deutsche, amerikanische, belgische und afghanische Einheiten das Gebiet. Künftig soll jedoch eine in den Dörfern rekrutierte Dorfmiliz die Ortschaften kontrollieren. Dieses Vorgehen ist Teil der Doktrin zur Bekämpfung Aufständischer, die der Oberbefehlshaber der Isaf, der amerikanische General David Petraeus, in Afghanistan verfolgt. Danach sollen in einem von den Aufständischen befreiten Gebiet Bürgerwehren für die Sicherheit sorgen. „Sie verteidigen ihre Dörfer, und das tun sie mit ganzem Herzen“, sagt ein Bundeswehroffizier über diese Freiwilligen. Unterstützung erhalten sie dabei durch amerikanische Ausbilder. Die Vereinigten Staaten rüsten die Dorfmilizen auch mit Handfeuerwaffen aus und sorgen für Nachschub und Munition. Die landesweit entstehenden Bürgerwehren sollen später in die afghanische Polizei eingegliedert werden.

          Bundeswehr bleibt in dem eingenommen Gebiet

          Die Bundeswehr verlor in den heftigen Kämpfen zwei Schützenpanzer des Typs „Marder“, die auf zwei Sprengsätze aufgefahren waren. Soldaten berichten, die Wucht der Explosionen habe die Ketten der Fahrzeuge zerstört, jedoch nicht die Panzerung durchdringen können. Die Insassen blieben unverletzt. Nach vier Tagen verlustreichen Anrennens zogen sich die Taliban Richtung Norden in den Distrikt Imam Sahib und nach Süden Richtung Baghlan zurück. „Sie haben sich teilweise unter Burkas versteckt und sind geflohen“, berichten Soldaten, die in Quatliam und Isa Khel mit Dorfältesten und Geistlichen gesprochen haben. Als erste Aufbaumaßnahmen vereinbarte die Bundeswehr mit den Ortsoberhäuptern die schnelle Asphaltierung der Hauptverkehrsstraße. Außerdem will sie dafür sorgen, dass die Orte an das Stromnetz angeschlossen werden.

          Die Bundeswehreinheiten bleiben nun vorerst in dem Gebiet - bisher hatten sich die deutschen Einheiten aus freigekämpften Gebieten stets wieder zurückgezogen, da sie nicht über ausreichend Truppen verfügten, um in der Kampfzone zu verbleiben. Weil sich die schlecht ausgebildete und ausgerüstete afghanische Polizei als unfähig erwies, das Terrain zu halten, konnten die Taliban einige Wochen später wieder die Macht übernehmen. Diese Gefahr besteht auch jetzt. Die Operation „Halmazaq“ sei ein Anfangserfolg, sagt ein Nato-Offizier. Jetzt müssten die Taliban verfolgt werden, um zu verhindern, dass sie sich neu formieren, bewaffnen und zurückkehren. „Wenn wir das nicht tun, wird uns das der Gegner als Schwäche auslegen.“ Die Bundeswehr operierte zuletzt mit kleineren Verbänden in den Gebieten nördlich von Kundus, in die sich einige Aufständische abgesetzt hatten. In einem Gefecht verlor sie dabei ein Transportfahrzeug „Dingo“, das Aufständische in Brand geschossen hatten.

          Ob die Eroberung von Isa Khel eine Trendwende im Kampf gegen die Taliban im Raum Kundus war, wird sich nach Einschätzung von Fachleuten erst im Frühjahr zeigen. Dann beginne traditionell die Sommeroffensive der Aufständischen. Es deute sich aber an, dass die gezielten Aktionen von amerikanischen Kommandos gegen führende Köpfe der Taliban sowie die größere Schlagkraft der Isaf-Verbände in Kundus den Aufstand erheblich geschwächt hätten. „Der Kampfverband der Bundeswehr macht gute Arbeit, das wird in Kabul und Brüssel erfreut registriert“, berichtet ein Nato-Offizier. Die Bundeswehr, heißt es, könne sehr erfolgreich kämpfen, „wenn Berlin sie lässt“.

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