Der Bürgerkrieg in Syrien, den manche immer noch „vermeiden“ wollen, ist in vollem Gange. Sichtbares Zeichen dafür ist die neuerliche Welle von Flüchtlingen, die über die türkische Grenze flutet. Dabei hat die Türkei schon mindestens 12 000 Menschen zu versorgen, die sich in der Provinz Hatay in Sicherheit gebracht haben. Wie die Hauptstadt Damaskus, in der Aufständische mittlerweile einige Stadtviertel kontrollieren, so zerfällt das gesamte Land mehr und mehr in Zonen unterschiedlicher Herrschaft - je nach dem „Erfolg“ der Waffen. Auch die UN-Beobachter sprechen nun offiziell von einem Bürgerkrieg.
Dass die Lieferung russischer Kampfhubschrauber, wie Moskaus Außenminister Lawrow behauptet, nichts mit dem Bürgerkrieg zu tun habe, ist kaum glaubhaft. Moskau setzt noch immer darauf, dass es Baschar al Assad gelingen werde, die Oberhand zu behalten. Entsprechend harsch ist Washingtons Kritik an den Waffenlieferungen der Russen und der Iraner. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten, wie Qatar, hingegen versorgen die Rebellen mit Waffen.
Was als Protest gegen das seit fünfzig Jahren herrschende System der Baath-Partei und des Assad-Clans begann, ist zu einem bewaffneten Ringen geworden, in dem mehr und mehr auch konfessionelle Elemente eine Rolle spielen: Sunniten gegen (schiitische) Alawiten. Immer mehr verschwimmt auch die Grenze zwischen „den Guten“ und „den Bösen“; beide Seiten stehen sich an Grausamkeit kaum noch nach, alte Rechnungen werden beglichen. Vor allem die stark islamistischen und dschihadistischen Kräfte unter den Rebellen wollen offenbar nachholen, was ihnen 1982 nicht gelang, als Baschar al Assads Vater Hafez al Assad ihren Aufstand in Hama blutig niederwalzen ließ.
Es ist ein Dilemma. Das Lager der Unterstützer Assads, allen voran die russische Regierung, glaubt noch immer, es sei möglich, mit einem reformierten, auf irgendeine Weise „geläuterten“ Regime unter Assad das Land wieder befrieden und anschließend neu ordnen zu können. Doch wer kann das noch glauben? Es wäre so, als würde man einen Arzt, der zuvor Patienten todkrank gemacht hat, hoffnungsfroh mit deren Heilung beauftragen wollen. Als bittere Erkenntnis bleibt, dass beide Seiten diesen Strauß ausfechten werden, bis die eine endgültig unterliegt.
Naiv, nein armseelig
Klaus Dieter (Leser2009)
- 15.06.2012, 16:06 Uhr
Man kann das glauben, vor allem muss man es hoffen, denn islamistische
Terroristen sind schlimmer
Detlef Symietz (Symietz)
- 14.06.2012, 17:35 Uhr
Wie waere es denn mit einer "gelaeuterten" Opposition?
Hans henseler (hajohenseler)
- 14.06.2012, 17:29 Uhr
"Doch wer kann das noch glauben? " ICH, z.B.!
bernd stegmann (fazhansi)
- 14.06.2012, 15:42 Uhr
