17.12.2008 · Seit Beginn des Irak-Einsatzes vor fast sechs Jahren sind dort 177 britische Soldaten ums Leben gekommen. Nun haben Premierminister Brown und der irakische Ministerpräsident Maliki einen Abzugstermin bekanntgegeben.
Der Einsatz der Briten im Irak endet nach mehr als sechs Jahren im kommenden Juli: Nach monatelangen Spekulationen gab der britische Premierminister Gordon Brown am Mittwoch bei einem Besuch im Irak den Zeitplan für den Abzug bekannt. Die Streitkräfte würden ihre Aufgaben in der ersten Jahreshälfte 2009 erfüllen und dann das Land verlassen, teilten Brown und der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki in Bagdad mit.
Derzeit sind noch etwa 4100 britische Soldaten außerhalb der südirakischen Stadt Basra stationiert. Brown sagte, dass die militärischen Aufgaben bis Ende Mai erledigt seien. Bis Ende Juli sollten die Soldaten das Land verlassen. „Wir sind übereingekommen, dass unser Einsatz spätestens am 31. Mai enden wird“, sagte Brown. „Unsere Truppen werden in den folgenden zwei Monaten nach Hause kommen.“
Von Bagdad nach Kabul?
Am Vortag hatte der Irak ein Abkommen unterzeichnet, wonach die britischen Truppen bis Ende Juli in dem Land bleiben dürfen. Das derzeitige UN-Mandat für ausländische Truppen läuft Ende Dezember aus. Ein Sprecher der irakischen Regierung sagte am Mittwoch in Bagdad, das Kabinett habe einen Gesetzesentwurf über den Status aller noch im Lande stationierten ausländischen Truppen erarbeitet, der demnächst dem Parlament zur Abstimmung vorgelegt werden solle. Demnach sollen alle ausländischen Truppen außer den Amerikanern bis zum 31. Juli 2009 das Land verlassen. Außer den britischen Truppen betrifft das Gesetz laut dem Sprecher noch kleinere Kontingente aus Australien, Rumänien, Estland, El Salvador sowie Nato-Soldaten. Die Soldaten aller anderen Staaten, die sich den multinationalen Truppen im Irak angeschlossen hatten, sind bereits ausgereist.
Der Abzug der Briten zum kommenden Sommer war erwartet worden. Die britische Regierung hatte bereits mehrfach einen Rückzug im kommenden Jahr angedeutet, aber den Zeitplan offen gelassen. Seit Beginn des Irak-Einsatzes im März 2003 sind 177 britische Soldaten ums Leben gekommen. Seit langem wird darüber spekuliert, dass die Briten nach einem Rückzug aus dem Irak ihr Engagement in Afghanistan verstärken werden.
Derzeit sind etwa 8000 Soldaten aus Großbritannien am Hindukusch stationiert. Zuletzt war davon die Rede, dass London zusätzlich bis zu 3000 Mann nach Afghanistan schicken könnte, auch um auf eine absehbare entsprechende Bitte des künftigen amerikanischen Präsidenten Barack Obama zu reagieren. Ranghohe britische Militärs hatten allerdings vor einem zu hohen Tempo bei der Aufstockung gewarnt. Die Armee klagt immer wieder über mangelnde Ausrüstung. Der Einsatz im Irak hatte die britische Öffentlichkeit gespalten. Der damalige Premierminister Tony Blair war in die Kritik geraten, weil er Präsident George W. Bush in den umstrittenen Krieg gefolgt war.