Home
http://www.faz.net/-gq5-1646w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Britisches Fernsehduell Browns verängstigende Verheißungen

30.04.2010 ·  Das politische Fernsehfinale in Großbritannien gewann nach Blitzumfragen der Konservative Cameron, gefolgt vom Liberalen Clegg. Labours Premierminister Brown blieb auch nach der dritten Runde weiter auf dem dritten Platz.

Von Johannes Leithäuser, London
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Die dritte Fernsehdebatte der Spitzenkandidaten im britischen Wahlkampf hatte die Stunde des Amtsinhabers Gordon Brown werden sollen. Sie war dem Thema „Wirtschaft und Finanzen“ gewidmet - jenem Feld also, auf dem Brown, der Retter des Landes - und wie der in einem bezeichnenden Versprecher einst sagte, der ganzen Welt - aus der globalen Bankenkrise am stärksten glänzen wollte. Stattdessen aber musste Brown den dritten Fernsehkampf mit seinen Kontrahenten Clegg (Liberaldemokraten) und Cameron (Konservative) mit einer Entschuldigung eröffnen. Er kriege auch nicht immer alles richtig hin, wie man am Vortag gesehen habe, lauteten Browns Einführungsworte - das war die letzte reuevolle Anspielung auf den schlimmsten Fehler, der Brown im Wahlkampf bislang unterlaufen war: er hatte einer Wählerin auf der Straße freundlich zugehört, sie anschließend aber, vermeintlich unbeobachtet, als schrecklich und „bigott“ bezeichnet. Brown fuhr nach dem Eingeständnis, dass auch er Fehler mache, flugs forsch fort: „aber wie man die Wirtschaft führt, dass weiß ich“.

Abermals warf der Premierminister im Verlauf der Debatte seinem konservativen Herausforderer vor, er wolle die wirtschaftliche Erholung durch die angekündigte frühe Einsparung von 6 Milliarden Pfund (knapp 6.5 Milliarden Euro) im laufenden Haushaltsjahr gefährden. Und wieder beschuldigte er die Konservativen, sie planten durch die weitgehende Abschaffung der Erbschaftssteuer ein Geschenk an „die Reichen“. Doch Browns aggressive Attacken wirkten überwiegend einstudiert und hölzern - und verfehlten ihren Zweck, den konservativen Parteichef Cameron zu spontanen und unbedachten Entgegnungen zu verleiten.

Verheißung des gelobten Landes

Stattdessen blieb auch Cameron bei jenen Wendungen und Beispielen, die er zuvor sorgsam mit seinen Beratern eingeübt hatte, etwa bei Beispielen, dass die angekündigten Ausgabenkürzungen nicht die Arbeitnehmer mit durchschnittlichen Einkommen träfen, sondern nur unsinnige Bürokratien und Ausstattungen einsparen sollten - etwa Meditationsräume für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst.

Der Anführer der Liberaldemokraten, der in der ersten der drei Fernsehdebatten noch der Liebling des Publikums gewesen war, stand dieses Mal eher unbeachtet zwischen den Kontrahenten Brown und Cameron. Er appellierte am Ende an die Wähler, sie sollten sich für „die Zukunft entscheiden, die Sie wirklich wollen“. Das klang ein wenig substanzlos und nach der Verheißung des gelobten Landes. Brown hingegen probierte es zum Schluss abermals mit verängstigenden Verheißungen: Die Konservativen seien eine Gefahr für die britische wirtschaftliche Erholung, beteuerte er am Ende der Sendung, selber sichtlich erschöpft, und unter einigen Verhaspelungen.

Viele Zuschauer bekamen das allerdings gar nicht mehr mit - sie hatten schon zum Europacup-Halbfinale Fulham gegen Hamburg umgeschaltet. Das politische Fernsehfinale gewann nach den Blitzumfragen im Anschluß an die Sendung der Konservative Cameron, gefolgt vom Liberalen Clegg. Labours Premierminister Brown blieb, wie schon in den Meinungsumfragen der letzten Woche, weiter auf dem dritten Platz.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in London.

Jüngste Beiträge

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3