http://www.faz.net/-gpf-95poj

Brexit-Verhandlungen : Hammond und Davis wollen für Übergangsperiode kämpfen

  • Aktualisiert am

Brexit-Minister David Davis Bild: ARRIZAB/EPA-EFE/REX/Shutterstock

In der Brexit-Verhandlungsrunde will London für eine Übergangsperiode vor dem endgültigen Austritt aus Binnenmarkt und Zollunion kämpfen. Das schreiben Schatzkanzler Hammond und Brexit-Minister Davis in einem Gastbeitrag in der F.A.Z.

          Vor der nächsten Verhandlungsrunde zwischen Großbritannien und der Europäischen Union über den Brexit haben der britische Schatzkanzler Philip Hammond und Brexit-Minister David Davis die anstehenden Gespräche als „neues positives und spannendes Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte“ bezeichnet.

          In einem Gastbeitrag für die F.A.Z. (Mittwochausgabe) schreiben die Minister, bei ihrem am Mittwoch beginnenden Deutschlandbesuch wollten sie „deutschen Wirtschaftsführern“ die Botschaft vermitteln, dass für die britische Regierung eine Übergangsperiode vor dem endgültigen Austritt aus dem Binnenmarkt und der Zollunion Priorität habe. Diese liege auch eindeutig im Interesse der EU und Deutschlands.

          London habe Verständnis für die Haltung Deutschlands, dass Großbritannien nicht einerseits aus der Union austreten könne, andererseits aber alle Vorteile einer Mitgliedschaft genießen könne. „Die Prioritäten der EU sind aber nicht unvereinbar mit den unsrigen: einer tiefen und besonderen Partnerschaft mit unseren engsten Handelspartnern und Verbündeten“, so Hammond und Davis.

          Bei der Neugestaltung der Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Kontinent gehe es darum, „phantasievoll und erfinderisch“ zu sein und sich nicht auf anderswo praktizierte Rezepte zu verlassen.

          Brexit-Veto : Das Parlament übertrumpft May

          Davis kritisierte die EU unterdessen nach einem Medienbericht dafür, sich auf einen möglichen Austritt des Landes ohne Abkommen vorzubereiten. Der Ansatz der EU „schadet regelmäßig britischen Interessen“, schrieb Davis laut der britischen Zeitung „Financial Times“ vom Dienstag in einem Brief an die britische Premierministerin Theresa May. Womöglich würden sogar die Rechte Großbritanniens als EU-Mitgliedstaat verletzt. Davis kritisiert die EU auch dafür, Leitfäden für die Zeit nach dem Brexit zu veröffentlichen, in denen die Möglichkeit einer Übergangsphase nicht erwähnt wird. Geschrieben wurde der Brief laut der „Financial Times“ im vergangenen Monat.

          Der britische Schatzkanzler Philip Hammond
          Der britische Schatzkanzler Philip Hammond : Bild: Ma/POOL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

          Mays Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. EU-Kommissionssprecher Margaritis Schinas äußerte sich dagegen „überrascht“ über Davis' Vorwürfe – schließlich habe May selbst von der Möglichkeit gesprochen, die EU ohne Abkommen zu verlassen. „In der EU-Kommission sind wir irgendwie überrascht darüber, dass Großbritannien überrascht ist, dass wir uns uns auf ein Szenario vorbereiten, das die britische Regierung selbst angekündigt hat.“

          May hatte im vergangenen Jahr mit Blick auf die Verhandlungen mit der EU gesagt, kein Abkommen zu erreichen sei „besser als ein schlechtes Abkommen“. Auch die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon kritisierte den von der „Financial Times“ veröffentlichten Brief von Davis an May. Dass die britische Regierung ein „no deal“ androhe und sich dann wundere, dass die EU sich darauf vorbereite, sei „unglaublich“, schrieb sie im Kurzbotschaftendienst Twitter. Großbritannien tritt Ende März 2019 aus der EU aus. May hatte im September eine zweijährige Übergangsphase nach dem Brexit vorgeschlagen, in dem London noch im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion bleiben will.

          Den Gastbeitrag von Schatzkanzler Philip Hammond und Brexit-Minister David Davis lesen Sie ab 20 Uhr bei F.A.Z. Plus.

          Quelle: FAZ.NET/afp

          Weitere Themen

          Keine Ausnahmeregelungen für britischen Finanzsektor Video-Seite öffnen

          Macron bei May : Keine Ausnahmeregelungen für britischen Finanzsektor

          Nach dem Brexit soll es für den britischen Finanzsektor keine Ausnahmeregelungen mit der EU geben. Das machte der französische Präsident bei einem Besuch in Großbritannien klar. May wirbt weiter für ein Freihandelsabkommen, das nur die Bereiche Güter und Dienstleistungen umfasst.

          Britisches Unterhaus stimmt für Brexit Video-Seite öffnen

          Austrittsgesetz : Britisches Unterhaus stimmt für Brexit

          Nachdem die Briten im Juni 2016 mit knapper Mehrheit für den Brexit gestimmt hatten, sind die Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung gewachsen. Das Unterhaus im britischen Parlament hat den Austrittsprozess jetzt aber wieder ein Stück vorangebracht.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Rüstet Volkswagen seine Diesel-Modelle jetzt nach? VW-Autos stehen auf einem Parkplatz im amerikanischen Michigan.

          F.A.S. exklusiv : Warum VW-Dieselautos jetzt doch nachgerüstet werden können

          Hoffnung für Hunderttausende Diesel-Fahrer in der Abgas-Affäre: Der VW-Konzern hat in Tests bewiesen, dass zahlreiche seiner Modelle auch in der Hardware nachgerüstet werden können. Unklar ist, wer die Kosten dafür trägt.
          Das Schmerzmittel Ibuprofen besitzt einen gefährlichen Einfluss auf die Produktion männlicher Sexualhormone.

          Schmerzmittel : Ibuprofen am Pranger

          Viele Schmerzmittel versprechen Besserung, doch Nebenwirkungen werden oft unterschätzt. Eine neue Studie zeigt: Regelmäßige Einnahme von Ibuprofen kann den männlichen Hormonspiegel empfindlich verändern. Kann darunter gar die Zeugungsfähigkeit leiden?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.