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Wichtige Brexit-Rede : May und das historische Herz Europas

Theresa May fliegt nach Florenz, um ihren Landsleuten den Stand des Brexit zu erläutern. Bild: AP

Theresa May will ihren Landsleuten mit einer Rede in Florenz erklären, wie es um die Brexit-Verhandlungen steht. Die Toskana-Metropole bietet der Premierministerin für ihre Botschaft eine hervorragende Analogie.

          Briten lieben große Reden zu Europa, und am größten waren sie immer, wenn sie nicht in Britannien gehalten wurden. Es war in Zürich, als Winston Churchill 1946 zur Gründung der Vereinigten Staaten von Europa aufrief (freilich ohne das Vereinigte Königreich), und es war in Warschau, als Tony Blair ein gutes halbes Jahrhundert später vorschlug, Europa zur Supermacht, nicht aber zu einem Superstaat auszubauen (durchaus mit dem Königreich). Nun also Florenz. Und Theresa May.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Schon seit Anfang September kursierten in Westminster Gerüchte, dass die Premierministerin demnächst eine „bedeutende Rede“ halten wolle. Dann wurden plötzlich die Brexit-Verhandlungen um eine Woche verschoben, und jetzt folgte auch die offizielle Ankündigung: May werde am kommenden Freitag den Menschen ein „Update“ der Brexit-Verhandlungen geben und dabei „den Wunsch der Regierung nach einem tiefen und besonderen Verhältnis mit der EU“ unterstreichen. Die Zeile kennt man schon. Was neu ist: Sie will das in Florenz tun.

          Laut Downing Street wird May in Italien weder politische Gespräche führen noch an einer Tagung teilnehmen. Sie fliegt eigens für die Rede in die Toskana. Niemand unterstellt Regierungsmitgliedern in diesen Tagen, dem anhaltenden Regen in London entfliehen zu wollen. Außenminister Boris Johnson musste geradezu geprügelt werden, bis er am Dienstag endlich in die karibischen Überseegebiete aufbrach, um dort die Hilfsmaßnahmen zu begutachten. Aber warum ausgerechnet Florenz? Die Premierministerin, so erklärte ein Sprecher am Donnerstag, wolle ihre Rede über das künftige Verhältnis zu Europa in dessen „historischem Herz“ halten.

          Wo das zu verorten ist, war schon immer eine Frage des Standpunkts. Emmanuel Macron verkündete seine europapolitischen Visionen gerade in Athen. Italiener sehen das Herz Europas wahrscheinlich eher in Rom schlagen, der deutsche Kanzlerkandidat Martin Schulz wiederum in Aachen und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vermutlich in Brüssel oder Luxemburg. Warum also nicht Florenz, die Geburtsstadt der Renaissance, die einen sicheren Platz in der europäischen Gründungsgeschichte hat?

          Die Erläuterung aus London war eher britischer Natur: „Das Vereinigte Königreich hatte über Jahrhunderte hinweg tiefe kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen zu Florenz, einer Stadt, die als traditionelle Handelsmacht bekannt ist.“ Es scheint, als könne sich das Königreich das Herz Europas nur als ein kommerzielles vorstellen. Wir wissen nicht, ob May ihre Worte im Garten der Villa Medici von Castello halten will, aber ihre Botschaft ist zu erahnen: Hier, wo die „City“ des späten Mittelalters stand, ist Britannien auch in Zukunft nicht wegzudenken. Der Brexit, wird May mahnen, dürfe keinesfalls beenden, was schon unter der florentinischen Dynastie florierte: Handel über Europas Grenzen hinweg.

          Es wird schöne Worte geben und schöne Bilder. Aber werden sich die Europäer beeindrucken lassen? Auf einer internationalen Tagung, die das Centre for European Reform am vergangenen Mittwoch in London veranstaltete, wurde deutlich, wie sehr London mittlerweile „out of tune“ mit europäischen Erwartungen ist. Fast wöchentlich versucht die britische Regierung, die Europäer mit neuen Ideen für das künftige Verhältnis zu charmieren, zuletzt mit einem Plädoyer für eine tiefere Sicherheitspartnerschaft. Aber auf dem Kontinent will man nichts davon hören; jedenfalls noch nicht. In Brüssel, in Berlin und in anderen Herzen Europas wird derzeit nur eines von London verlangt: das Eingeständnis von Zahlungsverpflichtungen. Schweigt Signora Theresa dazu in ihrer italienischen Rede, droht den Brexit-Verhandlungen womöglich der „collasso“ – ein früher Kollaps.

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