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Bradley Manning schuldig gesprochen „Heute ist ein guter Tag“

Aus drei Jahren Haft könnten Jahrzehnte werden: Nach dem Schuldspruch dürfte Wikileaks-Informant Bradley Manning lange Zeit hinter Gittern bleiben. Dass ihm die Todesstrafe erspart bleibt, werten seine Verteidiger als Erfolg.

© AP Vergrößern Keine Todesstrafe, aber sonst in 19 von 21 Anklagepunkten schuldig gesprochen: der mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning

Dem mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning droht eine Höchststrafe von 136 Jahren Gefängnis. Das amerikanische Militärgericht in Fort Meade erklärte den 25 Jahre alten Soldaten in fast allen der mehr als 20 Anklagepunkte für schuldig. Ein überraschender Freispruch kam hingegen in dem am schwersten wiegenden Punkt „Unterstützung des Feindes“ (“aiding the enemy“), für den bei einem Schuldspruch eine lebenslange Haftstrafe gedroht hätte. Manning wurde unter anderem wegen Spionage, Geheimnisverrats, Computerbetrugs und Diebstahls für schuldig gesprochen.

Am Mittwoch sollen die Beratungen über das Strafmaß beginnen, das noch im August verkündet werden soll. Dass den Obergefreiten keine Todesstrafe erwartet, war schon vor Beginn des seit zwei Monaten laufenden Prozesses klar. Die Staatsanwaltschaft hatte darauf verzichtet, Mannings Hinrichtung zu fordern. Eine Entlassung Mannings aus dem Gefängnis vor Ablauf seiner Haftstrafe ist rechtlich möglich.

„Das ist ein riesengroßer Erfolg“

Verteidiger David Coombs wertete die Worte von Richterin Denise Lind trotz des umfassenden Schuldspruchs als Erfolg. „Heute ist ein guter Tag“, sagte Verteidiger David Coombs laut einem Bericht der „Washington Post“ online. „Dies ist ein riesengroßer Erfolg“, sagte Coombs, wie der Sender NBC berichtete. Manning stünde aber noch weiterhin unter Beschuss, der Kampf sei noch nicht gewonnen.
Zum ersten Mal sei ein Whistleblower der Spionage schuldig gesprochen worden, äußerte Wikileaks-Chef Julian Assange: „Dieser kurzsichtige Richterspruch darf nicht toleriert werden und muss rückgängig gemacht werden.“ Assange sitzt seit über einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London fest und fürchtet, beim Verlassen der Botschaft festgenommen und in die Vereinigten Staaten ausgeliefert zu werden.

Kritisiert das Urteil gegen Manning: Wikileaks-Gründer Julian Assange Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© Reuters, reuters Vergrößern Assange zum Urteil im Fall Manning: WikiLeaks Informant hat auf staatlichen Machtmissbrauch reagiert

„Brad liebte sein Land und war stolz, dessen Uniform zu tragen“, schrieb die Familie Mannings in einem von der britischen Zeitung „Guardian“ veröffentlichten Schreiben. Der Schuldspruch sei enttäuschend, doch es sei auch erfreulich, dass Manning auch nach Auffassung von Richterin Lind den Feinden der Vereinigten Staaten niemals habe helfen wollen.

Amnesty: Regierung setzt falsche Prioritäten

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International reagierte mit Kritik. Im Kampf um die nationale Sicherheit habe die amerikanische Regierung mit dem Prozess gegen Manning die falschen Prioritäten gesetzt. „Es scheint, dass er das Richtige tun wollte: rechtswidriges Verhalten der Regierung mit glaubwürdigen Beweisen aufdecken.“ Laut dem Geständnis Mannings gab er als im Irak stationierter Soldat im Jahr 2010 Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken an Wikileaks weiter, will dabei aber nicht in böser Absicht gehandelt haben.

WikiLeaks-Informant Manning im Hauptanklagepunkt nicht schuldig Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© reuters Vergrößern Gerichtsverfahren gegen WikiLeaks Informant: Urteil gegen Manning

Das Verfahren in Fort Meade bei Washington ist der erste große Prozess gegen einen sogenannten Whistleblower in den Vereinigten Staaten und könnte als Präzedenzfall für weitere bekannte Enthüller dienen, darunter auch für den Geheimdienstexperten Edward Snowden.

Der Schuldspruch sei eine Warnung an alle Whistleblower und die Zukunft des investigativen Journalismus, teilte die amerikanische Sektion des Reporter-Netzwerks „Reporter ohne Grenzen“ mit. „Wir sind immer noch besorgt über die abschreckende Wirkung für die Presse, besonders für Reporter, die über Themen zur nationalen Sicherheit berichten“, sagte der Vorsitzende des Komitees zum Schutz von Journalisten CPJ, Joel Simon, laut einer Mitteilung.

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Quelle: FAZ.NET

 
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