Home
http://www.faz.net/-gq5-75clo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Bozizé bittet um Hilfe Frankreich will in Zentralafrika nicht eingreifen

Frankreichs Präsident Hollande hat den Einsatz französischer Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik zum Schutz des Regimes ausgeschlossen. Damit wies er ein Hilfegesuch des zentralafrikanischen Präsidenten Bozizé zurück.

© AFP Vergrößern Wer hilft ihm? Der zentralafrikanische Präsident François Bozizé

Frankreich hat den Einsatz von Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik zum Schutz der dortigen Regierung ausgeschlossen. Präsident François Hollande sagte am Donnerstag in Paris, die im Land stationierten französischen Soldaten würden nicht in den internen Konflikt eingreifen. „Diese Zeiten sind vorbei.“ Hollande hatte die in der Zentralafrikanischen Republik stationierten Soldaten damit beauftragt, die Sicherheit der Botschaft in der Hauptstadt Bangui zu gewährleisten. Damit reagierte er auf gewalttätige Proteste vor der Vertretung. Die Demonstranten warfen Frankreich vor, die ehemalige Kolonie im Stich zu lassen, und forderten es auf, die Rebellenkoalition Séléka zu bekämpfen, die seit Tagen nahezu ungehindert in Richtung Bangui vorrückt.

In einer Rede auf einem Platz in der Hauptstadt appellierte der zentralafrikanische Präsident François Bozizé am Donnerstag an die „Vettern aus Frankreich und Amerika“, ihm gegen die Rebellen zu helfen. Die Aufständischen müssten auf ihre früheren Positionen zurückgedrängt werden, damit es Friedensgespräche in Libreville (Gabun) geben könne. Er entschuldigte sich für die Angriffe auf die französische Botschaft. Zudem rief er die Jugend des Landes dazu auf, sich den Rebellen entgegenzustellen. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich hat etwa 200 Soldaten auf dem Flughafen von Bangui stationiert. Das französische Präsidialamt teilte mit, die Maßnahmen zum Schutz der Botschaft und der französischen Bürger würden solange beibehalten wie nötig.

Residents of Central African Republic participate in a marching protest along the streets of the capital Bangui Proteste in der Hauptstadt Bangui © REUTERS Bilderstrecke 

In Bangui traf unterdessen eine Delegation der zentralafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft CEEAC ein, um zwischen der Regierung und den Rebellen zu vermitteln. Nach Angaben des französischen Staatssenders RFI lagen die Rebellen am Donnerstag nur noch rund 75 Kilometer vor der Hauptstadt. Offenbar hatten sie es damit geschafft, die mit Einheiten des Nachbarlands Tschad verstärkten Stellungen der Regierungstruppen in Sibut und Bossangoa zu umgehen. Tschad, das Bozizé stets unterstützt hatte, hält sich derzeit offenbar noch zurück, ebenso wie die von der EU bezahlte und von zentralafrikanischen Staaten gebildete Friedensmission Micopax, die 400 Soldaten in dem Land stationiert hat.

Séléka-Rebellenführer Djouma Narkoyo sagte, die jüngste Offensive sei eine Reaktion auf Angriffe der Regierungstruppen auf Rebellenstellungen. Eine Eroberung Banguis sei nicht geplant. Séléka hatte am Sonntag Bambari, die drittgrößte Stadt des Landes, erobert, nachdem die Aufständischen zuvor bereits das Zentrum des Diamantenhandels Bria eingenommen hatten. Sie wollen Bozizé stürzen, wenn dieser nicht ein 2007 vereinbartes Friedensabkommen vollständig verwirklicht. Im Zuge dieses Abkommens sollten politische Gefangene freigelassen, demobilisierte Kämpfer bezahlt und die Rebellen Teil der regulären Armee werden.

Séléka ist eine Koalition aus drei der früheren Rebellenarmeen. Bozizé ist 2003 durch einen Putsch an die Macht gekommen. In der Vergangenheit benötigte er mehrfach ausländische Unterstützung, um Aufstände niederzuschlagen. Französische Offiziere dienen der Armee in der Zentralafrikanischen Republik als Berater. Seit 1960 ist zwischen beiden Ländern ein Verteidigungspakt in Kraft. Die Armee gilt aus diesem Grund nicht als schlecht ausgebildet, wohl aber als schlecht ausgerüstet. Bozizé fürchtet offenbar auch einen Putsch durch Teile der Armee.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z./stah.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tourist als Geisel Islamisten drohen mit Tötung des entführten Franzosen

Islamisten haben einen französischen Touristen in Algerien entführt. In einem Video stellen sie Frankreichs Hollande ein Ultimatum. Ansonsten wollen sie den Mann ermorden. Mehr

22.09.2014, 21:27 Uhr | Politik
Vereinigte Staaten stärken Militärpräsenz in Bagdad

Der amerikanische Präsident sandte weitere 350 Soldaten zum Schutz der eigenen Botschaft in die irakische Hauptstadt. Außerdem werden Spitzenvertreter der Armee in den Nahen Osten entsandt. Mehr

03.09.2014, 11:15 Uhr | Politik
Algerien Islamistische Entführer töten französische Geisel

Blutige Botschaft an die französische Regierung: Ein im Internet veröffentlichtes Video zeigt die Enthauptung des von Islamisten in Algerien verschleppten Franzosen. Mehr

24.09.2014, 17:17 Uhr | Politik
Muslimische Familien fliehen aus der Hauptstadt der zentralafrikanischen Republik

In der Zentralafrikanischen Republik machen sich hunderte muslimische Familien aus Furcht vor Übergriffen christlicher Milizen auf den Weg nach Norden. Sie fühlen sich in der Hauptstadt Bangui nicht mehr sicher, nachdem es bereits mehrfach zu übergriffen gekommen ist. Mehr

28.04.2014, 12:02 Uhr | Politik
Nach Mord an IS-Geisel Terror-Alarm in Frankreich

Nach der Ermordung einer französischen Geisel in Algerien steigt in Frankreich die Terror-Angst. Die Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Plätzen und in Verkehrsmitteln werden verstärkt. Im Kampf gegen die  IS-Terrormiliz sollen nun auch syrische Oppositionskräfte verstärkt unterstützt werden. Mehr

25.09.2014, 14:49 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 27.12.2012, 07:54 Uhr

Zur Sanierung verdammt

Von Johannes Leithäuser, Berlin

Die Pannen bei der Bundeswehr kommen genau richtig: Lange nicht mehr waren die Deutschen so sensibel für sicherheitspolitische Bedrohungen wie derzeit. Das Desaster könnte deshalb eine Chance sein, die Armee endlich besser zu machen. Mehr 73 22