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Botschaft in Berlin Bush nominiert Coats-Nachfolger

20.07.2005 ·  Der amerikanische Präsident will den Unternehmer William Timken als Botschafter nach Berlin schicken. Timken gilt als großzügiger Spender der republikanischen Partei. Doch Vorgänger Coats überläßt kein leichtes Erbe.

Von Matthias Rüb, Washington
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Für einmal wird es im Senat keinen Streit um eine Nominierung geben: Präsident George W. Bushs Kandidat für den Posten des amerikanischen Botschafters in Deutschland dürfte von den hundert Frauen und Männern in der kleineren Kammer des Kongresses sozusagen nach Berlin durchgewunken werden.

William Robert Timken, den der Präsident einen Freund nennt und bei dessen Spitznamen „Tim“ ruft, ist ein erfahrener und weltläufiger Mann, wenn auch kein gelernter Diplomat. Vielmehr ist Timken erfolgreicher internationaler Unternehmer.

Mit Botschafterposten „belohnen“

Und wenig spricht dafür, daß solche Erfahrung im „richtigen Leben“ für den Posten eines Botschafters bei einem wichtigen Verbündeten weniger qualifiziert als eine Laufbahn im professionellen staatlichen Außendienst. Jedenfalls ist es in den Vereinigten Staaten lange und gute Tradition, daß Präsidenten gestandene Frauen und Männer aus dem Kreis ihrer Freunde, politischen Mitstreiter und Wohltäter mit wichtigen Botschafterposten „belohnen“.

Die Vorfahren des designierten Botschafters stammen sogar aus Deutschland: Urgroßvater Henry kam 1838 als siebenjähriger Bub von Bremen nach Ohio. 1897 meldete Henry Timken ein Patent für ein Kugellager an, zwei Jahre darauf gründete er „The Timken Company“, die heute börsennotiert ist. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen für Spezialstahl sowie Kugellager für die Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie mit 4,5 Milliarden Dollar einen Rekordumsatz, während der Gewinn der Firma, die in 27 Ländern 26.000 Mitarbeiter beschäftigt, im ersten Quartal dieses Jahres bei 58,2 Millionen Dollar lag.

Potenter Spender

Der heute 66 Jahre alte William Robert Timken arbeitete sich in dem Familienunternehmen mit Sitz in seinem Geburtsort Canton im Bundesstaat Ohio vom Aushilfsarbeiter während der Sommerferien 1958 bis zum Chef nach oben. Nach dem Studium der Geschichte und der Wirtschaftswissenschaften in Stanford und Harvard trat Timken 1962 ins Unternehmen der Familie ein, das er von 1975 bis Ende 2003 schließlich selbst führte. Seither ist Timken Mitglied des Aufsichtsrates.

Zudem ist Timken seit Jahrzehnten Mitglied sowie potenter Spender und Spendensammler der Republikanischen Partei. Beim Wahlkampf im vergangenen Jahr war er für die Wiederwahl des Präsidenten zuständiger Finanzchef der Republikaner in Ohio - und wer sich daran erinnert, daß der Ausgang der Wahl in diesem Schlüsselstaat im Mittleren Westen letzlich den Kampf ums Weiße Haus entschied, mag ermessen, wie wichtig für den Präsidenten Unterstützer wie Timken sind.

Kein leichts Erbe

Timkens Kenntnisse der deutschen Sprache sind offenbar rudimentär, und er wird von seinem Vorgänger Daniel Coats - auch er war eine „politische“ Berufung Bushs - ein nicht eben leichtes Erbe übernehmen. Der Streit um den Irak-Krieg, den der noch amtierende Bundeskanzler vorab als „Abenteuer“ bezeichnet hatte, sowie Aufwallungen anti-amerikanischer Ressentiments haben die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten nachhaltig belastet.

Daran wird sich der Unternehmer Timken erst gewöhnen müssen, doch darf er sich von dem Umstand trösten lassen, daß atmosphärische Störungen in der Politik die ausgezeichneten wirtschaftlichen Beziehungen über den Atlantik hinweg so gut wie überhaupt nicht beeinträchtigt haben. Manches spricht dafür, daß es künftig wieder „geschäftsmäßiger“ zugehen wird in den deutsch-amerikanischen Beziehungen, und einem möglichen Regierungswechsel in Berlin schaut man im Weißen Haus und im Kreis der treuen Verbündeten des konservativen Präsidenten gewiß nicht mit Bangigkeit entgegen

Quelle: F.A.Z., 21.07.2005, Nr. 167
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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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