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Bosnien-Herzogowina Kein Zugriff auf Kriegsverbrecher Karadzic

01.04.2004 ·  Abermals ist eine Militäroperation zur Ergreifung des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic mißlungen. Sfor-Soldaten hatten am frühen Morgen in Pale bei Sarajevo eine orthodoxe Kirche durchsucht.

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Abermals ist eine internationale Militäroperation zur Ergreifung des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic erfolglos geblieben. Rund 40 Soldaten riegelten am frühen Donnerstag morgen die Kleinstadt Pale bei Sarajevo ab und durchsuchten eine orthodoxe Kirche. Der als Kriegsverbrecher angeklagte Karadzic sei jedoch nicht gefaßt worden, teilte Sfor-Sprecher Dave Sullivan mit.

Zuletzt hatten die Sfor-Truppen im Januar vergeblich versucht, den meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher in Pale festzunehmen. Der SFOR-Sprecher sagte, die NATO-Friedenstruppen hätten vor der Operation glaubwürdige Hinweise erhalten, dass sich Karadzic in Pale aufhalte. Bei der Aktion sei minimale Gewalt eingesetzt worden. Zwei bosnisch-serbische Zivilisten hätten Verletzungen erlitten und seien per Hubschrauber in ein Sfor-Krankenhaus gebracht worden. Augenzeugen hatten von Schüssen und Explosionen berichtet. Das Haus des orthodoxen Priesters sei beschädigt worden.

„Kein Fehlschlag“

Sullivan wollte die Militäraktion nicht als Fehlschlag bezeichnen. „Jede Operation hilft der Sfor, an mehr Informationen zu kommen, die zur Festnahme des meistgesuchten bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers führen könnten.“ Die örtliche Polizei in Pale werde die Lage weiter beobachten.

Das UN-Tribunal in Den Haag hatte Karadzic 1995 wegen Kriegsverbrechen, Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstößen gegen die Genfer Konventionen angeklagt. Karadzic hatte im Bosnienkrieg von 1992-95 an der Spitze der bosnischen Serben gestanden. Die Vereinigten Staaten haben eine Belohnung von fünf Millionen Dollar für die Ergreifung des seit mehr als acht Jahren untergetauchten Serbenführers ausgesetzt.

Mit einem Kopfgeld in gleicher Höhe wird der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic gesucht. Beiden werden unter anderem die Massaker von Srebrenica angelastet, bei denen im Juli 1995 mehr als 7000 bosnische Muslimeermordet wurden.

Reaktion aus Washington

Unterdessen hat Washington seine Hilfen für Serbien und Montenegro wegen mangelnder Zusammenarbeit mit dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag eingefroren. Das teilte das Außenministerium in Washington am Mittwoch mit. „Wir rufen die Führung in Belgrad dazu auf, voll mit dem Tribunal zu kooperieren, indem flüchtige Angeklagte festgenommen und überstellt werden“, sagte Außenamtssprecher Adam Ereli. Er nannte in diesem Zusammenhang insbesondere Ratko Mladic, der die serbische Armee während des Bürgerkriegs in den neunziger Jahren in Bosnien- Herzegowina befehligt hatte.

Wie hoch die eingefrorene Summe ist, blieb zunächst unklar. Die Vereinigten Staaten hatten für dieses Jahr rund 100 Millionen Dollar für Serbien und Montenegro bereitgestellt, von denen 43 Millionen bereits ausgegeben wurden. Von der Sperre ist nicht der gesamte Restbetrag von 57 Millionen Dollar betroffen. Gelder zum Beispiel für humanitäre Aufgaben und Hilfen für die Provinz Kosovo sind ausgenommen.

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