Home
http://www.faz.net/-gpf-7b036
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Boliviens Präsident Morales „Offene Provokation gegen einen ganzen Kontinent“

Der bolivianische Präsident Evo Morales ist nach seinem ungewollten Zwischenstopp in Österreich wieder in sein Heimatland zurückgekehrt. Er zeigt sich nach wie vor verärgert über den Zwischenfall.

© REUTERS Evo Morales: „Das war eine offene Provokation gegen einen ganzen Kontinent und nicht nur gegen einen Präsidenten“

Nach einer mutmaßlich erzwungenen Zwischenlandung in Österreich ist der bolivianische Präsident Evo Morales in sein Heimatland zurückgekehrt. Der sozialistische Politiker wurde am Mittwochabend (Ortszeit) in La Paz von einer jubelnden Menschenmenge empfangen. Er befand sich auf dem Flug von Russland nach Bolivien und musste nach eigenen Angaben zwischenlanden, weil ihm mehrere europäische Staaten den Überflug verweigert hatten. Hintergrund soll der Verdacht gewesen sein, dass sich der frühere amerikanische Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in der Regierungsmaschine befand.

„Das war eine offene Provokation gegen einen ganzen Kontinent und nicht nur gegen einen Präsidenten“, sagte Morales bei seiner Rückkehr. Auch in anderen Ländern sorgte der Zwischenfall für Verärgerung. Die Union Südamerikanischer Nationen sprach von einem „unfreundlichen und unvertretbaren Verhalten“.

Frankreich bedauert Probleme

Frankreich hat unterdessen die vorübergehende Sperrung des Luftraums für die Präsidentenmaschine von Morales bedauert. Außenminister Laurent Fabius habe seinem bolivianischen Amtskollegen David Choquehuanca in einem Telefongespräch sein Bedauern über die Verzögerung bei der Ausstellung der Flugerlaubnis ausgedrückt, teilte das Ministerium am Mittwoch in Paris mit. Es habe Verwirrung über den Eigentümer der Maschine gegeben, hieß es. Selbstverständlich habe nie die Absicht bestanden, der Präsidentenmaschine den Zugang zum französischen Luftraum zu verweigern. Morales sei stets willkommen in Frankreich.

Die bolivianische Regierung hatte die Vereinigten Staaten beschuldigt, im Zusammenhang mit der Fahnung nach Snowden Druck auf europäische Länder ausgeübt zu haben. Der 30-Jährige, der geheime Informationen über Spähprogramme an Medien weitergab, hält sich vermutlich im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf.

Die Regierung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama hat Sicherheitskreisen zufolge Staaten mitgeteilt, dass die Beziehungen zu seinem Land deutlich belastet würden, wenn sie Snowden die Erlaubnis zur Einreise geben würden. Nach internationalen Vereinbarungen dürfen zwar Zivilmaschinen Länder ohne besondere Erlaubnis überfliegen. Für Regierungsflugzeuge muss dagegen eine Genehmigung eingeholt werden.

Mehr zum Thema

Quelle: Reuters/dpa

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Spionageabwehr Verfassungsschutzpräsident lobt Snowden

Vom Bundesamt für Verfassungsschutz erwartet man kein Lob für Edward Snowden. Deren Chef Maaßen zeigt sich jedoch dankbar. Aus einem einfachen Grund. Mehr

21.07.2015, 17:18 Uhr | Politik
Bolivien-Besuch Papst bittet Amerikas Ureinwohner um Vergebung

Seinen Besuch in Bolivien nutzt Papst Franziskus für eine historische Geste der Entschuldigung: Bei den Ureinwohnern bittet er um Vergebung für Verbrechen der katholischen Kirche in der Kolonialzeit. Mehr

10.07.2015, 17:55 Uhr | Aktuell
Bolivien Brand in der deutschen Botschaft

Bei Protesten in der bolivianischen Hauptstadt La Paz zünden Bergleute Dynamit nahe der deutschen Botschaft. Ausgelöst durch die Explosion kommt es dort zu einem Brand im Innern. Boliviens Vizepräsident Álvaro García bestätigt den Vorfall. Mehr

23.07.2015, 14:07 Uhr | Politik
Edward Snowden Regierungen haben sich verselbständigt

Per Videostream sprach der Ex-NSA-Mitarbeiter bei einer Cebit-Gesprächsrunde über seine Asylbemühungen in Deutschland. Mehr

19.03.2015, 13:38 Uhr | Politik
Bolivien La Paz baut weltweit größtes innerstädtisches Seilbahnnetz

Die bolivianische Metropole nutzt Seilbahnen als reguläres Verkehrsmittel. Drei Linien bestehen schon - jetzt kommen sechs weitere dazu. Mehr

22.07.2015, 15:26 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 04.07.2013, 08:38 Uhr

Kein Rittersmann und kein Knapp

Von Berthold Kohler

Viele SPD-Mitglieder sind der Meinung, es gebe in der Partei bessere Kanzlerkandidaten als Gabriel. Wer aber sollte das sein? Mehr 36 12