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Bolivien Morales' Weltreise in Lederjacke und Wollpulli

11.01.2006 ·  Evo Morales, der frischgewählte Präsident Boliviens, hat das Fürchten nicht gelernt und reist unbekümmert durch die Welt. Wie bisher trägt er Lederjacke und Streifen-Pullover. Aber Morales ist sich auch in anderer Hinsicht treu geblieben.

Von Josef Oehrlein, Buenos Aires
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Evo Morales, der frischgewählte Präsident Boliviens, hat das Fürchten nicht gelernt und reist unbekümmert durch die Welt. Doch auch in den Treffen mit den Mächtigen der Welt bleibt er sich selbst treu. Wie bisher trägt er Lederjacke und die „chomba“, den bunt-quergestreiften Pullover, bestenfalls noch ein weißes Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln. „Ich bin an kein Protokoll gewöhnt“, sagt er unerschrocken. In seiner informellen Aufmachung müssen ihn der Präsident Frankreichs, der spanische König und der kommunistische Kaiser von China, der Staatspräsident Hu Jintao, empfangen.

Morales ist sich auch in anderer Hinsicht treu geblieben. Die große Weltreise vor seiner Amtseinführung am 22. Januar verläuft wie der Wahlkampf: chaotisch und improvisiert. Fast von Minute zu Minute wird der Reiseplan geändert. Einer spontanen Eingebung folgend, beschloß Morales, einen Abstecher nach Iran und Indien einzulegen. Der Besuch beim iranischen Präsidenten Ahmadineschad war wohl hauptsächlich dazu gedacht, die Vereinigten Staaten noch ein bißchen mehr als schon mit der Aufwartung bei Fidel Castro zu ärgern.

Kennzeichen verhindert Besuch

Doch aus der Iran-Visite ist nichts geworden, weil Morales in einem Flugzeug reist, das ihm sein politischer Ziehvater, der venezolanische Präsident Hugo Chavez, zur Verfügung stellte. Dieses Flugzeug hat, wie es hieß, ausgerechnet ein amerikanisches Kennzeichen und darf deshalb nicht in den iranischen Luftraum fliegen.

Opfer von Morales' Sprunghaftigkeit sind auch Boliviens Nachbarn Brasilien und Argentinien. Obwohl nach Südafrika, wo sich Morales jetzt befindet, Brasilien ganz fest auf dem Reiseplan steht, ist das wieder unsicher geworden. Dafür kann Argentinien einigermaßen fest mit dem Besuch des designierten Präsidenten am 17. Januar rechnen.

Angst vor der eigenen Courage

Lange ging es hin und her: Zuerst kam Argentinien in der Reiseplanung gar nicht vor, dann wurde der Vizepräsident dorthin abkommandiert, kurz darauf aber wieder zurückbeordert. Auf die Ankündigung, daß Morales doch selbst kommen werde, folgte wegen der geplanten Iran-Eskapade ein Dementi, das wieder dementiert wurde, allerdings nur halb.

In Argentinien hat Evo Morales eine heikle Aufgabe vor sich, die möglicherweise der tiefere Grund für sein Zögern ist: Er muß den Argentiniern beibringen, daß Bolivien für sein Erdgas künftig sehr viel mehr Geld als bisher verlangen werde. Es habe nun, bei aller Freundschaft, ein Ende mit dem „solidarischen Preis“ für die Nachbarn, hatte er im Wahlkampf verkündet. Jetzt, da die Sprüche von gestern in die Tat umgesetzt werden müssen, scheint es, als habe Morales trotz allen Wagemuts, mit dem er die Welt erobern will, Angst vor der eigenen Courage.

Quelle: F.A.Z., 11.01.2006, Nr. 9 / Seite 5
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