28.02.2006 · Während die „New York Times“ an ihrem Bericht über die Weitergabe irakischer Verteidigungspläne an die amerikanischen Streitkräfte durch BND-Agenten festhält („eindeutig und unzweifelhaft“), antworten Sprecher des Pentagons ausweichend.
Die Tageszeitung „New York Times“ hält an ihrem Bericht über die Weitergabe irakischer Verteidigungspläne an die amerikanischen Streitkräfte durch Agenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) fest. Chefredakteur Bill Keller veröffentlichte in der Nacht zum Dienstag auf der Website des Blattes eine Stellungnahme, in welcher er die Erkenntnisse des Chefmilitärkorrespondenten der Zeitung, Michael R. Gordon, vehement verteidigt.
In der Stellungnahme werden mehrere Zitate aus dem geheimen Bericht des „Joint Forces Command“ aus dem Jahre 2005 veröffentlicht, die nach den Worten Kellers „eindeutig und unzweifelhaft“ die Darstellung Gordons belegen, wonach BND-Mitarbeiter die Informationen über Saddam Husseins Verteidigungspläne an den Vorposten des für die Region zuständigen Zentralkommandos der amerikanischen Streitkräfte im Emirat Qatar weitergaben.
„Zeichnung von den Deutschen erhalten“
Die Vereinigten Staaten erhielten die Zeichnung (des Verteidigungsplanes) am 3. Februar (2003). Die Blaupause wurde im Februar (2003) dem deutschen LNO (Verbindungsoffizier) in Qatar weitergegeben, der sie dem Vertreter des DIA (amerikanischer Militärgeheimdienst) beim CENTCOM Forward (Vorposten des Zentralkommando) übergab. Der DIA leitete diese dann an CENTCOM J2 (Nachrichtenabteilung des Zentralkommandos) weiter.“
In einem weiteren Zitat aus dem Bericht heißt es: „Die Deutschen hatten vor Beginn des Krieges zwei in Bagdad operierende Agenten. Die Blaupause wurde den Deutschen von deren Quellen in Bagdad - Identität der Quelle der Deutschen unbekannt - übergeben. Bei Beginn des Bombardements stellten die Agenten ihre Tätigkeit ein und gingen in die französische Botschaft.“ Keller bekräftigt, daß der Geheimbericht des „Joint Forces Command“, auf den sich Gordon bezieht, mithin „kategorisch feststellt, daß die Deutschen die Zeichnung übergaben“. Der Chefredakteur kündigte zudem weitere Artikel des Militärkorrespondenten des Blattes auf der Grundlage des Berichts an.
Ausweichende Antworten
Sprecher des Pentagons und des „Joint Forces Command“ antworteten ausweichend auf Fragen nach dem Bericht und den Reaktionen aus Berlin. Der Sprecher des Kommandos in Norfolk (Virginia), Leutnant Jim Krohne, sagte nach Agenturberichten, er wisse nicht, wovon der Autor des Artikels in der „New York Times“ spreche, denn der darin erwähnte Bericht sei geheim. Pentagonsprecher Bryan Whitman sagte, er kenne „keinen Beleg, der die Behauptung stützt“, daß deutsche Agenten vor Beginn der amerikanisch geführten Invasion im Irak vom März 2003 den amerikanischen Streitkräften Informationen über Saddam Husseins Verteidigungspläne übergeben hätten.
Ein Sprecher der amerikanischen Botschaft in Berlin nannte Mutmaßungen absurd, hinter der Zeitungsmeldung könne womöglich die Absicht amerikanischer Regierungskreise stecken, die Bundesregierung zu diskreditieren. Es hieß, die amerikanische Seite habe doch im Gegenteil in den vergangenen Monaten alles unternommen, um die partnerschaftlichen Beziehungen zu Deutschland wieder zu festigen.