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Blockade der Trinkwasserschleuse Kämpfe und Vermittlungsversuche in Sri Lanka

06.08.2006 ·  Bei Kämpfen zwischen den Tamilen-Rebellen der LTTE und der Armee im Osten Sri Lankas sind 15 Mitarbeiter einer französischen Hilfsorganisation getötet worden. Zuvor hatten norwegische Regierungsvertreter versucht, im Konflikt zu vermitteln.

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Bei Kämpfen zwischen den Tamilen-Rebellen der „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ (LTTE) und der Armee im Osten Sri Lankas sind 15 Mitarbeiter einer französischen Hilfsorganisation getötet worden. Der Vorsitzende des Konsortiums der Hilfsorganisationen in Sri Lanka (CHA), Jeevan Thiagarajah, sagte, die Tsunami-Helfer der „Action contre la faim“ (Aktion gegen den Hunger) seien in der umkämpften Stadt Muttur regelrecht „hingerichtet“ worden. „Sie wurden in ihrem Büro gefunden, mit dem Gesicht nach unten - tot.“

Es sei noch unklar, wer für die Tat verantwortlich ist. Die LTTE-nahe Internetzeitung „Tamilnet“ bezichtigte die Armee der Tat. Das Verteidigungsministerium wies das zurück. Die Soldaten in Muttur hätten sich Gefechte mit Rebellen geliefert, aber zu keiner Zeit auf Zivilisten geschossen. Der Generalsekretär von „Action contre la faim“, Benoît Miribel, bestätigte den Tod der 15 Mitarbeiter. Die Organisation sei seit ihrer Gründung vor 25 Jahren noch nie „so getroffen worden“, sagte er.

Vermittlungsversuche Norwegens

Am Wochenende versuchten norwegische Regierungsvertreter im Konflikt in Sri Lanka zu vermitteln und brachten damit widersprüchliche Bewegungen ins Geschehen. Zeitweise wurden die schweren Gefechte, die sich die Armee und die LTTE seit vergangener Woche liefern, unterbrochen, um dann wiederaufzuflammen. Die neuen Kampfhandlungen stellten Mitteilungen in Frage, wonach sich sowohl die LTTE als auch Einheiten der srilankischen Armee aus dem umkämpften Gebiet bei Trincomalee zurückgezogen haben sollten.

Zwischenzeitlich schien es, als sei es dem norwegischen Vermittler Jon Hanssen-Bauer gelungen, den Rebellen Zugeständnisse abzuringen. Der politische Sprecher der LTTE, Tamilselvan, sagte am Sonntag nach einem Gespräch mit Hanssen-Bauer, daß „unser nationaler Führer“ - gemeint war der Militärchef der Organisation, Prabhakaran - zugestimmt habe, die Trinkwasserschleuse wieder zu öffnen, wegen deren Schließung die Offensive der srilankischen Armee begonnen hatte. Die Rebellen führten „humanitäre Gründe“ für ihre Entscheidung an. Tamilselvan sprach von einer Zusicherung der Regierung in Colombo, künftig bei der Wasserversorgung den Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung zu tragen. Die Rebellen hatten die Schließung der Schleuse damit begründet, die Bevölkerung habe kein Vertrauen in die Behörden gehabt.

In „Tamilnet“ hieß es dann später, die Wasserversorgung habe bislang nicht wiederhergestellt werden können, weil die srilankische Armee die Schleuse ein weiteres mal mit Artillerie beschossen habe, wobei angeblich sogar der Vermittler in Lebensgefahr geraten sei. Die französische Nachrichtenagentur AFP zitierte einen Regierungssprecher in Colombo mit den Worten: „Wir wollen nicht, daß Terroristen die Wasserversorgung wiedereröffnen.“ Wenn die LTTE dies nicht den zuständigen Ingenieuren überließen, werde es die Armee selber tun. Offenbar zeigte der Regierungssprecher Befremden darüber, daß Hanssen-Bauer das Ergebnis mit den LTTE ohne Absprache mit Colombo erzielt hatte.

Ein „Waterloo“ für die „Befreiungstiger“?

Am Samstag war es zu einer Feuerpause gekommen, nachdem Hilfsorganisationen und die norwegische Vermittlungsdelegation darum gebeten hatten. Verletzte hatten nicht angemessen behandelt werden können. Tausende Flüchtlinge waren in dem Gebiet eingekesselt gewesen. Das Rote Kreuz schätzte, daß bei Bombardierungen von Schulen und Moscheen mindestens sechzig Zivilisten ums Leben gekommen sind. Die Regierung in Colombo sprach von mehr als 100 getöteten Zivilisten und warf den Rebellen vor, dafür verantwortlich zu sein. Die LTTE bestritten dies und wiesen die Schuld den Regierungstruppen zu.

Auch über die bisherigen Verluste bei den Kriegsparteien kursieren unterschiedliche Zahlen. Sie schwanken zwischen 52 und mehr als 400 Mann. Insgesamt hatte die srilankische Armee etwa 2000 Soldaten in Bewegung gesetzt, um das Schleusen-Gebiet unter Kontrolle zu bringen. Nach eigenen Angaben hat sie ihr Ziel erreicht und den Rebellen „ein Waterloo“ beschert. Die LTTE gaben hingegen an, alle Vorstöße erfolgreich abgewehrt zu haben. Ihr Ziel, militärischen Druck auf die Armee auszuüben, sei erreicht worden. Sie hätten sich freiwillig hinter die Waffenstillstandslinie aus dem Jahr 2002 zurückgezogen.

Unklar ist, ob die zeitweise Befriedung im Kampfgebiet ein Ende der Eskalationen andeutet, die Sri Lanka seit Anfang des Jahres erlebt. Der Waffenstillstandsvertrag aus dem Jahr 2002, der formal noch immer in Kraft ist, wurde seit Januar systematisch gebrochen; mehr als 800 Menschen sind seitdem bei Kämpfen ums Leben gekommen. Die norwegische Vermittlungsoffensive hat nicht nur zum Ziel, die aktuellen Kampfhandlungen einzudämmen, sondern auch den formalen Rahmen des Waffenstillstands wiederherzustellen. Gegenstand der Bemühungen ist insbesondere die Wiedereinsetzung der unabhängige Beobachtermission. Dem Vernehmen nach will Hanssen-Bauer erreichen, daß die LTTE eine Rückkehr der EU-Mitglieder ermöglicht. Mitarbeiter aus Dänemark und Finnland hatten die Mission verlassen, weil die Rebellen nicht mehr für deren Sicherheit garantieren wollten. Sie reagierten mit dieser Drohung auf den Beschluß der Europäischen Union, die Organisation als „terroristische Vereinigung“ zu führen und zu behandeln.

Quelle: job., F.A.Z./FAZ.NET mit Material von dpa
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