14.07.2005 · Eine Woche nach den Terroranschlägen von London hat Großbritannien mit zwei bewegenden Schweigeminuten der Opfer gedacht. In der hektischen Innenstadt von London wurde es vollkommen still - und nicht nur dort: FAZ.NET-Bildergalerie.
Millionen Menschen in ganz Europa haben am Donnerstag mit zwei Schweigeminuten der Londoner Terroropfer gedacht. Eine Woche nach den Anschlägen standen um 13 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) in zahlreichen Orten Busse, Taxis und Züge still.
Auf vielen Straßen blieben die Leute stehen. Fernsehprogramme wurden unterbrochen, in etlichen Unternehmen wurde die Arbeit für die beiden Minuten eingestellt. In der sonst so hektischen Innenstadt von London wurde es vollkommen still. Busse, Taxis und Züge hielten an. Viele Londoner - unter ihnen Königin Elizabeth II. - hatten ihre Büros verlassen und waren nach draußen gekommen, so wie Bürgermeister Ken Livingstone es angeregt hatte. Auch die meisten Unternehmen einschließlich der Londoner Börse stellten vorübergehend den Betrieb ein.
George Psaradakis (49), der Fahrer des Busses, der durch eine der Bomben zerstört worden war, wandte sich an die Terroristen: „Ihr werdet uns nicht besiegen“, sagte er. „Ihr werdet uns nicht brechen.“ Durch die Bombenanschläge auf drei U-Bahnen und einen Bus waren vor einer Woche mehr als 50 Menschen getötet und 700 verletzt worden. Die Täter waren vier muslimische Selbstmordattentäter aus der nordenglischen Stadt Leeds.
Sirenen in Monaco, der Papst betet
Mit Durchsagen auf den Bahnhöfen wurde in Berlin um ein kurzes Schweigen gebeten. Züge, die gerade in einem Bahnhof standen, fuhren erst etwa eine Minute später weiter. Auch in Polen, Österreich oder Italien gedachten die Menschen schweigend der Opfer.
Papst Benedikt XVI. hielt in seinem Urlaubsort Les Combes im Aostatal während des täglichen Angelus-Gebets um 12 Uhr zwei Schweigeminuten und betete nach Angaben seines Sprechers Joaquin Navarro-Valls „für die Opfer des Terrorismus, ihre Familien und besonders für den Frieden“. Italien hatte als einziges Land die Schweigeminuten bereits um 12 Uhr MESZ abgehalten.
In Frankreich wahrten vor dem Élysée-Palast Präsident Jacques Chirac, seine Gattin, der britische Botschafter John Holmes und Premierminister Dominique de Villepin die Schweigeminuten. In Monaco ertönten Sirenen als Zeichen der Solidarität. In Brüssel standen alle Linienbusse, U- und Straßenbahn zwei Minuten lang still. An einer Gedenkminute vor dem Gebäude der EU- Kommission nahm auch Justizkommissar Franco Frattini teil.
Der künftige EU-Staat Bulgarien schloß sich dem EU-weiten Gedenken an. Vor dem Parlamentsgebäude in Sofia versammelten sich Staatspräsident Georgi Parwanow, Parlamentspräsident Georgi Pirinski, der amtierende Ministerpräsident Simeon Sakskoburggotski, Parlamentarier und Bürger.