18.10.2007 · Nach mehr als acht Jahren im Exil ist die frühere pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto am Donnerstag in ihre Heimat zurückgekehrt. Ihr Ziel sei die Wiederherstellung der Demokratie und das Ende der Militärdiktatur, sagte die 54 Jahre alte Politikerin.
Nach mehr als acht Jahren im selbst gewählten Exil ist die frühere pakistanische Premierministerin Benazir Bhutto am Donnerstag in ihrer Heimatstadt Karachi gelandet.
Zehntausende Anhänger ihrer Pakistanischen Volkspartei (PPP) hatten sich zuvor in der südpakistanischen Wirtschaftsmetropole versammelt, um die Gegenspielerin von Militärmachthaber Pervez Musharraf zu begrüßen. Alleine am Flughafen kamen mehrere tausend Menschen zusammen, die „Lang lebe Benazir“ riefen und Flaggen der PPP schwenkten.
„Pakistan an einem Scheideweg“
Nach Anschlagdrohungen gegen Bhutto sicherten mehr als 10.000 Polizisten ihren Weg in die 15-Millionen-Stadt. „Heute ist Pakistan an einem Scheideweg, ein Weg führt zur Diktatur, der andere zur Demokratie“, sagte Bhutto vor ihrer Abreise in Dubai. „Die Menschen, die sich zu meiner Begrüßung versammelt haben, wollen Veränderung in Richtung Demokratie.“ Ihr Ziel sei das Ende der Militärdiktatur, sagte sie.
Bereits in der Nacht zu Donnerstag waren Konvois aus Bussen, Lastwagen und Autos mit Bhutto-Anhängern in die Stadt geströmt, in der zahlreiche Bilder der Parteichefin auf Lebenszeit und Banner zu ihrer Begrüßung hingen. „Karachi sieht nach einer so fröhlichen Stadt aus wie nie zuvor“, sagte Parteisprecherin Sheri Rehman. Aus Sicherheitsgründen reiste Bhutto ohne ihren Ehemann und ihre drei Kinder.
Menschenmassen auf dem Weg
Bhutto will vom Flughafen aus zum Mausoleum von Pakistans Staatsgründer Muhammad Ali Jinnah und später zu ihrer Familienresidenz fahren. Wegen der Menschenmassen auf dem Weg wird damit gerechnet, dass sie für die Strecke bis weit in die Nacht benötigen wird.
Präsident Pervez Musharraf möchte Frau Bhutto angeblich nach den für Januar erwarteten Parlamentswahlen an der Macht beteiligen, hatte sie allerdings - vergeblich - gebeten, mit ihrer Heimkehr zu warten, bis das Verfassungsgericht über seine politische Zukunft entschieden hat. Statt wie geplant die Beratungen darüber aufzunehmen, ob die Wiederwahl Musharrafs am 6. Oktober rechtskräftig war, teilte das Gericht am Mittwoch mit, den zuständigen Senat neu zusammenzusetzen und direkt dem Obersten Richter, Iftikhar Chaudhry, zu unterstellen. Wann das Gericht sein Urteil sprechen wird, ist nicht bekannt. Für den Fall, dass es die Wiederwahl Musharrafs für ungültig erklärt, behält sich der Staatspräsident offenbar weiterhin vor, den Ausnahmezustand zu verhängen. Der Minister für Parlamentsangelegenheiten, Sher Afgan, wollte diesen Schritt am Mittwoch nicht ausschließen.