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Besuch in Texas Bush und Merkel wollen diplomatische Lösung mit Iran

10.11.2007 ·  Was Gerhard Schröder nie vergönnt war, hat Bundeskanzlerin Merkel ausgekostet: Einen betont herzlichen Empfang auf Präsident Bushs privater Ranch in Texas. Auch die politischen Gespräche verliefen offenbar im Einklang.

Von Matthias Rüb, Crawford
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Joachim Sauer und George W. Bush trugen fast Partnerlook, als der Präsident und „First Lady“ Laura mit dem weißen „Ford“-Pickup die Bundeskanzlerin und ihren Mann vom Hubschrauberlandeplatz auf der „Prairie Chapel Ranch“ in Crawford abholten: Bluejeans, schwarze Schuhe, schwarzer Gürtel, helles Oberhemd. Wobei der Präsident die Kurzarmvariante gewählt und natürlich auf die mächtige silberne Gürtelschnalle nicht verzichtet hatte. Schließlich ist hier Texas, man könnte sogar sagen das „Herz von Texas“, nicht umsonst heißt das jährliche Rodeofest in der nahen Stadt Waco „Heart of Texas“.

Bush ist zwar kein gebürtiger Texaner, stammt aus New Haven in Connecticut. Aber in Texas hat er als Geschäftsmann und als Gouverneur reüssiert, ehe ihm der Sprung ins Weiße Haus gelang. Und die Leute in Crawford haben den 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten als einen der Ihren angenommen und ins Herz geschlossen. Wann immer der Präsident kann, kommt er auf seine geliebte „Prairie Chapel Ranch“, die er 1999 vom Nachfahren eines deutschen Einwanderers aus Wiesbaden namens Heinrich Engelbrecht gekauft und mit einem neuen Hauptgebäude, einem Gästehaus, einem Swimmingpool und einem Fischteich hat verschönern lassen. Alles authentisch texanisch.

„Ausdruck der Wärme und des Respekts“

Und er lädt Gäste ein, die besonders wichtig sind oder ihm besonders am Herzen liegen – als politische Führer, wie man in Amerika sagt, und als Freunde. Vor Kanzlerin Merkel waren seit Bushs Amtsantritt 14 Staats- und Regierungschefs auf der Ranch. Im Souvenirladen „The Red Bull“ gibt es noch jede Menge Restposten der extragroßen Kaffeetassen, die als Andenken an jeden hohen Besuch hergestellt werden. Die Jiang-Zemin-Tasse ist gerade im Angebot: Wer eine kauft, bekommt zwei dazu geschenkt. Die Angela-Merkel-Tasse kostet noch den vollen Preis von zehn Dollar. 72 Stück wurden bestellt, am ersten Tag des Besuchs gingen schon gut 30 weg, sagt die Verkäuferin.

„Wenn man in Texas jemanden in sein Haus einlädt, ist das ein Ausdruck der Wärme und des Respekts – und so empfinde ich auch für Kanzlerin Merkel“, sagte Bush bei der Ankunft des deutschen Besuches. Und die Kanzlerin, auch sie in legerer Freizeitkleidung, bedankte sich für die „wunderbare Gelegenheit“, in einer „wunderbaren Atmosphäre einige Probleme besprechen zu können“. Das taten der Präsident und die Kanzlerin sogleich bei der obligatorischen Fahrt übers Ranch-Gelände, bei der Bush wie üblich selbst am Steuer saß. Und sie besprachen „einige Probleme“, vorab das iranische Nuklearproblem, zumal beim Abendessen im kleinen Kreis – auch Außenministerin Condoleezza Rice und Sicherheitsberater Stephen Hadley waren dabei. Aus den Delegationen war am späten Abend nur zu erfahren, dass man in bester Atmosphäre gesprochen habe und sich schon auf den Morgen freue.

Bush hört auf das Wort aus Berlin

Den begannen Merkel und Bush mit einem Spaziergang, es folgten ein gemeinsames Frühstück sowie weitere Gesprächsrunde mit den kleinen Delegationen. Immer wieder ging es vor allem um Iran und um die Frage, wie das Mullah-Regime ohne Waffengewalt von seinem mutmaßlichen Streben nach der Atombombe abgebracht werden kann. Bush bekräftigte seinen Willen zur diplomatischen Lösung, drängte abermals auf weitere Sanktionen – notfalls unilateral oder in der EU, wenn China und Russland eine schärfere Resolution des UN-Sicherheitsrates weiter blockierten. Er betonte das gleich mehrmals, als wolle er mit Nachdruck den Eindruck in Europa zerstreuen, seine Regierung bereite schon wieder den Waffengang vor. Die Kanzlerin mahnte, es komme gerade auf die Geschlossenheit der Staatengemeinschaft an.

Auch über die Zukunft Afghanistans stimmten die beiden überein. Und selbst bei der UN-Reform zeigte sich Bush offen für Diskussionen. Er sagte den Deutschen zwar nicht die Unterstützung in ihrem Streben nach einem Sicherheitsratssitz zu. Aber er sagte immerhin, er habe von Merkel „gute Ideen“ gehört.

Nach dem Mittagessen verabschiedete Bush seine Besucherin aus Berlin, die er schätzt. Mag sein, dass die Opposition den Kongress in Washington beherrscht, aber in der Außenpolitik hat der Präsident das Heft in der Hand. So wird es bleiben, bis zum letzten Tag seiner Amtszeit am 20. Januar 2009. Wenn der mächtigste Mann der Welt auf das Wort aus Berlin hört und darauf vertraut, kann es nicht schlecht sein für Deutschland.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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