10.02.2009 · Frankreich will der irakischen Regierung beim Wiederaufbau massiv unter die Arme greifen. Bei einem Besuch in Bagdad stellte Präsident Sarkozy Waffen, Ausrüstung und „mehr Engagement“ in Aussicht und kündigte eine „verstärkte Zusammenarbeit in allen Bereichen“ an.
Der französische Staatspräsident Sarkozy hat am Dienstag in Bagdad dem irakischen Präsidenten Talabani Waffen, Ausrüstung und „mehr Engagement“ in Aussicht gestellt. Es war das erste Mal seit dem Sturz Saddam Husseins, dass ein französischer Präsident irakischen Boden betrat. Sarkozy hatte sich zu einem kurzfristigen Besuch aus der jordanischen Hauptstadt Amman nach Bagdad fliegen lassen.
Der französische Präsident kam mit Talabani und dem irakischen Ministerpräsidenten Al Maliki zusammen. Mit seinem Besuch wollte Sarkozy ein Zeichen der „Normalisierung“ der französisch-irakischen Beziehungen setzen. Er lud die anderen europäischen Regierungschefs ein, es ihm nachzutun. „Ganz Europa sollte kommen“, sagte Sarkozy. Er lobte die Regionalwahlen im Januar als „sehr erfolgreich“. „Frankreich glaubt an die Einheit des Iraks“, sagte Sarkozy. Talabani machte deutlich, die Iraker hätten bei den Regionalwahlen bewiesen, dass die Vielfalt der Bevölkerungsgruppen im Irak kein Problem sei.
Amerikaner bei Anschlag in Mossul getötet
Der französische Außenminister Kouchner, der Sarkozy begleitete, war schon im August 2007 nach Bagdad gereist. Frankreich bemüht sich, an die Wirtschaftsbeziehungen anzuknüpfen, die nach dem Sturz Saddam Husseins unterbrochen worden waren. Sarkozy kündigte eine verstärkte Zusammenarbeit „in allen Bereichen“ an. Er lud den irakischen Präsidenten Talabani sowie Al Maliki zu einem Gegenbesuch in Paris ein.
Um verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Irak bemüht sich seit geraumer Zeit auch Deutschland. Als erstes und bisher höchster deutscher Politiker hat Michael Glos (CSU) als Bundeswirtschaftsminister im Juli letzten Jahres in Bagdad. Ihn begleiteten deutsche Unternehmer, die dieser Zeitung berichteten, dass durch die Privatisierung einstiger Staatsunternehmen im Irak die zeit günstig sei, sich am Wiederaufbau zu beteiligen. Es gäbe Umsatzrenditen von über fünfzig Prozent. Um die wirtschaftliche Zusammenarbeit enger zu knüpfen hat Außenminister Steinmeier (SPD) eine baldige Reise in den Irak angekündigt. Ihn werden dem Vernehmen nach nicht nur einige Unternehmer, sondern eine Wirtschaftsdelegation begleiten. Gespräche mit der irakischen Regierung sind ebenfalls geplant.
Unterdessen wurden nach Angaben des amerikanischen Militärs vom Dienstag beim blutigsten Anschlag auf die amerikanischen Truppen im Irak seit Mai 2008 am Montag in der nordirakischen Stadt Mossul vier amerikanische Soldaten und ein irakischer Übersetzer getötet. Der Attentäter hatte sich in einem mit Sprengstoff beladenen Auto einem Kontrollpunkt der irakischen Polizei genähert, neben dem das Fahrzeug der amerikanischen Truppen geparkt war. Die knapp 400 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Stadt in der Provinz Niniveh gilt als die letzte Hochburg des Terrornetzes Al Qaida im Irak.