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Belgien „Abscheulich und feige“

12.05.2006 ·  Ein rassistisch begründeter Doppelmord an einem afrikanischen Au-Pair-Mädchen und dem von ihm betreuten zweijährigen Mädchen sorgt in Belgien für Entsetzen. Ein 18 Jahre alter Schüler gab die Schüsse zu. Er habe Ausländer umbringen wollen.

Von Michael Stabenow, Brüssel
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In Belgien sorgt die offenbar fremdenfeindlich motivierte Ermordung einer jungen afrikanischen Au-Pair-Mädchens und eines von ihr betreuten zweijährigen einheimischen Kleinkindes für Bestürzung.

Nach Angaben der Antwerpener Staatsanwaltschaft soll der mutmaßliche Täter, ein 18 Jahre alter belgischer Schüler, bestätigt haben, daß er ausländisch wirkende Personen habe umbringen wollen. Vor den tödlichen Schüssen aus einem Jagdgewehr war am Donnerstag eine 46 Jahre alte türkische Frau verletzt worden. Der Schüler, der schwarze Kleidung mit rechtsextremen Abzeichen getragen haben soll, wurde später in der Antwerpener Innenstadt durch Schüsse eines Polizeibeamten in den Bauch verletzt und festgenommen.

„Form von extremem Rassismus“

Während Regierungschef Guy Verhofstadt schon unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat von „abscheulichen, feigen Morden“ und einer „Form von extremen Rassismus“ gesprochen hatte, hielten sich die Strafverfolgungsbehörden mit einer Bewertung zunächst zurück.

Der aus Antwerpen stammende, des Doppelmordes beschuldigte Schüler war offenbar am Donnerstag morgen aus einem Internat im westflämischen Roeselare in seine Heimatstadt gereist, wo er das für die Tat benutzte - waffenscheinfreie - Jagdgewehr mit Munition gekauft haben soll. Der Rektor des Internats hat am Freitag bestätigt, daß der Schüler sich abfällig über Ausländer geäußert habe und im Internet rassistische Websites genutzt haben soll.

Mord im Zentralbahnhof

Vor einem Monat hatte der Tod eines 17 Jahre alten belgischen Schülers die belgische Öffentlichkeit erschüttert. Er war offenbar durch einen inzwischen in seiner polnischen Heimat festgenommenen Jugendlichem am hellichtem Tage in der Eingangshalle des Brüsseler Zentralbahnhofs erstochen worden. Die belgische Polizei zunächst gezielt nach marokkanischen Jugendlichen gefahndet. An einem Schweigemarsch am Sonntag nach Ostern hatten damals in Brüssel 80.000 Menschen teilgenommen.

Die Morde in Antwerpen sorgen auch wegen der im Oktober in Belgien anstehenden Kommunalwahlen für Aufsehen. In der Hafenstadt hatte der fremdenfeindliche Vlaams Belang im Oktober 2000 einen Stimmenanteil von rund 33 Prozent erreicht.

Familie mit rassistischem Hintergrund

Der in Antwerpen verhafte Schüler ist Sohn eines Parteimitglieds und Neffe einer Parlamentarierin des Vlaams Belang. Der Parteivorsitzende Vanhecke verwahrte sich gegen den Vorwurf, der Vlaams Belang habe das politische Klima für die Morde begünstigt. „Ich glaube, daß niemand in unseren Texten und Äußerungen auch nur die geringste Rechtfertigung für das Geschehene finden kann“, zitierte der flämische Rundfunksender VRT Vanhecke.

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