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Belfast Frustriert für die Flagge

 ·  Zum Geburtstag von Kate Middleton weht die britische Flagge über dem historischen Rathaus von Belfast. Manche frustrierte Protestanten wollen sie dort immer sehen. Und sei es mit Gewalt.

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© dpa Vergrößern Vor dem Rathaus in Belfast: Nordirlands Unionisten fühlen sich als Verlierer.

Wenn Kate Middleton, die Herzogin von Cambridge, an diesem Mittwoch ihren Geburtstag feiert, wird wieder die britische Flagge über dem historischen Rathaus von Belfast wehen - das erste Mal, seit die Stadtoberen Anfang Dezember mehrheitlich entschieden haben, den Union Jack einzurollen und nur noch an 17 ausgesuchten Feiertagen zu hissen. Mit Freudentänzen der nordirischen Protestanten rechnet jedoch niemand. Seit mehr als vier Wochen demonstrieren die protestantischen, probritischen Unionisten nun gegen die Fahnenentscheidung.

Seit Beginn des neuen Jahres ist kaum eine Nacht ohne Straßenschlachten mit der Polizei vergangen. In der Nacht zu Dienstag versuchte diese, mehrere hundert Protestanten von einer Gruppe von Katholiken fernzuhalten. Fahrzeuge wurden umgestürzt und in Brand gesetzt, Brandbomben und Steine geworfen, vereinzelt war sogar von scharfen Schüssen die Rede. Die Ordnungshüter gingen mit Tränengas gegen die Demonstranten vor und feuerten Gummigeschosse ab. Mehr als 60 Beamte wurden in den vergangenen fünf Tagen verletzt, mehr als hundert Demonstranten festgenommen. Vertreter aller Parteien verlangen Mäßigung, aber die Rufe verhallen.

Dass nicht einmal mehr die politische Führung der Unionisten Gehör bei den Demonstranten findet, erklären Beobachter mit einer wachsenden Entfremdung. „Junge Protestanten aus der Arbeiterklasse sehen ihre Interessen von den unionistischen Mainstream-Parteien - ob von der UUP (Ulster Unionist Party) oder der DUP (Democratic Unionist Party) - nicht mehr angemessen repräsentiert“, schrieb nun der Publizist Roy Greenslate in der Zeitung „Guardian“. Sie fühlten sich marginalisiert und als Verlierer des Friedensprozesses.

Hilflose unionistische Politiker

Von einer klaren Klassengrenze lässt sich nicht sprechen. Noch immer ist etwa die Arbeitslosigkeit im protestantischen Osten Belfasts deutlich niedriger als im katholischen Westen der Stadt. Aber die gesellschaftlichen Koordinaten verschieben sich zugunsten der Katholiken. Während die nordirischen Protestanten langsam ihre frühere Vormachtstellung einbüßen, holen die Katholiken auf: Immer mehr absolvieren eine gute Ausbildung, und mittelfristig werden sie die Protestanten auch als stärkste Bevölkerungsgruppe überflügeln.

Viele der Demonstranten betrachten die Führer der unionistischen Parteien inzwischen als Teil der neuen nordirischen Elite. Während die pro-britischen Politiker die Vorteile genießen, die sich aus der Machtteilung mit den katholischen Republikanern ergeben, sehen sich vor allem die sozial schwachen Protestanten gesellschaftlich zurückgelassen. Ihre Frustration findet ein Ventil in gestrigen Parolen („No surrender!“) und in Gewalt gegen die Staatsmacht.

© reuters, Reuters Vergrößern Wieder Ausschreitungen im nordirischen Fahnenstreit

Die Äußerungen unionistischer Politiker klingen zunehmend hilflos. „Wir müssen einen Weg finden, um da raus zu kommen, aber wir das gelingen soll, weiß ich nicht“, sagte etwa Robin Newton von der DUP. Die Versuche von Politikern und Kirchenvertretern, die Gewalt zu stoppen - zuletzt trafen sie sich am Wochenende -, blieben bislang erfolglos. Laut Newton liegt das auch daran, dass die Demonstranten keine klaren Forderungen erheben. Michael Copeland von der UUP beklagt wiederum, dass es unter den Demonstranten keine Ansprechpartner gebe.

Brandangriffe und Morddrohungen

Polizisten mutmaßen seit längerem, dass die Proteste von der paramilitärischen Ulster Volunteer Force gesteuert werden. Offiziell ist die Gruppe entwaffnet, doch scheint es Belege dafür zu geben, dass sich Mitglieder unter die Randalierer mischen und den Konflikt anheizen. Opfer sind nicht nur Polizisten, sondern auch Politiker. Einige sahen sich Brandangriffen auf ihr Haus ausgesetzt, andere erhielten Morddrohungen - oft in Form von Patronen, die in Briefumschlägen verschickt werden.

Besonders betroffen sind die Repräsentanten der Alliance Party, die - als neutraler Königsmacher im Belfaster Stadtparlament - für den umstrittenen Kompromiss in der Flaggenfrage gestimmt hatten. Wäre es bei der Abstimmung allein nach den katholischen Republikanern gegangen, hätten sie den Union Jack für immer im Keller des Rathauses verschwinden lassen.

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