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Befreiung des Kapitäns der „Maersk Alabama“ Drei Kopfschüsse in rauher See

13.04.2009 ·  Nach seiner gewaltsamen Befreiung durch die amerikanische Marine wird nicht nur Richard Philips, der furchtlose Kapitän der „Maersk Alabama“, in den Medien gelobt. Auch Präsident Obama profitiert von der aufsehenerregenden Militäraktion.

Von Katja Gelinsky, Washington
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In den Vereinigten Staaten wird die gewaltsame Befreiung von Kapitän Richard Phillips, mit der Spezialeinheiten der amerikanischen Marine am Sonntag das Geiseldrama vor der Küste Somalias beendeten, als Erfolg für Präsident Obama gewürdigt. Mit seiner Entscheidung, Phillips Leben notfalls mit militärischer Gewalt zu schützen, habe sich Obama als entschlossener Oberbefehlshaber erwiesen, wodurch das Vertrauen in seine Fähigkeiten zur militärischen Konfliktbewältigung gestärkt werden dürfte, wird der Präsident in amerikanischen Medien gelobt.

Das Pentagon hatte den Präsidenten zweimal um Erlaubnis für den Einsatz militärischer Gewalt gegen die Piraten ersucht. Dem ersten Gesuch gab Obama am Freitagabend um 20 Uhr Washingtoner Ortszeit statt. Eine zweite Anweisung traf er am Samstagmorgen um 9.20 Uhr. Nach Angaben amerikanischer Offizieller galt die zweite Ermächtigung dem Einsatz von mehr Militärpersonal und Gerät zur Befreiung von Phillips.

Obama will besseren Schutz vor Afrikas Küsten

Während der Krise hatte Obama es vermieden, Stellung zu dem fünftägigen Geiseldrama zu beziehen. Das erste Mal äußerte er sich offiziell nach der geglückten Befreiung von Phillips. Dessen Mut sei „vorbildlich für alle Amerikaner“, sagte Obama. Kapitän Phillips hatte sich zum Schutz seiner Mannschaft den Piraten als Geisel zur Verfügung gestellt. Der Präsident zeigte sich zudem entschlossen, der zunehmenden Piraterie entlang der afrikanischen Küste Einhalt zu gebieten. Gemeinsam mit den Verbündeten, so Obama, müssten künftige Angriffe von Piraten verhindert werden. Ferner müsse sichergestellt werden, dass Piraten für ihr kriminelles Vorgehen zur Rechenschaft gezogen würden.

Allerdings machten amerikanische Militärs am Wochenende deutlich, wie schwierig der Kampf gegen Piraten sei und welche Risiken damit einhergingen. Auf Fragen danach, welche Folgen die Tötung der drei Piraten durch amerikanische Spezialeinheiten haben könnten, sagte der amerikanische Vizeadmiral William Gortney, es bestehe „kein Zweifel daran“, dass „dies zu einer Eskalation der Gewalt in diesem Teil der Welt führen kann“. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten seien für einen ausreichenden Schutz ihrer Schiffe entlang der rund 3000 Kilometer langen Küste Somalias jedoch nicht ausreichend gerüstet. „Wir haben einfach nicht die Ressourcen, um all die Gebiete abzudecken“, sagte Gortney. Nach Angaben der amerikanischen Marine würden mehr als 60 Schiffe benötigt, um die Schifffahrtstraße durch den Golf von Aden vor Piraten zu schützen.

Erster Piratenangriff seit 200 Jahren

Zu amerikanischen Bemühungen, den Kampf gegen die Piraterie zu verstärken, hatte Außenministerin Hillary Clinton vergangene Woche gesagt, die Obama-Administration arbeite daran, mehr Länder für Patrouillen zu gewinnen. Von der Option, durch Militäroperationen auf dem somalischen Festland gegen Piraten vorzugehen, sprach Clinton indes nicht. Im Dezember hatte der UN-Sicherheitsrat das Mandat für den Einsatz gegen Piraten vor der Küste Somalias erweitert.

Danach sind ein Jahr lang internationale Einsätze gegen Piraten auch auf dem somalischen Festland gestattet. Die beteiligten Staaten dürfen nach der einstimmig verabschiedeten Resolution an Land „alle notwendigen Maßnahmen“ zur Verfolgung von Piraten ergreifen. Eine Nutzung des somalischen Luftraums ist nach der Resolution jedoch nicht ausdrücklich gestattet. Die Regierung Bush hatte den verstärkten Kampf gegen die Piraterie unterstützt. Bis zum Überfall auf die „Maersk Alabama“ am vergangenen Mittwoch waren amerikanische Schiffe jedoch von den Seeräuberattacken in den vergangenen Monaten verschont geblieben; nach Angaben amerikanischer Historiker ist es ungefähr 200 Jahre her, dass zuvor ein amerikanisches Schiff von Piraten überfallen wurde.

Bei Fluchtversuch zunächst nicht eingegriffen

Das Geiseldrama begann am frühen Mittwoch morgen. Während ein Großteil der zwanzigköpfigen Mannschaft noch schlief, kamen die vier somalischen Piraten, die mit Pistolen und Sturmgewehren vom Typ AK 47 bewaffnet waren, mit Hilfe von Seilen an Deck der „Maersk Alabama“ und begannen in die Luft zu feuern. Der Mannschaft gelang es, einen der Piraten in einen Maschinenraum zu locken, wo der Mann mit Hilfe eines Eispickels überwältigt und gefesselt wurde. Besorgt um das Leben seiner Leute, bot Kapitän Phillips sich in den Verhandlungen mit den Piraten als Geisel an. Die Verabredung war, dass Phillips freigelassen werden sollte, sobald die Seeräuber ein Rettungsboot zur Verfügung und ihren vierten Mann wiederbekommen hätten. Doch die Piraten hielten sich nicht an die Verabredung und fuhren mit Philipps in dem Rettungsboot davon.

Am Mittwochmorgen schickte die Marine den Zerstörer „USS Bainbridge“ in die Nähe der „Maersk Alabama“. Am Donnerstag begann die Mannschaft auf dem Kriegsschiff dann mit Hilfe von Fachleuten des FBI, Verhandlungen mit den Entführern aufzunehmen. Wenn das amerikanische Militär Gewalt anwende, werde Philipps getötet, drohten die Piraten. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag versuchte Philipps seinen Entführern mit einem Sprung aus dem Boot zu entkommen. Die Piraten feuerten daraufhin Schüsse ab und nahmen den Kapitän wieder an Bord. Die amerikanische Marine griff bei dem misslungenen Fluchtversuch nicht ein. Am Wochenende schien es dann, als ob es den Entführern an Nahrungsmitteln und Wasser mangele. Diese Gelegenheit nutze die Marine, um bei Hilfslieferungen direkten Kontakt mit den Entführern aufzunehmen.

Lebensgefährliches Manöver

Samstagnacht brachte ein Militärflugzeug Dutzende von Angehörigen der Spezialeinheit „Navy SEAL“, die im Schutz der Dunkelheit mit Fallschirmen an dem Krisenschauplatz landeten und dann von der „Bainbridge“ aufgenommen wurden. Als hoher Seegang das Boot der Piraten bedrohte, erklärten sich diese bereit, sich von dem Zerstörer ins Schlepptau nehmen und in ruhigere Gewässer ziehen zu lassen. Auf diese Weise gelang es der Marine, deutlich näher an das Boot mit dem entführten Phillips heranzukommen. Der bei der Geiselnahme verletzte Pirat, der dringend ärztliche Hilfe benötigte, bat darum, für einen Telefonanruf an Bord der „Bainbridge“ zu kommen. „Er hat sich praktisch ergeben“, sagte ein amerikanischer Offizieller.

Hoffnungen, dass sich die übrigen drei Piraten ebenfalls ergeben würden, erfüllten sich jedoch nicht. Vielmehr schien es so, als ob die Lebensgefahr für Kapitän Phillips weiter wuchs, als die Piraten merkten, dass der Zerstörer ihr Boot aufs offene Meer anstatt zur somalischen Küste zog. Als einer der Piraten die Mündung seines Sturmgewehrs auf den Rücken des gefesselten Kapitäns richtete, gab der Kommandant auf der „Bainbridge“ den Scharfschützen den Befehl zu feuern. Ihnen gelang es trotz der rauhen See, die drei Piraten aus einer Entfernung von etwa 30 Metern durch Kopfschüsse zu töten. Der vierte Pirat soll demnächst vermutlich vor einem amerikanischen Gericht angeklagt werden.

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