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Terrorismus : Die Mutter des Satans und der muslimische Eremit

In Barcelona trauern die Menschen um die Opfer des Terror-Anschlags. Bild: AP

Ein Imam aus Marokko soll die Attentäter von Katalonien zu ihrem Todeswerk angestiftet haben. Womöglich wollten sie gar die Sagrada Família in die Luft sprengen.

          Hoch ragt die Sagrada Família in den wolkenverhangenen Himmel von Barcelona. Vor dem Portal des legendären Bauwerks, das Antoni Gaudí vor mehr als 100 Jahren entworfen hat, fährt eine schwarze Limousine nach der anderen vor. An diesem grauen Sonntagmorgen gedenkt Spanien der 14 Toten und 120 Verletzten, der Opfer also der Anschläge auf der Rambla und in Cambrils: Das spanische Königspaar ist gekommen, Ministerpräsident Mariano Rajoy, der Präsident und der Regierungschef aus Portugal sowie die katalanische Führung. Vor der Basilika, die immer noch nicht fertiggebaut ist, drängen sich Touristengruppen, die wegen des Gottesdiensts nicht hineindürfen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Mehr als zwei Millionen Menschen besuchen jedes Jahr dieses Wahrzeichen von Barcelona, das die Terroristen möglicherweise ursprünglich ins Visier genommen hatten, bevor sie stattdessen mit einem Lieferwagen Menschen auf der Rambla töteten. Das jedenfalls berichtet „El Confidencial“: Das spanische Internetportal beruft sich auf Quellen in der Polizei. Die Ermittler haben damit begonnen, die überlebenden Tatverdächtigen zu vernehmen, von denen sie nach eigenen Angaben „interessante“ Informationen erhielten. Sie bestätigen, dass die Terroristen ursprünglich Bombenanschläge auf symbolträchtige Ziele mit Hunderten Toten verüben wollten. Nun steht die prominente Trauergemeinde, zu der auch Angehörige von Opfern und mehrere Muslime gehörten, genau an diesem Ort. So verwandelt sich der Gedenkgottesdienst in der Sagrada Família nach der Großkundgebung am Freitag in eine weitere Demonstration trotzigen Beharrens, während der Wind wieder den katalanischen Ruf in die Kirche trägt: No tinc por – Ich habe keine Angst.

          Noch flüchtig: Der Terror-Verdächtige Younes Abouyaaqoub
          Noch flüchtig: Der Terror-Verdächtige Younes Abouyaaqoub : Bild: AFP

          Die Polizei ist währenddessen dem Mann auf der Spur, der die Mitglieder der Terrorzelle zu ihren größenwahnsinnigen Plänen verleitet haben soll, die dann in einer großen Explosion vorzeitig in sich zusammenbrachen. Möglicherweise liegt Abdelbaki Es Satty in den Trümmern des Hauses begraben, in dem die Gruppe offenbar an mehreren großen Autobomben gebaut hatte. Dabei war es offenbar zu einem Unfall gekommen, der das Haus in dem Küstenort Alcanar zerstörte. Die Gruppe entschied sich danach überstürzt für den Amoklauf in Barcelona und eine große Messerattacke im Badeort Cambrils, die die Polizei verhinderte, weil sie die fünf mutmaßlichen Terroristen erschoss.

          Es mehren sich die Hinweise darauf, dass der 45 Jahre alte marokkanische Imam Abdelbaki Es Satty der geistige Anstifter der jungen Attentäter war, einer Gruppe von zwölf guten Freunden. Vier Brüderpaare gehörten zu ihnen. Die meisten von ihnen stammten aus Marokko und lebten unauffällig in dem kleinen katalanischen Bergort Ripoll in den Pyrenäen, gut hundert Kilometer von der Promenade La Rambla entfernt, wo am Donnerstag wahrscheinlich der 22 Jahre alte Younes Abouyaaqoub mehr als hundert Menschen gezielt überfuhr. Die Polizei fahndet jetzt nach ihm als dem mutmaßlichen Fahrer. Möglicherweise gelang ihm die Flucht nach Frankreich. Nachbarn beschreiben ihn als einen ruhigen, schüchternen jungen Mann, der noch bei seinen Eltern lebte – ähnlich unauffällig wie offenbar die meisten anderen. Das könnte ein Grund dafür sein, weshalb die Polizei nicht früher auf sie aufmerksam geworden war.

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