25.01.2010 · Der als „Chemie-Ali“ berüchtigte Vetter Saddam Husseins ist durch den Strang hingerichtet worden. Ali Hassan al Madschid hatte 1988 den Giftgas-Angriff angeordnet, bei dem 1988 Tausende Kurden getötet worden waren.
Der als „Chemie-Ali“ bekannte Vetter des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein, Ali Hassan al Madschid, ist am Montag in Bagdad durch den Strang hingerichtet worden. Seit dem Sturz des Baath-Regimes 2003 durch Amerikaner und Briten war er mehrfach zum Tod verurteilt worden. Amerikanische Truppen hatten al Madschid im August 2003 festgesetzt; zuvor hatte es geheißen, er sei bei Kämpfen getötet worden, was sich jedoch bald als Falschmeldung herausgestellt hatte.
Chemie-Ali gehörte zu den am meisten verhassten Männern der Baath-Partei, die seit 1968 die absolute Macht im Irak innegehabt und sich unter Saddam Hussein, was die Führungspositionen anbelangt, stark auf den Familienclan aus dem nordirakischen Takrit gestützt hatte. Ali Hassan al Madschid diente seinem Vetter als Minister, Kommandeur und Berater; in diesen Positionen stieg er bald zu einem der mächtigsten Männer des Regimes auf.
Giftgasangriff auf kurdische Dörfer angeordnet
Nach seiner Festnahme stand er insgesamt viermal wegen Völkermordes und Kriegsverbrechen vor Gericht. Vor etwas mehr als einer Woche hatten ihn Richter zum Tode durch Erhängen verurteilt, weil er den Giftgasangriff auf kurdische Dörfer am 16. März 1988 angeordnet hatte. In der Endphase des acht Jahre währenden Krieges mit Iran hatte der Irak das kurdische Dorf Halabdscha im Zusammenhang mit einer Straf- und Vergeltungsaktion mit Sarin bombardieren lassen. In dem Ort kamen 5000 Menschen um.
Der als „Chemie-Ali“ berüchtigte Vetter Saddam Husseins ist durch den Strang hingerichtet worden. Ali Hassan al Madschid hatte 1988 den Giftgas-Angriff angeordnet, bei dem 1988 Tausende Kurden getötet worden waren.
Etwa 3000 wurden in zwei Nachbardörfern getötet. Madschid hatte sich auch wegen der grausamen Niederschlagung des schiitischen Aufstandes 1991 vor Gericht zu verantworten. Damals, nach der Niederlage Saddam Husseins gegen eine Koalition, die das irakisch besetzte Kuweit befreit hatte, hatten Schiiten sich gegen das Regime erhoben. Der 69 Jahre alte Madschid galt als ergebener Anhänger Saddam Husseins, der Ende 2006 hingerichtet worden war.
Viele Tote bei Anschlägen in Bagdad
Unterdessen wurden bei drei Anschlägen auf internationale Hotels in Bagdad am Montag mindestens 31 Personen getötet und Dutzende weitere verletzt. Die Bomben explodierten gegen 15.40 Uhr Ortszeit (13.40 Uhr MEZ) innerhalb weniger Minuten vor dem Hotel Palestine-Meridien, dem Babylon-Oberoi und dem Al-Hamra. Alle drei Bomben seien von Selbstmordattentätern gezündet worden, sagte ein irakischer Militärsprecher.
Die drei Hotels sind bei westlichen Journalisten und Geschäftsleuten beliebt. Sie liegen in der Nähe des stark gesicherten Regierungsviertels, der Grünen Zone.
Die Sicherheitslage in der irakischen Hauptstadt galt als prekär, nachdem die irakischen Sicherheitskräfte vor zwei Wochen hunderte Kilogramm Sprengstoff gefunden und 25 mutmaßliche Terroristen festgenommen hatten.
Bagdad war schon im vergangenen Jahr wiederholt Schauplatz verheerender Terroranschläge. So wurden am 8. Dezember rund 120 Menschen getötet, als Terroristen fünf große Bomben neben öffentlichen Gebäuden zündeten. Im August waren durch eine Bombenserie gegen Regierungsgebäude in Bagdad rund 100 Menschen ums Leben gekommen. Im Oktober erlagen 153 Iraker Anschlägen nahes des Justizministeriums und dem Gebäude des Provinzrates.
Am 7. März finden im Irak Parlamentswahlen statt. In der vergangenen Woche hatte eine Regierungskommission mehr als 500 Politiker, vor allem Sunniten, wegen angeblicher Verstrickung mit dem Regime des Diktators Saddam Hussein von der Wahl ausgeschlossen. Beobachter rechnen im Vorfeld des Urnenganges mit verstärkten terroristischen Aktivitäten von fundamentalistischen sunnitischen Gruppen, die Wahlen grundsätzlich ablehnen.