http://www.faz.net/-gpf-7itip

Ausspäh-Affäre : Die Spionage-Botschaft

  • Aktualisiert am

Der Himmel über Berlin: Viel Platz für Spionage? Bild: AP

Das Handy von Bundeskanzlerin Merkel steht einem Medienbericht zufolge seit dem Jahr 2002 auf einer Liste mit Aufklärungszielen des amerikanischen Geheimdienstes NSA. Die Abhörtechnik befinde sich im Gebäude der amerikanischen Botschaft am Pariser Platz.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel wird einem Medienbericht zufolge möglicherweise seit mehr als zehn Jahren vom amerikanischen Geheimdienst überwacht. Der „Spiegel“ berichtet, die Nummer des Mobiltelefons Merkels befinde sich seit 2002 auf einer Liste mit Aufklärungszielen des amerikanischen Geheimdienstes NSA.

          Dies ergebe sich aus einem Auszug, der offenbar aus einer geheimen NSA-Datei stamme, berichtet das Nachrichtenmagazin weiter. Auch nach Informationen der „New York Times“ wurde mit der Überwachung vor etwa einem Jahrzehnt begonnen. Der amerikanische Präsident Barack Obama hat sich dem Bericht zufolge bei Merkel für den mutmaßlichen Lauschangriff entschuldigt.

          Von der amerikanischen Botschaft am Pariser Platz zum Plenarsaal im Reichstag sind es Luftlinie zirka 350m

          Es seien Mitarbeiter der amerikanischen Geheimdienste CIA und NSA, die in Berlin im Gebäude der amerikanischen Botschaft mit „modernen Hochleistungsantennen“ einen Großteil der Kommunikation im Regierungsviertel überwache. Dieser „Special Collection Service“ unterhalte somit eine „nicht legal angemeldete Spionagedependance“, so das Magazin weiter.

          Die Einheit übe ihre Abhörtätigkeiten in rund 80 Städten weltweit aus, darunter Paris, Genf, Madrid, Rom und Prag. Auch gebe es eine zweite Spionageniederlassung im Frankfurt am Main.

          Erst im September wurde bekannt, dass die Bundesregierung gegen mögliche Abhöreinrichtungen der Amerikaner vorgegangen sei. Hubschrauber der Bundespolizei hätten das amerikanische Konsulat in Frankfurt am Main überflogen und Dutzende hochauflösende Fotos gemacht. Ziel der Mission sei es gewesen, Abhörtechnik auf dem Gebäude zu sichten.

          Dort stehe die Nummer unter „GE Chancellor Merkel“

          Der Ausspähauftrag sei allem Anschein nach auch wenige Wochen vor dem Berlin-Besuch des amerikanischen Präsident Barack Obama im Juni 2013 noch gültig gewesen, berichtet das Magazin unter Berufung auf einen Auszug aus einer geheimen NSA-Datei. Dort stehe die Nummer unter „GE Chancellor Merkel“. Die Art der Überwachung gehe aus dem Eintrag nicht hervor, also ob etwa alle Gespräche mitgeschnitten oder nur Verbindungsdaten ausgewertet wurden. Als Ziel benannt worden sei die Bundeskanzlerin von dem für Europa zuständigen Referat S2C32 „European States Branch“.

          Die amerikanische Regierung habe in internen Gesprächen die Erfassung Merkels als Ausspähziel nicht bestritten, berichtet das Nachrichtenmagazin weiter. Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice habe in einem Gespräch mit Merkels außenpolitischem Berater Christoph Heusgen erklärt, sie könne eine Überwachung nur für die Gegenwart und die Zukunft ausschließen, nicht jedoch für die Vergangenheit.

          Weitere Themen

          Erste Flüchtlinge klettern auf Grenzzaun Video-Seite öffnen

          Migranten-Karawane : Erste Flüchtlinge klettern auf Grenzzaun

          Gut 300 Flüchtlinge aus Zentralamerika haben die Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten erreicht. In Tijuana am Pazifik erklimmen sie den Zaun; auf der anderen Seite wachen Grenzschutzbeamte. Doch Trump lässt sich nicht erweichen.

          Topmeldungen

          Jens Spahn greift an : Mit Dolch und großem Kaliber

          Im Rennen um den CDU-Parteivorsitz liegt Gesundheitsminister Jens Spahn inzwischen deutlich hinter Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz. Ihm bleibt nur eine Chance.

          Israels Verteidigungsminister : Darum springt Liebermann ab

          Ministerpräsident Netanjahu wollte durch seinen Deal mit der Hamas Zeit und Ruhe erkaufen. Der Rücktritt seines Verteidigungsministers trifft ihn hart. Neuwahlen sind möglich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.