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Steinmeier in Kuba : Außen Stalin, innen Karibik

Unter Palmen: Steinmeier zu Gast bei Raúl Castro. Bild: dpa

Außenminister Steinmeier erkundet in Havanna, welche Chancen die Öffnung Kubas für Deutschland birgt. Das Regime lässt allerdings keinen Reformeifer erkennen.

          Im historischen Altstadtkern von Havanna lässt sich der Wandel Kubas gut besichtigen. Auf der kurzen Strecke von der Plaza de Armas vorbei am früheren Wohnhaus Alexander von Humboldts bis zur Plaza Vieja sind immer noch viele Baustellen zu sehen: Pflastersteine werden neu verlegt, Fassaden gestrichen und Dächer erneuert. Ein Großteil der im spanischen Kolonialstil erbauten Häuser ist längst saniert. Rosa, grün und blau leuchten die Fassaden. Hier gibt es schicke Eck-Kneipen, ein elegantes Restaurant ist in eine ehemalige Druckerei eingezogen, und Kunstgalerien reihen sich aneinander.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Frank-Walter Steinmeier wird bei seinem Besuch in der kubanischen Hauptstadt von einem jungen Mann durch die Straßen geführt, der für das Büro des Stadthistorikers arbeitet. Der Stadthistoriker selbst ist an diesem Morgen verhindert, weil er nebenbei auch noch Universitätsrektor ist und gerade seinen Absolventen die Diplome überreicht. Jener Stadthistoriker namens Eusebio Leal Spengler ist nicht etwa Leiter des örtlichen Archivs, sondern Chef eines kleinen Staates im Staate, mindestens so wichtig wie ein Minister der sozialistischen Inselrepublik. Er verantwortet die Restaurierung der Altstadt und verwaltet sein eigenes Budget. Die Gelder, die er für die Vergabe von Gewerbelizenzen erhält, reinvestiert er in die Restauration. Das Geschäft trägt sich quasi von selbst.

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          Voraussetzung für das Modell ist freilich, dass das Kleingewerbe des Viertels eine Art privatwirtschaftliche Insel im Meer der Staatswirtschaft ist. Diese Insel verdankt ihre Existenz Raúl Castro. Der kubanische Präsident hat nach dem Abtritt seines Bruders Fidel die vorsichtige Öffnung der kubanischen Wirtschaft gestattet. Seine Reformlosung lautet: „Ohne Hast und ohne Pause“. Die Einwohner der Hauptstadt haben diese Formel inzwischen leicht abgewandelt: Ohne Hast – mit langen Pausen, nennen sie die Politik des Staatschefs, über die westliche Diplomaten sagen, Castro wolle, dass sein Land ein bisschen schwanger sei. Früher oder später müsse er sich entscheiden, ob er Kuba gänzlich öffnen wolle oder wieder abschotte.

          Knapper Wohnraum in Havanna

          Was die Kubaner mit den langen Pausen meinen, lässt sich nur unweit des Altstadtkerns im Stadtzentrum beobachten. Hier kann vom berühmten Charme des Verfalls längst nicht mehr die Rede sein. Baufällige Häuser stehen hier, über welche mancher Bewohner der Hauptstadt sagt, sie seien nicht mehr zu retten und müssten sofort abgerissen werden. Da dies nicht geschieht, kommt es zu Unglücken wie jenem am vergangenen Mittwoch. Nach einem kräftigen Regenguss hatte sich ein Haus, das seit Jahrzehnten nicht mehr verputzt worden war, so sehr mit Wasser vollgesogen, dass es in sich zusammenfiel und sieben Menschen unter sich begrub; vier von ihnen kamen in den Trümmern um. Dass die Regierung nicht die radikale Abrissvariante wählt, liegt vor allem an der Wohnraumknappheit in der Hauptstadt.

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