20.08.2009 · Schottland hat den krebskranken libyschen Lockerbie-Attentäter al Megrahi vorzeitig aus der Haft entlassen. Er war wegen eines Anschlags auf eine amerikanische Passagiermaschine, bei dem 270 Menschen starben, zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Der ehemalige Agent des libyschen Geheimdiensts Abdel Basit Mohammed al Meghrahi ist am Donnerstag vorzeitig aus schottischer Haft entlassen worden und umgehend in sein Heimatland zurückgeflogen. Meghrahi, den Libyen 1999 nach jahrelangen Weigerungen an ein schottisches Gericht, das in den Niederlanden tagte, überstellt hatte, war 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Er hatte nach Überzeugung des Gerichts eine Bombe an Bord der Boeing 747 der amerikanischen Fluglinie PanAm gebracht, die drei Tage vor Weihnachten 1988 in der Luft explodierte und auf die schottische Ortschaft Lockerbie stürzte. Dabei wurden 259 Passagiere und Besatzungsmitglieder sowie elf Einwohner des Ortes getötet.
„Schritt der Humanität“
Die schottische Regierung hatte wenige Stunden zuvor Meghrahis Freilassung aus humanitären Gründen bekanntgegeben, damit er sein Leben im Kreise seiner Familie beenden könne. Der 57 Jahre alte Meghrahi leidet an Krebs im Endstadium. Justizminister MacAskill sagte, eine höhere Macht werde schon bald über Meghrahi richten. Sicherlich habe der Verurteilte seinen Opfern gegenüber keine Menschlichkeit gezeigt. Dies sei aber kein Grund für die schottische Regierung, dem Schwerkranken dies jetzt zu verweigern. MacAskill sagte, er habe sich für einen Schritt der Humanität entschieden, der in der schottischen Tradition fest verankert sei.
In Washington äußerte die amerikanische Regierung „tiefes Bedauern“ über die Entscheidung. Außenministerin Hillary Clinton hatte kurz zuvor noch persönlich mit MacAskill telefoniert und ihn gebeten, von einer Freilassung Meghrahis abzusehen. Auch mehrere Angehörige der Opfer, von denen 189 Amerikaner waren, hatten gegen die Entscheidung protestiert. Die Freilassung Meghrahis hatte sich schon in der vergangenen Woche abgezeichnet.
Eine schottische Berufungskommission hatten Zweifel daran, dass Meghrahi wirklich der Attentäter war, dazu bewogen, eine Wiederaufnahme des Falles zuzulassen. Das neue Verfahren war im Frühjahr begonnen, jedoch durch ein Gnaden- und Abschiebeersuchen Meghrahis außer Kraft gesetzt worden. Der ehemalige Labour-Abgeordnete Dalyell sagte, „Lockerbie“ werde „für lange Zeit unaufgeklärt bleiben - möglicherweise für immer“.
c.a. 15 Tage Haft pro Menschenleben
Stefanie R. (Merica)
- 20.08.2009, 18:53 Uhr
@Stefanie Rebecca
Ralf Zietz (RalfZietz)
- 20.08.2009, 19:31 Uhr
Mit oder ohne Islam
Lill-Karin Bryant (kb26919)
- 20.08.2009, 20:58 Uhr
Was kommentieren die Kommentatoren?
Sophia Orti (rum)
- 20.08.2009, 23:23 Uhr
Humanitär?
Peter Späth (pmspaeth)
- 21.08.2009, 14:39 Uhr