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Augenzeugen berichten „Alles ist voller Blut“

07.07.2005 ·  Orientierungslos schauen sich die Menschen um, versuchen zu begreifen. Sie sind verwirrt und verstört. Nichts geht mehr. Und niemand weiß zunächst, was passiert ist. Die Millionenstadt London steht unter Schock.

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„Ich war im Bus. Ich drehte mich um, und die Sitzreihen hinter mir waren weg.“

Die Frau mittleren Alters hat Schutt im Haar, Öl auf der Kleidung. Sie kommt aus einem Bus, der explodiert ist. Orientierungslos schaut die Frau am Londoner Russell Square um sich, versucht zu begreifen. Sie ist ein Abbild Londons am Donnerstag morgen: Die Millionenstadt steht unter Schock.

Erste Bekennerschreiben kursieren

In Bussen und in Zügen unter der Erde explodieren im morgendlichen Berufsverkehr Bomben. Der Strom fällt aus. Menschen rennen blutüberströmt aus U-Bahnhöfen. Massen von Beschäftigten kommen von ihren Arbeitsplätzen auf die Straßen, auch sie sind verwirrt und verstört. Nichts geht mehr. Und niemand weiß zunächst, was passiert ist.

Stunden später erst wird der britische Premierminister Tony Blair von einer Serie von Terroranschlägen sprechen (siehe auch: Reaktionen: „Barbarische Angriffe“). Zu diesem Zeitpunkt ist offiziell klar: Es gibt Tote, und es gibt viele Verletzte. Erste Bekennerschreiben kursieren.

„Orangenes Flackern“

„Es liegen Leichen am Rand der Gleise“, bestätigt ein Pendler, der in einer U-Bahn saß. „Überall sind Zugteile. Es ist furchtbar.“ Ein blutüberströmter Mann hält sich den Kopf, rennt mit Massen anderer Menschen aus einem zentral gelegenen Bahnhof.

„Ich war am Anfang des Zuges, und die Menschen wurden schwer verletzt dort“, sagt er. „Ich habe gehört, in den hinteren Waggons soll es noch schlimmer aussehen.“ Die 49jährige Loyita Worley war zwischen den Stationen Moorgate und Aldgate unterwegs, als ihr Zug von einer schweren Explosion erschüttert wurde. „Ich sah ein orangenes Flackern an einer Seite des Tunnels.“ Die U-Bahn sei auf den Kopf gestellt. „Alles ist voller Blut. Viele wurden am Kopf verletzt.“

„Bleiben Sie, wo Sie sind“

Auf den Straßen versucht die Polizei, Ordnung ins Chaos zu bringen. Sie errichtet Absperrungen, betreut die Verletzten, versucht, Unterstützung zu geben - der Frau aus dem Bus etwa, die verzweifelt nach einem Weg zu ihrem Stadtteil fragt. Viele wollen so schnell wie möglich ihre Angehörigen verständigen. Die Telefonnetze sind schnell überlastet. In den Geschäften türmen sich Menschen, die Festnetztelefone nutzen wollen.

Ein Polizeisprecher fordert die Menschen öffentlich auf, zu Hause zu bleiben: „Es ist unmöglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. U-Bahnen und Busse stehen still. Bleiben Sie, wo Sie sind.“ Für viele der morgendlichen Berufspendler kommt der Aufruf zu spät.

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