Am Donnerstag sind in Syrien nach Angaben der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 175 Menschen getötet worden. An keinem anderen Tag seit Beginn des Konflikts vor mehr als 15 Monaten seien so viele Personen getötet worden. Zu den Toten zählten 114 Zivilisten, 54 Soldaten der regulären Armee und sieben bewaffnete Rebellen. In Homs wurden demnach 32 Zivilisten getötet, im Damaszener Vorort Douma sollen es 30 Zivilisten gewesen sein. Die syrische Armee habe auch am Freitag ihre Angriffe in den Provinzen Daraa und Idlib fortgesetzt, meldete die Gruppe, die ihren Sitz in London hat. Demgegenüber berichteten die staatlichen Medien, dass in Dar Taizza nahe Aleppo 26 Anhänger des Regimes von Rebellen entführt und hingerichtet worden seien.
Mitarbeitern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist es nicht gelungen, sich in Homs Zugang zu besonders schwer betroffenen Stadtteilen zu verschaffen, um Zivilisten in Sicherheit zu bringen. Obwohl die reguläre Armee sowie die Rebellen den IKRK-Helfern eine vorübergehende Waffenruhe zugesichert hatten, wurden sie durch Schüsse behindert. Sie hätten die Herkunft der Schüsse nicht klären können, sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes. Die Mitarbeiter hätten daraufhin den Rückweg nach Damaskus angetreten.
Das UN-Büro für Nothilfekoordinierung (Ocha) hat am Freitag mitgeteilt, in Syrien seien 1,5 Millionen Personen auf Hilfe angewiesen, davon allein in Idlib 350.000 Menschen und in Homs 250.000. Im März hatte Ocha von einer Million hilfsbedürftiger Menschen gesprochen. Die syrische Regierung hatte am 8. Juni Hilfsorganisationen die Lieferung von Hilfsgütern im Wert von 143 Millionen Euro an Bedürftige erlaubt. Die Sicherheitslage erschwere den Helfern jedoch die Arbeit. Mitarbeiter des Welternährungsprogrammes haben im Juni Nahrungsmittel an 461.000 Syrer verteilt. Im Juli sollen es 850.000 Empfänger werden. Nach Angaben von Ocha flohen bereits 86.000 Syrer in Nachbarstaaten.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat unterdessen bestätigt, dass das Frachtschiff „Alaed“ mit drei „reparierten Kampfhubschraubern“ aus sowjetischer Produktion sowie Luftverteidigungswaffen an Bord auf dem Weg nach Syrien war. Diese Waffen könnten nicht gegen Demonstranten eingesetzt werden, sagte Lawrow. Russland erfülle lediglich im Jahr 2008 abgeschlossene Verträge und verstoße nicht gegen internationales Recht. Eine britische Versicherungsfirma hatte dem Frachter nach dem Bekanntwerden der Fracht den Versicherungsschutz entzogen.
Jordanien hat dem syrischen Luftwaffenpiloten Hassan al Hamade politisches Asyl gewährt. Das teilte der jordanische Informationsminister Samih Maayata nach einer Kabinettssitzung mit. Die syrischen Medien nannten den aus Deir al Zor stammenden Piloten einen „Verräter“ und forderten die Rückführung der MiG 21, mit der Hamade, der nahe Daraa gestartet war, am Donnerstag im jordanischen Luftwaffenstützpunkt Mafraq gelandet war.
eine seriöse Hintergrund-Analyse
Gabi Heintz (Kolma_Puschi)
- 22.06.2012, 14:41 Uhr
Viele Tote: Im Irak, in Afghanistan, in Libyen, im Suedsudan, in Syrien
Hans henseler (hajohenseler)
- 22.06.2012, 13:00 Uhr
