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Aufrüstung der Kriegsparteien : Waffen für die Freunde in Syrien

Das russische Außenministerium hat amerikanischen Darstellungen widersprochen, es liefere neue Kampfhubschrauber an Syrien Bild: dapd

Immer wirkungsvollere Waffen auf beiden Seiten: Die Parteien im syrischen Bürgerkrieg rüsten auf. Das Material liefern Russland, Qatar, Libyen und Saudi-Arabien.

          Je weiter der Bürgerkrieg in Syrien voranschreitet, desto wirkungsvollere Waffen setzen beide Seiten ein. Während das Regime in den vergangenen Wochen immer häufiger schwere Artillerie und russische Kampfhubschrauber einsetzte, um zu verhindern, dass die Rebellen große zusammenhängende Gebiete beherrschen, zeigt die steigende Zahl getöteter Soldaten und zerstörter Panzer, dass die Rebellen über bessere Waffen verfügen; zudem haben sie dank desertierter Soldaten und einer wachsenden Zahl von Kämpfern aus dem Ausland, darunter Dschihadisten, auch eine wachsende Kampferfahrung. Seit Ende Mai haben die Rebellen nach Schätzungen westlicher Militärfachleute mindestens zwei Dutzend syrische Panzer zerstört. Möglich war das vermutlich, weil sie in den Besitz von russischen Panzerabwehrraketen des Typs RPG7 aus den Beständen der regulären Armee gekommen sind, die Deserteure mitgenommen haben. Möglicherweise wurden sie über Libyen indes auch schon mit moderneren Panzerabwehrraketen versorgt.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Das russische Außenministerium hat vergangene Woche der amerikanischen Darstellungen widersprochen, es liefere neue Kampfhubschrauber an Syrien. Doch seien früher gelieferte Kampfhubschrauber „überholt“ worden. Eine Sprecherin des State Department erwiderte darauf, das mache keinen Unterschied, da sie zur Tötung von Zivilisten eingesetzt würden. Der erste Einsatz bekannte Einsatz russischer Kampfhubschrauber beim Beschuss von Zivilbevölkerung und Stellungen der Rebellen war am 22. März 2012. Die Rebellen haben mutmaßlich am 10. Juni erfolglos versucht, ein Depot der Armee zu erobern, in dem tragbare Boden-Luft-Raketen gelagert sind, um sich gegen die Beschießung aus der Luft zu verteidigen. Die russische Regierung hat die Lieferung von Buk-M2E Boden-Luft-Raketen an Syrien bestätigt. Diese können von den Truppen Präsident Assads zwar nicht gegen die Rebellen eingesetzt werden, da diese über keine Luftwaffe verfügen, aber sie würden eine internationale militärische Intervention in Syrien erschweren - oder sie könnten in die Hände der Rebellen fallen.

          Auch Amerika unterstützt die Aufständischen

          Die reguläre Armee setzt vor allem drei Einheiten ein, auf deren Loyalität sie sich verlassen kann: die Vierte Division, die Republikanische Garde und die 14. Sondereinheit, die über Jahre im Libanon stationiert war. Parallel dazu erledigen die regimetreuen Schabiha-Milizen in Operationen gegen die Hochburgen der Rebellen bei Angriffen gegen die Zivilbevölkerung für das Regime die Drecksarbeit. Ihnen stehen Rebellen gegenüber, die sich ebenfalls in Milizen organisieren, die den Schabiha ähneln. Die „Washington Post“ schätzt, dass es auf Seiten der Aufständischen etwa 60 Gruppen gibt, die jeweils eigene und unabhängig agierende Milizen haben. Diese sind aber immer besser organisiert und bewaffnet und haben immer mehr Kämpfer. Lokale Militärräte ersetzen spontane Organisationen, die Abstimmung mit dem Syrischen Nationalrat verbessert sich. Zudem ist eine neue „Front der Syrischen Rebellen“ aufgetaucht, die angibt, 12.000 Männer unter Waffen haben. Unklar ist, ob sie sich als Alternative zur „Freien Syrischen Armee“ sieht oder ob sie einen Zusammenschluss anstrebt.

          Waffenruhe für Waffenkäufe genutzt

          Unbestritten ist unter militärischen Beobachtern, dass die Rebellen die kurze Waffenruhe, die am 12. April aufgrund der Vermittlungsversuche des UN-Sonderbeauftragten Kofi Annan in Kraft getreten war, genutzt haben, um sich neu zu organisieren und mit Waffen zu versorgen. Seither sind nach Angaben der „Syrischen Beobachtungsstelle für die Menschenrechte“ mehr als 1000 Soldaten getötet worden. Die amerikanische Denkfabrik Stratfor schreibt, die Rebellen verfügten seither über Sturm- und Maschinengewehre, über Mörser und Gewehre für Heckenschützen sowie über Panzerabwehrraketen, die nach Syrien geschmuggelt worden seien. Während ursprünglich der wichtigste Weg des Waffenschmuggels von der libanesischen Hauptstadt Tripolis nach Homs führte, soll demnach nun ein Korridor aus der türkischen Provinz Hatay nach Idlib von größerer Bedeutung sein. In Hatay unterhält die „Freie Syrische Armee“ ihr Hauptquartier. Nach Ansicht westlicher Militärfachleute besitzen die Rebellen zumindest alle tragbaren Waffensysteme. Die Waffen kommen laut diesen Angaben vor allem aus Qatar und Saudi-Arabien.

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