11.02.2005 · In den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm haben die Europäer den Iranern angeblich angeboten, bei der Beschaffung eines Leichtwasserreaktors behilflich zu sein.
In den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm sind am Freitag neue Vorschläge beider Seiten bekanntgeworden. Die Europäer wollen den Iranern offenbar bei der Beschaffung eines Leichtwasserreaktors behilflich sein; dazu hätten sie die Entsendung eines Teams nach Iran vorgeschlagen, meldete die Agentur AFP aus Genf, wo am Freitag eine dritte Gesprächsrunde zwischen europäischen und iranischen Diplomaten zu Ende gehen sollte.
Von iranischer Seite wurde dagegen der Vorschlag ins Spiel gebracht, die umstrittenen Atomanlagen des Landes unter "verschärfte Inspektionen" zu stellen. In diesem Sinne äußerte sich Hussein Mussawian, einer der iranischen Hauptverhandlungsführer, im iranischen Fernsehen.
Einigung bis Mitte März?
Die Genfer Gespräche sind die dritten in einer Runde, mit dem der seit gut zwei Jahren schwelende Streit über das iranische Atomprogramm beigelegt werden soll. Mussawian äußerte sich am Freitag erfreut über ihren Verlauf. Das Verhalten der Europäer, die in der Sache von Deutschland, Frankreich und Großbritannien vertreten werden, habe sich „ein wenig“ verändert. Die Chance für eine Einigung sei „nicht klein“. Bis Mitte März könne eine Einigung gefunden werden.
Der frühere iranische Staatspräsident Rafsandschani sagte in Teheran allerdings, sollte bis zum 15. März keine Lösung vorliegen, dann werde Iran die Urananreicherung wiederaufnehmen. Rafsandschani gilt als einflußreiche Figur im iranischen Atomprogramm und als aussichtsreicher Kandidat bei der anstehenden Präsidentenwahl im Lande.
Nächste Verhandlungsrunde wahrscheinlich in Paris
Zu Beginn der dreitägigen Gespräche in Genf hatte die iranische Seite noch Unzufriedenheit über den Verlauf der Verhandlungen erkennen lassen und von den Europäern mehr wirtschaftliche Zugeständnisse gefordert. Es wird erwartet, daß die nächste Verhandlungsrunde im kommenden Monat stattfindet, womöglich in Paris.
Nach Einschätzung von Diplomaten dürfte der iranische Vorschlag nach stärkeren Kontrollen den Europäern kaum genügen, da sie Teheran dazu bringen wollen, auf die Urananreicherung ganz zu verzichten. Das Verfahren gilt als sensibel, da mit seiner Hilfe nicht nur Brennstoff für Kernkraftwerke sondern auch Sprengstoff für Atombomben hergestellt werden kann. Leichtwasserreaktoren sind dagegen kaum für militärische Zwecke nutzbar. Auch im Fall Nordkorea hatten die Vereinigten Staaten, Japan, Südkorea und Europa einst versucht, die militärische Nutzung der Atomenergie durch den Bau eines Leichtwasserreaktors zu verhindern.