22.10.2009 · Offiziell gibt sich die israelische Regierung kritisch gegenüber dem neuen Vermittlungsvorschlag der Atomenergiebehörde IAEA. Doch nun wurde bekannt, dass israelische und iranische Diplomaten schon im September in Kairo zusammenkamen - zum ersten Mal seit dreißig Jahren.
Von Hans-Christian Rößler, JerusalemWährend die israelische Regierung zurückhaltend auf den Entwurf eines Rahmenabkommens der Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) im Atomstreit mit Iran reagierte, wurde in Jerusalem bekannt, dass eine israelische Vertreterin den iranischen IAEA-Botschafter getroffen hatte.
Der stellvertretende Verteidigungsminister Matan Vilnai sagte, es zeige sich, wie wichtig internationaler Druck auf Teheran sei. Er müsse auch aufrecht erhalten bleiben, sollte Iran Entgegenkommen zeigen. Israel werde den IAEA-Entwurf, in dem es um die Belieferung Irans mit nuklearem Brennstoff für seinen Forschungsreaktor in Teheran geht, genau prüfen.
Keine Handshakes in Kairo
Der Brennstoff soll im Ausland aus Spaltmaterial hergestellt werden. Am Donnerstag meldete die Zeitung „Haaretz“, dass Ende September eine Vertreterin der israelischen Atomenergiekommission in Kairo mehrfach mit dem iranischen IAEA-Vertreter Ali Asghar Soltanieh zusammengekommen sei. Die israelische Atomenergiekommission bestätigte mittlerweile, dass sich Meirav Zafary-Odiz, die als Direktorin unter anderem für Rüstungskontrolle zuständig ist, dem Iraner während einer Konferenz der Internationalen Kommission für atomare Nichtverbreitung und Abrüstung (ICNND) im Four Seasons Hotel in der ägyptischen Hauptstadt begegnet sei. Es war die erste israelisch-iranische Zusammenkunft seit dem Ende des Schah-Regimes 1979.
An der Konferenz, die hinter verschlossenen Türen stattfand, nahmen auch Vertreter arabischer und europäischer Staaten sowie Amerikas teil. Laut dem Zeitungsbericht schüttelten die beiden nicht die Hand oder trafen sich außerhalb der Sitzungen. Während der Beratungen, in denen es auch um einen atomwaffenfreien Nahen Osten ging, stellten sie jedoch die Positionen ihrer Regierungen dar, ohne dass der andere den Raum verließ.
Soltanieh soll die israelische Vertreterin sogar direkt auf israelische Atomwaffen angesprochen haben, worauf sie angeblich nur mit einem Lächeln reagierte. Die ICNND hatte der australische Ministerpräsident Kevin Rudd gegründet. Dem erweiterten Vorstand gehört beratend auch der frühere israelische Außenminister Schlomo Ben-Ami an. Interessant ist, dass Ägypten keine Einwände gegen die Einreise der israelischen Vertreterin hatte. Seit Wochen mehren sich dort die Stimmen, die dazu aufrufen, Israel zu boykottieren und Treffen mit Israelis zu vermeiden.
Teheran dementiert
Iran dementierte am Donnerstag Berichte über das Treffen. „Die Berichte in dieser Sache sind reine Lügen und es hat kein Treffen in Kairo gegeben“, sagte der Sprecher der iranischen Atombehörde der Webseite des staatlichen Fernsehens.
Der iranische Sprecher Ali Shirzadian sagte, bei dem „Haaretz“- Bericht handele es sich um psychologische Kriegsführung. Ziel der „Operation“ sei es, die „erfolgreichen Nuklear- Gespräche in Genf und Wien zu untergraben“, sagte er.
Hans-Christian Rößler Jahrgang 1967, politischer Korrespondent für Israel und die Palästinensergebiete mit Sitz in Jerusalem.
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