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Atomstreit Baut Nordkorea neue Raketen?

Bisher war unklar, ob das kommunistische Nordkorea mit seiner Behauptung, Atombomben zu besitzen, nur bluffen wollte. Nun gibt es neue Spekulationen um Kurzstreckenraketen. Amerika will die Krise weiterhin diplomatisch lösen.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb Vergrößern Massenkundgebung in Pjöngjang

Nordkorea hat einem Zeitungsbericht zufolge eine Scud-Kurzstreckenrakete mit größerer Reichweite und verbesserter Zielgenauigkeit entwickelt.

Die Rakete könne Ziele in einer Entfernung von 1000 Kilometern und damit auch große Teile Japans erreichen, berichtete die südkoreanische Zeitung „Chosen Ilbo“ am Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise in Seoul. Die Entwicklung der neuen Rakete Scud-ER bedeute eine Verdopplung der Reichweite der älteren Scud-C-Rakete.

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Amerikanische Aufklärungssatelliten

Amerikanische Aufklärungssatelliten hätten auf die neuen Waffensysteme aufmerksam gemacht. Das südkoreanische Verteidigungsministerium bestätigte den Zeitungsbericht nicht. „Es wäre für niemanden ungewöhnlich, ein bestehendes Raketensystem auszubauen", sagte ein Sprecher des Ministeriums lediglich.

Nordkorea hatte in der vergangenen Woche erstmals offiziell erklärt, Atomwaffen zu besitzen. Zugleich zog sich das kommunistische Land aus den Atom-Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten, Rußland, China, Japan und Südkorea zurück. Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice hatte Nordkorea einen Vorposten der Tyrannei bezeichnet.

Bis nach Alaska?

Nordkorea hat bereits 1998 die ballistische Kurzstreckenrakete Rodong-1 getestet, die Ziele in Japan erreichen kann. Im gleichen Jahr hatte das Land eine Mittelstreckenrakete vom Typ Taepodong-1 mit einer Reichweite von 2500 Kilometern getestet und über Japan hinweg geschossen. Es wird vermutet, daß Nordkorea auch eine Taepodong-2-Rakete entwickelt, die mit einem normalen Sprengkopf Ziele in einer Entfernung von 6700 Kilometer und damit sogar Alaska erreichen könnte.

Nachdem zunächst Unklarheit darüber herrschte, ob Nordkorea mit seiner Behauptung, eine Atombombe zu besitzen, nur bluffte oder die Wahrheit sagte, ist der südkoreanische Geheimdienst nun der Ansicht, das kommunistische Nachbarland könne tatsächlich im Besitz der Atombombe sein, verfüge aber nicht über die für einen Einsatz nötige Technologie.

Geheimdienst: Unfähig zur Montage

Es sei wohl nicht in der Lage, seine Atomsprengköpfe auf Raketen zu montieren, hieß es in einem Bericht des Geheimdienstes an das Parlament, aus dem eine Nachrichtenagentur zitierte.

Der südkoreanische Geheimdienst wies die Behauptung des pakistanischen Nuklearwissenschaftlers Abdul Qadeer Khan zurück, der bei einem Besuch in Nordkorea eine mit einem Atomsprengkopf bestückte Rakete gesehen haben will. Der Geheimdienst schloß ferner aus, daß es Nordkorea gelang, Atombomben auf ein Gewicht von weniger als 500 Kilogramm zu reduzieren, um sie auf Raketen zu montieren.

Amerika will diplomatische Lösung

Amerika will nach den Worten seines Unterhändlers Christopher Hill den Atomstreit mit Nordkorea weiterhin auf friedlichem Wege beilegen. "Wir setzen uns sehr dafür ein, eine diplomatische Lösung zu finden", sagte Hill am Dienstag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. „Wir stehen zum Sechs-Parteien-Prozeß", fügte er hinzu. Hill ist Botschafter in Südkorea und seit Montag Vertreter seines Landes in diesen Gesprächen, an denen neben Nordkorea und Amerika auch Südkorea, China, Rußland und Japan teilnahmen.

Am Donnerstag hatte Nordkorea aber erklärt, es werde an den Sechs-Parteien-Gesprächen nicht mehr teilnehmen. „Die nordkoreanischen Bemerkungen sind sicherlich nicht hilfreich für den Prozeß", sagte Hill, „wir hoffen, daß sie die Weisheit haben werden, zu diesen Gesprächen zurückzukehren.“

„Illegale Geschäfte stoppen“

Das weitgehend isolierte Nordkorea hat schon mehrfach mit der atomaren Karte gepokert, um aus dem Streit über sein Atomprogramm diplomatische und wirtschaftliche Vorteile zu ziehen. Die Vereinigten Staaten werfen Nordkorea seit mehreren Jahren vor, illegal Plutonium anzureichern.

Amerika will darüber hinaus illegale Geschäfte Nordkoreas stoppen, die zur Finanzierung des Atomprogramms dienen. Das kündigte Außenamtssprecher Richard Boucher am Montag in Washington an. Boucher nannte in diesem Zusammenhang Drogengeschäfte, Schmuggel, Geldfälschung und Waffenverbreitung. Boucher stellte zugleich klar, daß die amerikanische Regierung Nordkorea mit keinerlei Zugeständnissen oder Anreizen an den Verhandlungstisch zur Beilegung des Atomstreits zurückholen wolle.

Die Nordkoreaner sollten für die Schwierigkeiten, die Sechs-Länder-Gespräche fortzusetzen, nicht noch belohnt werden, sagte er. Amerika bleibe fest entschlossen, daß diese Gespräche der Rahmen für die Beilegung aller Probleme seien. Darüber hinaus hätten die Amerika keinerlei Absicht, Nordkorea anzugreifen oder in das Land einzumarschieren.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP, AFP, dpa und Reuters

 
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