16.07.2008 · Eine Woche nach der Panne in der Atomkraftanlage Tricastin in Südfrankreich wurden bei Wasserproben in der Nähe ungewöhnlich hohe Uranwerte festgestellt. Nach Einschätzung des staatlichen Atominstituts geht dies aber nicht auf den letzten Störfall zurück. Die Ursache müsse weiter zurückliegen.
In der Nachbarschaft der Atomkraftanlage Tricastin in Südfrankreich ist die Wasserentnahme weiter verboten. Das staatliche „Institut für Strahlenschutz und Atomsicherheit“ (IRSN) hat bei Wasserproben ungewöhnlich hohe Uranwerte festgestellt. Privat oder von landwirtschaftlichen Betrieben genutzte Quellen wurden daraufhin außer Betrieb genommen. Zu zusätzlicher Beunruhigung der Anwohner hat der Hinweis des Atominstituts geführt, dass die Strahlenbelastung im Grundwasser womöglich nicht auf die Panne in der Uranaufbereitungsanlage Socatri zurückgeht.
In der Nacht zum 8. Juli war eine mit 74 Kilogramm Uranium verseuchte Uranlösung ausgelaufen und über die Kanalisation in die benachbarten Flussläufe gelangt. Der IRSN-Direktor Jean-Christophe Gariel sagte „Le Monde“, die Uranbelastung im Trinkwasser sei vermutlich auf einen länger zurückliegenden Störfall zurückzuführen. Die unabhänigige Wissenschaftlerkommission Criiad vermutet, dass eine nicht abgedeckte militärische Uranmüllhalde für die Trinkwasserverstrahlung verantwortlich sein könnte.
Auf dem Gelände der Socatri-Anlage war von 1964 bis 1996 hoch radioaktives Spaltmaterial für militärische Zwecke aufbereitet worden. Umweltschützer kritisierten seit langem, dass der staatliche Atomkonzern Areva nie seiner Verpflichtung nachgekommen ist, die Uranrestbestände sicher einzulagern. So gebe es eine „wilde Uranmüllhalde“. In einem Brief an Umweltminister Jean-Louis Borloo verlangte die Dachorganisation der Atomkraftgegner „Sortir du Nucléaire“ Trinkwasser- und Bodenproben in der Nähe aller französischen Atomkraftwerke. Es sei anzunehmen, dass früher Störfälle verheimlicht worden seien, um dem Ansehen der Atomkraft nicht zu schaden.