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Asylantrag in Russland Snowden bleibt vorerst auf dem Flughafen Scheremetjewo

„Whistleblower“ Edwar Snowden wird vorerst im Transitbereich des Moskauer Flughafen Scheremetjewo bleiben. Über seinen Asylantrag in Russland ist noch keine Entscheidung gefallen. Sein kremlnaher Anwalt Kutscherena verbreitet jedoch widersprüchliche Meldungen.

© REUTERS Vergrößern Edward Snowden

In den zuletzt etwas langatmigen Spionagethriller um den früheren amerikanischen Geheimdienstler Edward Snowden kommt wieder etwas Spannung - wenn auch mit teils kuriosen Zügen. Erst tönen russische Nachrichtenagenturen, nach einem Monat im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo habe der 30-Jährige seine Sachen gepackt. Er könne jeden Moment die Zone verlassen, um sich frei in Russland zu bewegen und hier auf seinen Flüchtlingsstatus zu warten. Quellen sind angeblich Sicherheitskreise und der kremlnahe russische Anwalt Anatoli Kutscherena.

Doch dann die Kehrtwende: Nein, die russische Migrationsbehörde habe noch kein Dokument ausgestellt, mit dem Snowden den Airport verlassen könne. Das sagt derselbe Kutscherena, der zuvor noch mitgeteilt hatte, er sei unterwegs zu Snowden, um ihm den Weg aus der Transitzone freizumachen. Aber im Gepäck hatte er für den gestrandeten Enthüller des amerikanischen Ausspähprogramms „Prism“ nur einen Karton mit Pizza, wie die Staatsagentur Itar-Tass meldete. Auch Bücher der russischen Klassiker Anton Tschechow und Fjodor Dostojewski, darunter dessen berühmtes Werk „Schuld und Sühne“, habe er Snowden in englischer Übersetzung überreicht, meinte der Jurist.

Und frische Hemden habe der von den Vereinigten Staaten wegen Geheimnisverrats Gesuchte bekommen, weil Snowden seit seiner Ankunft aus Hongkong am 23. Juni immer in jenem auf Fotos verewigten grauen Hemd zu sehen sei.

„Komplexer Fall“

Seit Tagen unterhält Kutscherena, eine zwielichtige Figur des russischen Establishments. die Medien mit eher heiteren Geschichten. Er berichtet von Heiratsanträgen junger Russinnen, Geldspenden und anderen Hilfsangeboten für den Amerikaner. Nur von Snowden selbst gibt es kein neues Lebenszeichen, seit er sich vor zwei Wochen mit Menschenrechtlern und Juristen auf dem Airport zeigte. Der Computerexperte gebe aus Gründen seiner eigenen Sicherheit kein Interview, erklärt nun Kutscherena, der immer wieder als Snowdens Sprecher auftritt.

Dass sein Mandant noch immer kein vorläufiges Dokument zum Verlassen des Flughafens habe, obwohl das russische Gesetz das vorsehe, begründet er im russischen Staatsfernsehen mit dem äußerst komplexen Fall.

Beobachter gehen seit Wochen davon aus, dass Russland hier auf Zeit spielt. Kremlchef Wladimir Putin hat mehr als einmal deutlich gemacht, dass er Snowden als Problem sieht. Und er warnte ihn wiederholt, den Vereinigten Staaten nicht mit neuen Enthüllungen zu schaden. Daran hält sich Snowden bisher auch.

Immerhin bereitet sich Putin nach Kremlangaben weiter auf ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama Anfang September zuerst in Moskau und dann beim G20-Gipfel in St. Petersburg vor. Beide haben erklärt, dass sie ihre ohnehin gespannten Beziehungen nicht noch weiter belasten lassen wollen - von einem einzelnen Mann. Allerdings schließen Experten nicht aus, dass Obama aus Ärger über die Lage seinen Besuch nur auf den G-20-Gipfel beschränken könnte.

Vor allem aber die Frage einer von Washington geforderten Auslieferung Snowdens beschäftigt weiter die Politik. Amerika hätte bisher auch niemals jemanden ausgeliefert, hatte Putin beklagt. Auch aktuelle Bitten Moskaus auf Auslieferung russischer Verbrecher würden systematisch ignoriert, schimpften das Außen- und das Innenministerium sowie die Generalstaatsanwaltschaft.

Dass Snowden keine Überstellung fürchten muss, hat ihm auch Putin zugesichert. Unterdessen mehren sich Stimmen in Moskau, nach denen Snowden womöglich doch nicht nach Lateinamerika weiterreisen will, wie er zunächst gesagt hatte. „Das endgültige Land seines Aufenthaltes aus heutiger Sicht für ihn ist Russland“, sagte Kutscherena. Auch eine russische Staatsbürgerschaft sei möglich. Snowden wolle sich auf jeden Fall mit der russischen Kultur befassen, wusste der Anwalt zu berichten. Sein Mandant spreche auch schon ein paar Worte Russisch, darunter „Priwet“ (Hallo!) und „Poka, Poka!“ (Tschüsschen).

Auszeichnung in Deutschland: „Whistleblower“-Preis 2013

Während Snowdens Enthüllungen von vielen Mitbürgern und Politikern seines Heimatlandes scharf kritisiert werden, bekommt er in Deutschland eine Auszeichnung dafür: Der Computerspezialist habe „als Insider die massenhafte und verdachtsunabhängige Ausforschung und Speicherung von Kommunikationsdaten durch westliche Geheimdienste öffentlich gemacht“ und sich damit den Whistleblower-Preis 2013 verdient, erklärte die Antikorruptions-Organisation Transparency International, die sich dieses Jahr erstmals an der Vergabe beteiligt.

Seit 1999 wird der mit 3000 Euro dotierte Preis alle zwei Jahre von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und der deutschen Sektion der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA) verliehen. Mit dem Whistleblower-Preis zeichnen die Organisatoren Menschen aus, „die im öffentlichen Interesse schwerwiegende Missstände und gefährliche Entwicklungen für Mensch und Gesellschaft, Demokratie, Frieden und Umwelt aufdecken“. In ihren Augen nahm Snowden mit der Weitergabe der Informationen angesichts drohender strafrechtlicher Folgen „schwerwiegende Nachteile für sich persönlich in Kauf“.

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Quelle: FAZ.NET mit dpa

 
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