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Thronnachfolge in Thailand : Die gefährliche Frage

Geburtstagsfeier für König Bhumibol Adulyadej vor dem Siriraj-Krankenhaus Bild: AP

Thailands alter König ist krank – aber über die Nachfolge darf nicht geredet werden. „Majestätsbeleidigung“ wird mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft und die amtierende Putschregierung nutzt diesen Paragraphen besonders ausgiebig.

          Die Anhänger waren schon seit dem Abend zuvor ausgeschwärmt. Sie hatten sich frühzeitig ihre Plätze entlang der geplanten Fahrtroute des Königpaars vom Siriraj-Krankenhaus in Bangkok zum Palast gesichert. Viele waren in Gelb gekleidet, der Farbe des Königs. Im Fernsehen liefen Bilder aus dem Leben des Monarchen, der am Freitag 87 Jahre alt geworden ist. Doch dann platzte kurzfristig die Nachricht herein, dass König Bhumibol Adulyadej und Königin Sirikit aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage seien, an der öffentlichen Audienz teilzunehmen. Viele enttäuschte Gratulanten begaben sich deshalb zu dem Krankenhaus, um Lieder für ihn zu singen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der König, der seit 1946 auf dem Thron sitzt und damit länger regiert als jeder andere Monarch der Welt, wird in Thailand verehrt wie ein Gott. Er verfügt über große Autorität. „Obwohl Thailand eigentlich eine konstitutionelle Monarchie ist wie die Niederlande und Großbritannien, übt der Palast in Thailand enorme politische Macht hinter den Kulissen aus und kontrolliert große Mengen an Land, Anteilen thailändischer Blue-Chip-Unternehmen und anderen Reichtum“, schreibt der Südostasien-Spezialist Joshua Kurlantzick in einem Aufsatz. Das Gesamtvermögen des Königshauses wird von Forbes auf mehr als 30 Milliarden Dollar geschätzt.

          Auch die inländische und ausländische Presse hält sich zurück

          Doch der König ist seit Jahren krank. Im Oktober musste ihm die Gallenblase entfernt werden, im November kämpfte er gegen eine Darmentzündung. Seine Ärzte versicherten am Freitag jedoch, dass sich der König nicht in einem kritischen Zustand befinde. Schließlich ist sein Gesundheitszustand für viele Anlass zur Sorge. Schon weil sie ihm eine einigende Wirkung in dem politisch gespaltenen Königreich nachsagen. Außerdem stellt sich die Frage der Nachfolge immer dringender. Der designierte Thronfolger, der 62 Jahre alte Kronprinz Maha Vajiralongkorn, wird nicht so innig geliebt wie der amtierende Monarch. Dem Prinzen, der schon dreimal verheiratet war, wurde früher ein unsteter Lebenswandel nachgesagt. Manche wünschen sich daher lieber die populäre Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn, das dritte Kind des Königspaares, auf dem Thron.

          Allerdings kann über diese Fragen in Thailand wegen der drakonischen Strafen für „Majestätsbeleidigung“ nicht offen diskutiert werden. Sie wird laut Artikel 112 des Strafgesetzbuchs mit drei bis 15 Jahren Haft bestraft. Die seit Mai amtierende Putschregierung nutzt diesen Paragraphen besonders ausgiebig. Nach Angaben der Organisation Human Rights Watch laufen gegenwärtig mindestens 14 derartige Verfahren. Auch die inländische und ausländische Presse berichtet deshalb nur sehr zurückhaltend. Dabei hat die Nachfolgefrage auch nach Ansicht vieler Journalisten einen Anteil an der politischen Krise, neben den sozialen Gräben zwischen der Elite in Bangkok und im Süden und der ländlichen Bevölkerung im Norden und Nordosten.

          Chef des „Zentralen Ermittlungsbüros“ wird der Untreue bezichtigt

          Zu denjenigen, die das Problem dennoch offen ansprechen, gehört der ehemalige Reuters-Journalist Andrew MacGregor Marshall. Er kann sich deshalb heute nicht mehr nach Thailand wagen. Auch sein neuestes Buch „A Kingdom in Crisis“ ist dort gleich nach Erscheinen verboten worden. Darin bezeichnet er die Nachfolgefrage als eigentlichen Grund für die politische Lage in Thailand. Und auch andere Beobachter teilen diese Meinung. Ernest Bower vom Thinktank CSIS in Washington sieht sie als Ursache der Demonstrationen gegen die abgesetzte Regierung von Yingluck Shinawatra und für den Militärputsch am 22. Mai. Die Elite fürchtet vor allem die Einmischung des im Exil lebenden früheren Regierungschefs Thaksin Shinawatra, dessen Parteien in den vergangenen Jahren jede Wahl gewonnen haben. In ihren Augen ist er eine Gefahr für die traditionelle Ordnung und die Monarchie.

          Fraglos wird das Ableben des Königs das Land erschüttern. Im besten Fall wird es in eine lange Zeit der Trauer stürzen, im schlechtesten wächst die Gefahr von Unruhen bis zum Bürgerkrieg. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass es zu einer Übereinkunft kommt oder schon gekommen ist. Manche wollen in den vergangenen Wochen nun genau darauf Hinweise gesehen haben. So geht die vom Militär eingerichtete Regierung derzeit gegen eine Gruppe hoher Polizeibeamter vor. Der Chef des „Zentralen Ermittlungsbüros“, Pongpat Chayapan, und mehr als ein Dutzend seiner Verbündeten werden der Veruntreuung bezichtigt. Ihnen wird vorgeworfen, sich an illegalen Spielhöllen und Ölschmuggel beteiligt zu haben.

          Sucht der Kronprinz eine Annäherung mit dem Militär?

          Anfänglich wurde die Säuberungsaktion noch als Versuch des Militärs gesehen, den Einfluss Thaksin Shinawatras auf die Polizei zu verringern. Doch dann wurde bekannt, dass einige der Verhafteten Angehörige der gegenwärtigen Ehefrau des thailändischen Kronprinzen sind. Prinzessin Srirasmi ist die dritte Ehefrau des Königssohns. Mit ihr hat er einen neun Jahre alten Sohn, der eigentlich als späterer möglicher Thronfolger galt. Dass sie in Ungnade gefallen ist, wurde spätestens klar, als ihrer Familie nun der vom Königshaus verliehene Ehrenname Akraphongpreecha offiziell aberkannt wurde.

          Den Gerüchten nach soll der Weg für eine andere Frau und möglichen Nachwuchs frei gemacht werden. Wie es heißt, versucht der Kronprinz, vor einer möglichen Thronbesteigung Ordnung zu schaffen. Laut Joshua Kurlantzick und anderen könnte dies auch bedeuten, dass sich der Kronprinz von Thaksin distanziert und mit der Regierung der früheren Militärs und den traditionellen Royalisten arrangiert hat. „In den vergangenen Monaten hat er eine Annäherung mit dem Militär gesucht“, schreibt auch der Thailand-Kenner Pavin Chachavalpongpun in einem Kommentar für die „South China Morning Post“.

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