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Wahl in Pakistan Wechsel ohne Wandel

 ·  Nawaz Sharif hat sich zum Sieger der Wahl in Pakistan erklärt. Die Regierungspartei ist abgestraft worden. Die Wahlbeteiligung ist trotz der Terrordrohungen hoch.

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© dpa Vergrößern Anhänger des zweitplazierten ehemaligen Kricketspielers Imran Khan feiern auf den Straßen

Die Stimmen sind noch nicht komplett ausgezählt, da tritt Nawaz Sharif schon vor seine Anhänger und erklärt sich selbst zum Sieger der Wahl. Tausende feiern in der Nacht zum Sonntag in den Straßen Lahores. Auch in der Hauptstadt Islamabad jubeln die Anhänger von Sharif und seiner Muslimliga PML-N, schwenken ihre Grüne Fahne mit dem goldenen Tiger. „Wir mussten lange warten, doch endlich haben wir es geschafft“, ruft einer, der auf seinem roten Motorrad die Jinnah Avenue entlangrast.

Zweimal war Nawaz Sharif schon pakistanischer Ministerpräsident, ehe ihn Pervez Musharraf 1999 ins Exil nach Saudi-Arabien zwang. Ende 2007 kehrte Sharif nach Pakistan und in die Politik zurück, fünf Jahre lang war er in der Opposition. Auf dem zweiten Platz landete die Partei Tehreek-e-Insaf (PTI) von Imran Khan. Der ehemalige Cricketspieler sagte in einer Videobotschaft am Sonntag: „Es gibt Siege und Niederlagen. Aber der Schmerz dieser Niederlage war vollständig weg, als ich den Enthusiasmus der Jugend sah.“

Imran Khan hat Pakistans Politik aufgemischt

Die bisher regierende Volkspartei PPP von Präsident Asif Ali Zardari wurde von den Wählern hingegen abgestraft und landete lediglich auf dem dritten Platz. Zu dem schlechten Abschneiden wollte sich zunächst niemand äußern. Fünf Jahre hatte die Partei das Land in einer Koalitionsregierung geführt. Nun machen viele Pakistaner die PPP für die gravierenden Probleme des Landes verantwortlich. Neben dem Terror der Taliban und den amerikanischen Drohnenangriffen sind das mangelnde Stromversorgung und fehlendes Gas zum Kochen, hohe Arbeitslosigkeit, Korruption und Vetternwirtschaft. Das Grundwasser des Landes ist verschmutzt, die Wirtschaft liegt am Boden, die Inflation steigt bedenklich. „Wir brauchen einen Mann, der sich auskennt. Und das ist Nawaz Sharif. Er wird uns da herausführen“, verkünden seine Anhänger.

Die Stimmung von Alveena Riffat hingegen ist gedrückt. Am Wahlabend war sie noch siegessicher durch die Straßen Islamabads gelaufen, hatte immer wieder die typische Bewegung eines Kricketspielers nachgeahmt - ein eindeutiger Hinweis auf ihre Wahl: Sie hat für die PTI von Imran Khan gestimmt. Der hatte für den Wandel und ein neues Pakistan geworben. Dafür hatte er den alteingesessenen Clans den Kampf angesagt: Der Familie Bhutto von der Präsidentenpartei PPP, und den Sharifs der PML-N. Khans Partei ist zwar nur auf Platz zwei gelandet, doch er hat Pakistans Politik aufgemischt. Vor allem junge Pakistaner wie Alveena haben am Samstag PTI gewählt. Knapp ein Drittel der Pakistaner ist jünger als dreißig Jahre, bei dieser Gruppe konnte Imran Khan punkten. Etliche Nichtwähler sind wegen Khan zur Wahl gegangen, wie auch Alveena.

Wähler klagten über Einschüchterungsversuche

„Ja, es war meine erste Wahl, „sagt die 25 Jahre alte Pakistanerin. Sicherlich habe sie auch Angst gehabt, ihr Vater habe sie gar davor gewarnt, ins Wahllokal zu gehen. Dort würde sie getötet. „Aber ich bin dann trotzdem gegangen. Ich wollte meine Stimme abgeben. Sonst ändert sich nie etwas.“ Es sei ein besonderer Tag gewesen - für sie und Pakistan. Das erste Mal seit der Unabhängigkeit 1947 hat eine zivile Regierung eine gesamte Legislaturperiode überstanden und die Macht an demokratisch gewählte Nachfolger übergeben. Die Taliban hatten mit Angriffen gedroht. In vielen Landesteilen kam es am Wahltag zu Anschlägen. Mindestens 29 Menschen wurden getötet, mehr als weitere 100 verletzt. Doch wie Alveena stellten sich viele Pakistaner trotz des Terrors geduldig in die Reihe der Wartenden. Die nationale Wahlkommission gibt die Wahlbeteiligung mit knapp 60 Prozent an. Es ist der höchste Wert seit vielen Jahren, 2008 lag er bei nur 43,7 Prozent, der Durchschnitt seit 1947 liegt bei 45,3 Prozent.

Ein Umstand, der auch Michael Gahlert freut, den deutschen Chef der EU-Wahlbeobachterkommission, der den Wahlverlauf in Islamabad kontrollierte. Wie wichtig seine Arbeit war, zeigen Meldungen aus Teilen des Landes: Vor allem in Karachi sei die Wahl nicht frei und fair verlaufen, befand die nationale Wahlkommission. Viele Wähler klagten über Einschüchterungsversuche. Das Fernsehen zeigte Politiker, die versuchten, mehrere Stimmzettel in die Urnen zu stecken. In einigen Dörfern wie Miranshah im Norden Waziristans wurden Frauen daran gehindert, wählen zu gehen. Andernorts wurde die Abstimmung verzögert, mal weil Wahlhelfer nicht wussten, wie sie die Wähler korrekt in den Listen abhaken sollten, mal weil die nötigen Unterlagen fehlten. In einigen Wahllokalen gab es sogar weniger Stimmzettel als registrierte Wähler.

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