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Verschollenes Flugzeug Erschöpft, verärgert, verunsichert

Seit Tagen harren Angehörige in einem Hotelsaal in Peking aus. Sie sind verärgert, erschöpft und verunsichert. Noch immer ist das Flugzeug nicht gefunden, noch immer weiß man nicht, was passiert ist.

© AFP Vergrößern Gute Wünsche für die Passagiere und Angehörigen des verschollenen Flugzeugs auf Täfelchen in Kuala Lumpur

Im Ballsaal des Hotels Metropark ist die Luft geschwängert von Rauch und Stress. Die Stimmung ist gedrückt, es wird leise geredet. Eine Gruppe von freiwilligen Helfern der buddhistischen Tzu-Chi-Organisation steht bereit, um Trost zu spenden. Gelegentlich verlassen müde Menschen den fensterlosen Saal, um frische Luft zu schnappen oder essen zu gehen. Manche stützen ältere Verwandte, die sichtlich geschwächt sind. Hotelangestellte bringen Wasserflaschen. Mehr als 300 Angehörige und Freunde von Passagieren des vermissten malaysischen Flugzeugs warten in dem Hotel im Norden von Peking seit nunmehr sechs Tagen auf Nachrichten. 150 der Passagiere waren Chinesen.

Am Mittwoch kam erstmals der Botschafter von Malaysia in China in das Hotel, um den Angehörigen Rede und Antwort zu stehen. Aber auch er hatte nicht viel mehr zu sagen als die Repräsentanten der Fluggesellschaft, die sich in den Tagen zuvor mit den Angehörigen getroffen hatten. Der letzte Funkspruch aus dem Cockpit der verschwundenen Maschine sei gewesen „Alles in Ordnung, bis dann“. Auf die Frage, ob das malaysische Militär mehr Informationen hatte, wie am Vortag immer wieder angeklungen war, sagte der Botschafter, dass er dazu nichts sagen könne. Die Angehörigen fragten auch, wie zu erklären sei, dass einige Mobiltelefone der Passagiere offenbar noch eine Zeitlang nach dem Verschwinden des Flugzeugs funktionierten. Der Botschafter sagte, man arbeite an der Klärung der Frage. Der malaysische Botschafter versprach prompte und zuverlässige Information.

Die Nerven liegen blank

Die Angehörigen sind verärgert, erschöpft und verunsichert. Noch immer ist das Flugzeug nicht gefunden, noch immer weiß man nicht, was passiert ist. Die Nerven liegen blank. Nach fünf Tagen im Hotelsaal fühlen sich die Angehörigen schlecht informiert und schlecht behandelt. In den ersten Tagen ging es chaotisch zu in dem Hotel, es gab zu wenig Platz und nicht genug Versorgung für die Angehörigen, die gleich am Samstag vom Flughafen in das 25 Kilometer entfernt liegende Hotel gebracht worden waren.

Nach wütenden Protesten am Sonntag besserte sich ihre Lage. Zwei Gruppen der Angehörigen, mehr als hundert Personen, sind mittlerweile nach Kuala Lumpur geflogen, um dort auf Nachrichten zu warten. Die malaysische Fluggesellschaft hat den Angehörigen jetzt erst einmal ein „Trostgeld“ von 5000 Dollar für ihre Ausgaben in Aussicht gestellt. Doch die Informationen bleiben weiter aus. Die Angehörigen kritisierten auch die chinesische Regierung, die nach ihrer Meinung mehr tun müsste.

Strenge Zensuranweisungen

Chinas Ministerpräsident Li Keqiang telefonierte am Mittwoch mit der Crew eines der acht an der Suche beteiligten chinesischen Schiffe und sagte, die Hoffnung dürfe nicht aufgegeben werden. Das chinesische Staatsfernsehen berichtet in großer Aufmachung über die Suche. Die anderen chinesischen Medien sind von der Zensur angewiesen, keine eigenen Recherchen zu betreiben oder eigene Kommentare über das vermisste Flugzeug zu schreiben, berichtet das Internetportal „China Digital Times“ unter Berufung auf eine Anweisung des chinesischen Propagandaministeriums. Es sollten keine negativen Gefühle angestachelt werden, hieß es.

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Quelle: F.A.Z.

 
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