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Usbekischer Präsident : Karimow ist tot

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Islam Karimow Bild: dpa

Seit Tagen kursierten Gerüchte über den Gesundheitszustand von Usbekistans Präsident. Nun bestätigt das Staatsfernsehen den Tod von Islam Karimow. Der Kampf um die Nachfolge des autoritären Herrschers läuft.

          Der langjährige usbekische Präsident Islam Karimow ist tot. Nach Angaben des Staatsfernsehens von Freitagabend erlag er den Folgen eines Schlaganfalls. In den vergangenen Tagen hatten bereits Berichte über das Ableben des Präsidenten die Runde gemacht, der Usbekistan schon seit 1989 mit harter Hand regiert. Seine Tochter hatte dies am Montag dementiert und mitgeteilt, dass sich ihr Vater nach Gehirnblutungen seit Samstagmorgen im Krankenhaus auf der Intensivstation befinde.

          Bauarbeiten auf Friedhof

          Regierungschef Schawkat Mirsijajew sei beauftragt worden, die Beisetzung an diesem Samstag in Karimows Heimatstadt Samarkand zu organisieren, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung Regierung und Parlament. Beobachter sehen dies auch als möglichen Hinweis in der Nachfolgerfrage.

          In Moskau sprach Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow der Familie sein Beileid aus. Karimow sei ein talentierter Politiker mit starkem Charakter gewesen, sagte der russische Friedensnobelpreisträger der Agentur Interfax zufolge.

          Im Staatsfernsehen wurden anstelle von Unterhaltungsprogrammen Beiträge über Geschichte, Kultur und Errungenschaften des Landes in 25 Jahren Unabhängigkeit gezeigt. Noch am Mittwoch war im Namen Karimows, der 1989 die Macht in der damaligen Usbekischen Sowjetrepublik übernommen hatte, eine Erklärung zum Unabhängigkeitstag veröffentlicht worden.

          Familie Karimow zerstritten

          Laut Verfassung muss nach dem Tod des Machthabers Senatspräsident Nigmatulla Juldaschew an die Stelle des Staatschefs treten. Als wahrscheinlicher gilt allerdings, dass sich Ministerpräsident Schawkat Mirsijojew oder sein Stellvertreter Rustam Asimow durchsetzen. Zum Kreis der möglichen Konkurrenten zählt auch Sicherheitschef Rustam Inojatow. Der 72-jährige ist bereits seit 1995 als Sicherheitschef im Amt. Er trägt einen wesentlichen Anteil am Klima der Repression, das Karimows Herrschaft prägte. Dazu zählen Folter von Oppositionellen und Zwangsarbeit in der Baumwollindustrie. Inojatow soll auch für die gewaltsame Niederschlagung von Demonstrationen in Andischan im Osten des Landes im Jahr 2005 mitverantwortlich sein. Laut einem Bericht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wurden damals zwischen 300 und 500 Demonstranten getötet.

          Der am 30. Januar 1938 geborene Karimow wurde in einem Waisenhaus in der Stadt Samarkand groß. Nach Ingenieursstudien rückte er in der Kommunistischen Partei 1989 an die Spitze der damaligen Sowjetrepublik Usbekistan auf. Nach der Unabhängigkeit 1991 wurde er zum Staatschef gewählt - und zuletzt wurde er im März 2015 mit mehr als 90 Prozent für ein weiteres fünfjähriges Mandat im Amt bestätigt.

          Im Jahr 2013 drang ein heftiger Streit in der Familie Karimow an die Öffentlichkeit. Karimows Tochter Gulnara, die einst als eine mögliche Nachfolgerin betrachtet wurde, warf ihrer jüngeren Schwester und ihrer Mutter Hexerei vor, bezichtigte Sicherheitschef Inojatow der Korruption und verglich ihren Vater mit Sowjetführer Josef Stalin. Gulnara Karimowa steht seit 2014 unter Hausarrest.

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