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Bombe beim Osterfest gezündet : Taliban bekennen sich zu Massaker an Christen

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Verwandte der Bombenopfer von Lahore weinen am Sonntag vor einem Hospital. Bild: dpa

Im pakistanischen Lahore hat es nach einer Explosion zahlreiche Opfer gegeben. Der Täter sprengte sich auf einem Spielplatz inmitten zahlreicher Frauen und Kinder in die Luft. Ziel des Anschlags seien Christen gewesen.

          Bei einem Selbstmordanschlag in einem Park der nordpakistanischen Millionenstadt Lahore sind mindestens 65 Menschen getötet und mehr als 280 verletzt worden. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder, teilten die Behörden am Sonntag mit. Der Attentäter zündete seine Bombe in der Nähe eines Spielplatzes. Der Park war einem ranghohen Behördenvertreter zufolge voll mit christlichen Familien, die Ostern gefeiert hatten. Die Rettungsarbeiten dauerten an, hieß es.

          Der Taliban-Ableger Jamaat-ul-Ahrar erklärte kurz nach der Tat, Ziel des Anschlags seien Christen gewesen. An Ministerpräsident Nawaz Sharif gehe die Botschaft, dass man in Lahore Fuß gefasst habe. „Er kann machen was er will, aber er wird uns nicht stoppen können. Unsere Selbstmord-Attentäter werden solche Anschläge wiederholen.“

          Pakistan leidet seit langem unter Extremisten der Taliban, kriminellen Banden und Spannungen zwischen unterschiedlichen Religionsströmungen. In Punjab, der politischen Hochburg von Sharif, ist es üblicherweise aber friedlicher als in anderen Teilen des Landes. Im überwiegend muslimischen Pakistan kommt es immer wieder zu Angriffen von Extremisten auf Christen und andere religiöse Minderheiten.

          Ein Vertreter des Jinnah-Krankenhauses sagte der Nachrichtenagentur AFP, mehr als 40 Tote seien in das Krankenhaus gebracht worden. Zahlreiche Verletzte befänden sich in einem ernsten Zustand. Er rechne daher damit, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen werde. Der Mediziner schilderte, dass in dem Krankenhaus wegen der hohen Verletztenzahl die Menschen sogar in den Fluren und auf dem Fußboden behandelt werden mussten.

          Der 35-jährige Javed Ali sagte, die Explosion habe in seinem Wohnhaus gegenüber des Parks die Fensterscheiben zerstört- „Alles wackelte, es gab Schreie und Staub überall.“ Der Park sei überfüllt gewesen, weil sich dort wegen des Osterfestes viele Christen versammelt hätten. Die Regionalregierung von Punjab ordnete nach dem Anschlag die Schließung aller öffentlichen Parks an.

          Zwei pakistanische Frauen nach dem Anschlag am Ostersonntag in Lahore, wo ein Selbstmordattentäter Dutzende Menschen mit sich in den Tod riss. Bilderstrecke

          Die amerikanische Regierung verurteilte den Anschlag als „feige“ und „entsetzliche“ Tat. Amerika stünde an der Seite des pakistanischen Volkes und der Regierung, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Ned Price, am Sonntag. „Wir werden weiterhin mit unseren Partnern in Pakistan und der Region in dem unerschütterlichen Bemühen zusammenarbeiten, die Geißel des Terrorismus auszurotten.“

          Auch die Bundesregierung verurteilte den Terroranschlag scharf. „Dieser abscheuliche Anschlag gegen Familien in einem belebten Park zeigt, dass sich Terrorismus in seinem mörderischen Wahn gegen alle Menschen gleichermaßen richtet - gleich ob Mann oder Frau, jung oder alt, gleich welchen Glaubens und welcher Hautfarbe“, erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Sonntagabend in Berlin.

          „Dieses Verbrechen kann uns nur darin bestärken, weiter gemeinsam mit allen Mitteln des Rechtsstaats gegen die Hintermänner des Terrors und gegen die menschenverachtende Ideologie, der er folgt, vorzugehen.“

          Ein feiger Akt „fanatischer Gewalt“

          Der Vatikan hat den blutigen Bombenanschlag gegen Christen in Pakistan als feigen Akt „fanatischer Gewalt“ verurteilt. Das schreckliche Massaker mit Dutzenden von Toten werfe einen Schatten der Trauer auf das Osterfest, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Sonntagabend. Wieder einmal habe mörderischer, niederträchtiger Hass gegen schutzlose Menschen gewütet.

          „Gemeinsam mit dem Papst beten wir für die Opfer“, so Lombardi. Die Kirche sei der abermals attackierten christlichen Minderheit, den betroffenen Familien und dem ganzen pakistanischen Volk nahe. Der auferstandene Christus möge Mut und Hoffnung geben, so der Vatikansprecher, um Wege des Dialogs, der Gerechtigkeit und der Versöhnung zu finden.

          Lahore in der Provinz Punjab ist mit gut sieben Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Pakistans und liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Indien entfernt.

          In der pakistanischen Hauptstadt gab es derweil Zusammenstöße zwischen der Polizei und tausenden Unterstützern eines Islamisten, der Ende Februar wegen des Mordes an einem Provinzgouverneur hingerichtet worden war. Die Anhänger von Mumtaz Qadri  bewarfen die Polizeibeamten mit Steinen. Zur Beruhigung der Lage wurden Armeepatrouillen eingesetzt, wie ein Armeesprecher am Sonntagabend über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.

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