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Unter Lebensgefahr : Soldat flieht aus Nordkorea

  • -Aktualisiert am

Ein südkoreanischer Wachturm an der Grenze zu Nordkorea. Bild: dpa

Ein nordkoreanischer Soldat ist über die schwer bewachte Grenze nach Südkorea geflohen. Dass eine solche Flucht gelingt, ist extrem selten, erst recht von Soldaten.

          Nordkorea hat in den vergangenen Wochen die Patrouillen an der innerkoreanischen Grenze verstärkt und neue Landminen an den Sperranlagen verlegt. Die zusätzlichen  Sicherheitsmaßnahmen sollen Nordkoreaner davon abhalten, über die ohnehin schon schwer befestigte und gut bewachte Grenze nach Südkorea zu fliehen. Am Montag hat es dennoch ein nordkoreanischer Soldat geschafft. Er überwand den Grenzzaun und meldete sich bei einem südkoreanischen Posten auf der anderen Seite. Der 19 Jahre alte Soldat gab an, dass er überlaufen wolle, weil er in den nordkoreanischen Streitkräften mehrfach bestraft worden und mit der Lage in Nordkorea unzufrieden sei, sagte ein südkoreanischer Militärsprecher der  Nachrichtenagentur Yonhap. Offenbar blieb die Flucht des Soldaten in  Nordkorea zunächst unbemerkt, denn es wurden an der Grenze keine weiteren ungewöhnlichen Bewegungen registriert. Der Soldat wird jetzt in Südkorea vernommen.

          Es ist ungewöhnlich, dass Nordkoreaner über die innerkoreanische Grenze nach Südkorea fliehen, die fast durchgängig mit einem hohen Zaun und Stacheldraht gesichert ist. Die meisten Nordkoreaner fliehen über die nördliche, 1400 km lange Grenze nach China. Das Gebiet an der südlichen, innerkoreanischen Grenze ist militärisches Sperrgebiet, und nur Soldaten und wenige, ausgewählte Zivilisten können überhaupt in die Nähe der Grenze gelangen.

          Flucht immer schwieriger

          Zuletzt war im Jahr 2012 ein nordkoreanischer Soldat über die innerkoreanische Grenze geflohen. Die Flucht aus dem abgewirtschafteten und diktatorisch regierten Nordkorea ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Nachdem sich nach einer großen Hungersnot in Nordkorea in den neunziger Jahren ein Strom von Flüchtlingen über die grüne Grenze nach China ergossen hatte und China die Flüchtlinge eine Zeit lang duldete, ist die Grenze inzwischen sowohl auf der nordkoreanischen als auch auf der chinesischen Seite weiter befestigt worden.

          China schickt Flüchtlinge seitdem zurück, obwohl den Nordkoreanern, die nach der Flucht aufgegriffen wurden, schwere Strafen drohen, etwa jahrelange Lagerhaft. Auch die in Nordkorea verbleibenden Angehörigen erfolgreicher Flüchtlinge haben mit drastischen Strafen zu rechnen. Im vergangenen Jahr kamen nur noch 1396 Flüchtlinge aus Nordkorea in Südkorea an, 2011 waren es noch 2706 gewesen.

          Fluchthelfer in China schmuggeln die Nordkoreaner über eine sogenannte „Untergrundbahn“ nach Südostasien, wo sie sich dann in südkoreanischen Vertretungen melden können. Obwohl die Angehörigen der Streitkräfte nach der nordkoreanischen Politik des „Militär zuerst“ besser versorgt werden als die Zivilbevölkerung, herrscht nach Berichten aus Südkorea auch im nordkoreanischen Militär großer Mangel. Zu Beginn des Jahres hatte ein entflohener nordkoreanischer Soldat auf der chinesischen Seite der Grenze Wohnhäuser überfallen und beraubt und vier chinesische Dorfbewohner getötet.

          In den letzten Jahren hat es mehrere solcher Zwischenfälle gegeben, die aber von China regelmäßig heruntergespielt werden. Nach Berichten des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) wird in  diesem Jahr wegen einer anhaltenden Dürre in Nordkorea eine besonders schlechte Ernte erwartet. Die ohnehin schon ungenügende  Nahrungsmittelproduktion könnte nach Schätzungen des WFP um weitere 20 Prozent zurückgehen. Das Welternährungsprogramm  warnt, es könnte dann zu einer neuen Hungersnot in Nordkorea kommen.

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