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Atomare Sprengköpfe : Seoul: Nordkorea wird zur Bedrohung für Amerika

Staatschef Kim Jong-un während einiger Raketentests. Das südkoreanische Verteidigungsministerium geht davon aus, dass Nordkorea auf seinem Weg zur Atommacht einen großen Schritt vorangekommen ist. Bild: dpa

Südkorea geht davon aus, dass Nordkorea auf dem Weg zur Atommacht einen großen Schritt vorangekommen ist. Die Fähigkeit zur Bestückung von Raketen mit atomaren Sprengköpfen sei auf einem „signifikantem Stand“, heißt es in einem neuen Bericht.

          Das südkoreanische Verteidigungsministerium geht davon aus, dass Nordkorea auf seinem Weg zur Atommacht einen großen Schritt vorangekommen ist. Die Fähigkeit der nordkoreanischen Streitkräfte, kleinere atomare Gefechtsköpfe auf seinen Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen zu montieren, habe einen „signifikanten Stand“ erreicht, heißt es im neuen Weißbuch des Ministeriums, das am Dienstag in Seoul vorgestellt wurde. Mit seinen Langstreckenraketen werde Nordkorea damit auch zu einer militärischen Bedrohung für die Vereinigten Staaten. Das Weißbuch erscheint alle zwei Jahre. In der jüngsten Version für 2014 sprechen die Militärexperten aus dem Süden des Landes dabei erstmals von der Fähigkeit Nordkoreas, Atomsprengköpfe auf seine Raketen montieren zu können.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die kommunistische Führung in Pjöngjang hat bislang drei Mal Atomwaffen getestet – 2006, 2009 und 2013. Ein Mitarbeiter des südkoreanischen Verteidigungsministeriums sagte, Südkorea und die Vereinigten Staaten bewerteten die technische Fähigkeit des nordkoreanischen Militärs, Atomsprengköpfe so stark zu verkleinern, dass sie auf die Raketen montiert werden könnten, als „beachtlich“. Dennoch wird im Weißbuch ausdrücklich nicht die Formulierung verwandt, Nordkorea sei bereits eine Atommacht. „Wir sehen den Norden weder politisch noch technisch als Atommacht“, hieß es erläuternd in Seoul. Das Verteidigungsministerium geht wie in seinem Weißbuch von vor zwei Jahren davon aus, dass der Norden derzeit rund 40 Kilogramm Plutonium lagert. Zum Bau einer Atombombe würden rund 6 Kilogramm benötigt.

          Nordkorea : Kim Jong-un bereit zu Gesprächen mit Südkorea

          Vor allem die Luftwaffe ist ausgebaut worden

          Dem Weißbuch zufolge hat Pjöngjang seine Streitkräfte seit 2012 leicht von 1,19 Millionen Soldaten auf 1,2 Millionen Soldaten vergrößert. Dabei sei vor allem die Luftwaffe ausgebaut worden. Südkorea verfügte 2014 über 639000 Soldaten. Die südkoreanischen Streitkräfte gehören allerdings zu den am modernsten ausgerüsteten Armeen der Welt und sind den Streitkräften des Nordens technisch weit überlegen. Beachtung im Weißbuch fand auch, dass Nordkorea auf Weisung des Staats- und Parteichefs Kim Jong-un an der Grenze zu China im Nordwesten ein neues Armeekorps aufgebaut hat. Zudem hätten die nordkoreanischen Streitkräfte Armeeposten entlang der demilitarisierten Zone an der De-facto-Grenze zum Süden errichtet und damit ihre „Fähigkeiten zur Infiltration“ des Südens durch Spezialeinheiten im Falle eines Krieges ausgebaut, heißt es in dem Weißbuch.

          Neben der militärischen Zusammenarbeit mit dem Bündnispartner Amerika strebt Seoul in der Sicherheitspolitik auch eine Kooperation mit Japan an – „in wichtigen militärischen Fragen wie der Bedrohung von Frieden und Stabilität in Nordostasien durch Nordkoreas nukleare Bedrohung“, wie es in dem Weißbuch heißt. Ausdrücklich kritisiert das Weißbuch aber die Bestrebungen „einiger japanischer Führer“, Japans Greueltaten gegen Korea und China im Krieg zu leugnen, als Gefahr für die Zusammenarbeit.

          Quelle: F.A.Z.

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