http://www.faz.net/-gq5-83wmi

Saudi-Arabien : Zahl der Enthauptungen auf Rekordstand

  • -Aktualisiert am

Der saudische König Salman: Unter seine Herrschaft richtete Saudi-Arabien in diesem Jahr weltweit die meisten Menschen hin. Bild: Reuters

Kein anderes Land hat in diesem Jahr mehr Menschen hingerichtet als Saudi-Arabien. Kann die Kritik der Vereinten Nationen einen weiteren Anstieg der Todesstrafen verhindern?

          In Saudi-Arabien sind seit Anfang Januar so viele Menschen hingerichtet worden wie im gesamten vergangenen Jahr. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die die Zahl der vollstreckten Todesurteile mit neunzig beziffert. Am Freitag wurden weitere Enthauptungen erwartet, die auf öffentlichen Plätzen durchgeführt und oft von Hunderten Schaulustigen besucht werden. Nur China und Iran führten 2014 mehr Hinrichtungen durch als das wahhabitische Königreich, dessen Justizsystem auf der Scharia fußt, die auch Prügelstrafen sowie das Abhacken von Gliedmaßen bei minder schweren Vergehen vorsieht.

          Öffnen
          Menschenrechte : Amnesty: Mehr Todesurteile, weniger Hinrichtungen

          Knapp die Hälfte der Todesurteile in diesem Jahr wurde wegen Drogendelikten vollstreckt, die Todesstrafe steht unter anderem aber auch auf Vergewaltigung und Mord. Die meisten Hingerichteten sind Saudis, es wurden aber auch Gastarbeiter aus Pakistan, dem Jemen, Syrien, Jordanien, Indien, Indonesien, den Philippinen und Sudan gehenkt. Die Vereinten Nationen haben den drastischen Anstieg der öffentlichen Enthauptungen wiederholt scharf kritisiert. In Riad herrscht seit Jahresbeginn König Salman, der seinen innersten Führungszirkel im April neu ordnete – und auf Verfechter eines repressiven Kurses setzt: Die beiden Kronprinzen, Muhammad Bin Nayef Al Saud, und sein Sohn, Muhammad Bin Salman Al Saud, sind Innenminister und Verteidigungsminister. Bereits im vergangenen halben Jahr vor dem Tod von Salmans Vorgänger Abdullah im Januar hatte die Zahl der Enthauptungen drastisch zugenommen.

          Stellenangebot: Henker gesucht

          Weil die Justiz von den vielen Hinrichtungen überfordert ist, hatte die Regierung vor zwei Wochen per Stellenanzeige nach neuen Henkern gesucht. Obwohl diese als „religiöse Funktionäre“ eingeordnet werden, rangieren ihre Gehälter am unteren Ende der Einkommensskala. Auch die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) führt Hinrichtungen durch und begründet diese wie das wahhabitische Herrscherhaus mit dem Koran.

          Der IS bekannte sich unter dessen am Freitag zu einem Attentat vor einer schiitischen Moschee im Osten Saudi-Arabiens, bei dem ein Selbstmordattentäter drei Menschen mit in den Tod riss. Erst vor einer Woche waren bei einem Selbstmordanschlag des IS auf eine schiitische Moschee nahe Al Katif 22 Gläubige getötet worden. Die Schiiten sind in Saudi-Arabien eine Minderheit. Sie protestieren regelmäßig gegen Diskriminierung seitens des Staates.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Zyklon „Kai-Tak“ wütet über den Philippinen Video-Seite öffnen

          Sturm in Asien : Zyklon „Kai-Tak“ wütet über den Philippinen

          Vor rund vier Jahren wurde die Region vom Sturm „Haiyan“ verwüstet, wodurch über 7300 Menschen ums Leben kamen. Jetzt fegt der Zyklon über dien östlichen Teil der Philippinen mit Windgeschwindigkeiten von rund 100 Stundenkilometern und starken Regenfällen.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Polizisten in Hildesheim nach der Festnahme von zwei als Gefährder eingestuften Personen im November 2016.

          BKA bewertet Islamisten : Wie gefährlich sind die Gefährder?

          Mehr als 700 mutmaßliche Gefährder leben in Deutschland. Alle ständig zu überwachen ist kaum möglich. Um Prioritäten zu setzen, haben die Behörden nun ausgewertet. Die Ergebnisse lassen viele Schlüsse zu.
          Amerikas Präsident Donald Trump am vergangenen Samstag.

          Russland-Sonderermittler : Trump: Keine Pläne, Mueller zu feuern

          Je unangenehmer die Ermittlungen von Robert Mueller fürs Trump-Team werden, desto hartnäckiger halten sich Spekulationen: Der Präsident könnte den Sonderermittler einfach entlassen. Das habe er aber nicht vor, stellt Donald Trump nun klar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.