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Veröffentlicht: 02.03.2016, 22:57 Uhr

Referendum Entscheidet sich Neuseeland für die „Fischgrätenflagge“?

Neuseeland stimmt über eine neue Flagge ab. Die bisherige ist für die Befürworter ein Relikt der Kolonialzeit. Doch auch die Gegner des zur Abstimmung stehenden Entwurfs haben ihre Argumente.

von , Singapur
© Reuters „Silver Fern (Black, White and Blue)“: der Flaggenentwurf, über den die Neuseeländer abstimmen

Neuseelands Regierungschef John Key ärgert sich, dass in Nachrichtensendungen im Ausland hinter ihm immer mal wieder fälschlicherweise die australische Fahne eingeblendet wird. „Dabei wollen sie sich nicht einmal über uns lustig machen“, sagt der Premierminister. Es handele sich schlicht um eine Verwechselung.

Till  Fähnders Folgen:

Die beiden Flaggen, die dunkelblau sind und den britischen „Union Jack“ in der oberen linken Ecke tragen, ähneln sich nicht nur dadurch frappierend. Auf der anderen Hälfte zeigen beide das Kreuz des Südens. Auf der Fahne Neuseelands besteht die Sternenformation, die nur von der südlichen Halbkugel zu sehen ist, lediglich aus roten anstatt aus weißen Sternen wie auf der australischen. Die Flagge des großen Nachbarn zieren zudem zwei zusätzliche weiße Sterne.  

Da Neuseeland sowieso damit leben muss, wie ein kleines Geschwisterkind Australiens gesehen zu werden, tun die Verwechslungen besonders weh. Sie sind für den Regierungschef auch ein Hauptargument dafür, Neuseeland nach Jahrzehnten der Unabhängigkeit nun endlich eine ganz eigene Flagge zu geben, die stärker die Identität des eigenständigen, modernen und multikulturellen Landes repräsentieren soll. Er will Neuseeland von einem Symbol befreien, das für viele ein Relikt der Kolonialzeit ist, und zu einer fremden, weit entfernten Macht gehört.

© afp Neuseeländer stimmen über eine neue Flagge ab

Von diesem Donnerstag an stimmen die 3,1 Millionen registrierten neuseeländischen Wähler deshalb per Briefwahl darüber ab, ob sie die alte Flagge gegen ein neues Design eintauschen wollen. Der Vorschlag für die neue Flagge trägt den Titel „Silver Fern (Black, White and Blue)“. Sein wichtigstes Merkmal ist, wie der Name schon sagt, ein Farnblatt. Es erstreckt sich schräg über die linke obere Ecke, in der bisher der „Union Jack“ prangte, die markante Kombination aus englischem Georgskreuz, schottischem Andreaskreuz und nordirischem Patrickskreuz. Den Entwurf hatten die Wahlberechtigten im November des vergangenen Jahres in der ersten Stufe des Referendums aus fünf Vorschlägen ausgewählt.

38873627 © AFP Vergrößern Insgesamt fünf Entwürfe hatten in der ersten Runde des Volksentscheids zur Wahl gestanden.

Neuseeland wäre mit dem Flaggenwechsel relativ spät dran. Von den 53 Staaten des Commonwealth tragen nur noch vier die „Union Flag“, wie das Symbol offiziell heißt, in ihrer Flagge. Beobachter nennen das Referendum deshalb eine „großartige Gelegenheit für die Nation, ihre politische Meinung zu äußern“. Premierminister John Key sprach vor Beginn des Referendums von einer Chance, die man nur einmal im Leben bekomme.

Doch die Aussichten für einen Wechsel stehen den Meinungsumfragen zufolge derzeit eher schlecht. Demnach dürften mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten für die alte Flagge stimmen. Für den Premier wäre das eine Niederlage. Noch kein neuseeländischer Politiker hat sich so hinter einen Wechsel gestellt wie er. Von Beginn an hatte John Key sogar seine Präferenz für die Symbolik der neuen Flagge propagiert. Er gab zu verstehen, dass er in Zukunft gern die Nationalpflanze, den Silberfarn, an den Fahnenmasten im Wind flattern sehen würde.

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