Home
http://www.faz.net/-hoy-760gq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Nordkorea droht Amerika „Neue Phase im Kampf gegen den Erzfeind“

Verbunden mit offenen Drohungen gegen die Vereinigten Staaten kündigt Nordkorea weitere Raketen- und Nukleartests an. Die südkoreanische Regierung ruft Pjöngjang dazu auf, die Provokationen zu unterlassen.

© dpa Vergrößern Der neue Machthaber Nordkoreas, Kim Jong-un, hält offenbar an der Politik der nuklearen Erpressung fest

Nordkoreas Ankündigung eines neuen Atomtests ist bei den Nachbarn und der internationalen Gemeinschaft mit Besorgnis aufgenommen worden. Die südkoreanische Regierung bedauerte die Ankündigung und rief Nordkorea auf, Provokationen zu unterlassen. China rief alle Beteiligten dazu auf, Ruhe zu bewahren und sich maßvoll zu äußern und zu handeln.

Nordkorea gab zunächst noch keinen Zeitpunkt für den geplanten Atomtest an. Nach Einschätzung der südkoreanischen Regierung ist Nordkorea jederzeit in der Lage, einen Atomtest durchzuführen. Amerikanische und südkoreanische Beobachter haben schon seit einiger Zeit Vorbereitungen für einen Test in Nordkorea vermeldet. In Seoul hält man es für möglich, dass Nordkorea den Atomtest, der der dritte des Landes wäre, zeitnah am Wechsel im Präsidentenamt in Südkorea im Februar ausführen wird.

„Hochgradige Nukleartests“

Nordkorea hatte am Donnerstag angekündigt, dass es weitere Langstreckenraketen testen und einen „hochgradigen“ Nukleartests durchführen wolle. Dies sei eine neue Phase im Kampf gegen den „Erzfeind“, die Vereinigten Staaten. Es wurde nicht erklärt, was mit „hochgradig“ gemeint ist. Mit der Ankündigung reagierte Nordkorea auf eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, der am Dienstag den Test einer Langstreckenrakete durch Nordkorea im Dezember verurteilt und neue Sanktionen gegen das kommunistische Land beschlossen hatte.

China, Nordkoreas einziger Verbündeter, hatte die UN-Resolution unterstützt. Die Erklärung der Nationalen Verteidigungskommission hatte auch deutlich china-kritische Töne. Man werde umfassende Maßnahmen gegen die feindliche Politik unternehmen, die von den Vereinigten Staaten und jenen „unehrlichen Kräften“, die ihnen folgen, betrieben werde, hieß es mit einem Seitenhieb auf China.

Der UN-Sicherheitsrat sei zu einer „Marionette“ geworden, hieß es in der Erklärung. Die nordkoreanische Regierung erklärte auch die Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm für beendet. Die dort vor drei Jahren erreichte Einigung gelte nicht mehr. Die Sechs-Staaten-Gespräche waren auf Vermittlung Chinas zustande gekommen und fanden über mehrere Jahre hinweg in Peking statt. Nordkorea hatte sie vor drei Jahren verlassen. China hatte noch am Vortrag appelliert, sie wieder aufzunehmen.

Die Ankündigung des Atomtests zerschlägt Hoffnungen, der neue Machthaber Nordkoreas, Kim Jong-un, könnte die Politik der nuklearen Erpressung seines Vaters aufgeben. Nordkorea werde seine Atomwaffen erst aufgeben, wenn die ganze Welt denuklearisiert sei, hieß es in der Erklärung.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET mit P.K.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kurz vor Papstbesuch Nordkorea feuert Kurzstreckenraketen ab

Wenige Stunden vor dem Beginn des fünftägigen Papstbesuchs in Südkorea hat Nordkoreas Armee Raketen ins Meer abgefeuert. Zwei nordkoreanische Flüchtlinge schwammen unterdessen in den Süden. Mehr

14.08.2014, 05:55 Uhr | Politik
Russland Wie smart sind Sanktionen?

Sie treffen den Gegner ohne einen Schuss. Das klingt clever, und kann funktionieren. Doch Sanktionen können auch nach hinten losgehen. Mehr

11.08.2014, 13:42 Uhr | Wirtschaft
Resolution gegen Dschihadisten Sicherheitsrat setzt IS-Unterstützer auf schwarze Liste

Beim Vorgehen gegen den Islamismus sind sich die UN-Vetomächte einig. Mit Unterstützung Russlands und Chinas soll die Finanzierung der Terrorgruppen gestoppt werden. Notfalls will der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen noch weiter gehen. Mehr

15.08.2014, 22:04 Uhr | Politik

Waffen für die Infanterie des Westens

Von Berthold Kohler

Die Weitergabe von Kriegsgerät ist mit Risiken verbunden. Doch kann sich auch der schuldig machen, dem schon das zu schmutzig ist. Die Entscheidung der Bundesregierung ist richtig. Mehr 40 64